Brandserie und Straftaten-Odyssee: Drei junge Eschweger am Landgericht angeklagt

Eschwege / Kassel. „Das ist außer Kontrolle geraten“, ist ein Satz, den der 21-jährige Angeklagte am Dienstag im Kasseler Landgericht mehrfach sagte. So als sei es selbst mit besoffenem Kopf nicht mehr als erwartbar, dass Heu- und Strohvorräte abbrennen, ja ganze Scheunen oder Anbauten Feuer fassen, wenn man an einem dort liegenden Heuballen zündelt.

Der 21-jährige Ex-Eschweger hat gestanden, dreimal so gezündelt zu haben: im September 2009 an der Eschweger Reithalle, ein Jahr später in Oberhone und im Februar 2012 dann wieder an der Reithalle. Sein neben ihm auf der Anklagebank sitzender, 23-jähriger Cousin, früher ebenfalls in Eschwege wohnhaft, seit stets mit von der Partie gewesen. Der aber beteuerte gestern: „Ich hab mit dem Scheiß nichts zu tun gehabt - mit den Bränden.“

Dann war da noch ein dritter junger Mann auf der Anklagebank: ein 20-jähriger Eschweger, der nach eigener Aussage bei jedem der Brände irgendwie in der Nähe war. Er bestätigte, dass er in Oberhone „Schmiere stehen“ sollte, während die anderen ein „kleines Feuerchen zum Aufwärmen“ machen wollten. Die Anklage beziffert den Sachschaden des Brandes 2009mit rund 20.000 Euro. Für den Brand 2010, bei dem unter anderem eine Getreidetrocknungsanlage zerstört worden sei, wird ein Schaden von rund 250.000 Euro angegeben. Bei dem Feuer 2012, bei dem umfangreiche Stroh- und Heuvorräte, Getreidesilos und ein Traktor verbrannten, sollen 100.000 Euro Schaden entstanden sein.

Der 21-Jährige muss sich in Kassel nur für die ersten beiden Brände verantworten - für den letzten hat ihn schon das Amtsgericht Eschwege verurteilt.

Gegen seine beiden Mitangeklagten hingegen haben sich noch weitere Anklagen angesammelt: Für den 23-Jährigen geht es um zwei Ladendiebstähle - die er gestanden hat. Es geht außerdem um eine Körperverletzung - die er gestern bestritt.

Nutella und Eis geklaut

Für den 20-Jährigen geht es noch um einen Einbruch in einen Verkaufswagen, sowie eine wahre Straftaten-Odyssee, die ihn binnen einer einzigen Nacht im Juni 2013 durch Eschwege und dann bis tief in den Schwalm-Eder-Kreis geführt haben soll: Er habe damals zuerst mit einem Kumpel vier Gartenhütten aufgebrochen, gestand der 20-Jährige gestern. Dann hätten sie versucht in eine Bäckerei einzusteigen, schließlich aber in einer anderen Nutella und Eis geklaut - und schließlich in einer Werkstatt einen Ford Mondeo. Das Auto habe dann der Kumpel gelenkt. Er selbst habe es irgendwo weit weg betankt, ohne zu zahlen.

Alle drei Angeklagten sind ehemalige Schüler einer Lernhilfeschule. Den Abschluss dort hat nur der 23-Jährige erreicht. Für den 21-Jährigen steht im laufenden Prozess die Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus oder eine Entziehungsanstalt zur Debatte.

Von Katja Schmidt

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare