Eschweger Amnesty-International-Gruppe kämpft für die Befreiung Ales Bialiatskis

Briefe voller Hoffnung

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Menschenrechtsaktivisten hatten vor der weißrussischen Botschaft Plakate mit der Forderung Ales Bialiatski freizulassen aufgehängt, die von einem Mitarbeiter abgenommen wurden.

Eschwege. Briefe der Hoffnung gehen derzeit von Eschwege in ein Straflager in Weißrussland. Die Eschweger Amnesty-International-Gruppe (AI) beteiligt sich an der AI-Einzelfall-Aktion zur Befreiung des weißrussischen Menschenrechtsaktivisten Ales Bialiatski.

Ales Bialiatski lässt sich seinen Kampfgeist für den Frieden nicht nehmen.

So gab es über Weihnachten und Neujahr eine Briefmarathonaktion. „Ich habe ihm geschrieben, dass auch in der dunkelsten Zeit ein Licht der Hoffnung brennt“, sagt der Pressesprecher der AI-Gruppe Eschwege, Norbert Schrinner. Regelmäßig soll Bialiatski nun bunte Postkarten auch aus Eschwege erhalten. Und die Briefe kamen an, denn der 50-Jährige bekam die Möglichkeit, sich aus dem Straflager heraus für die vielen Sympathiebekundungen zu bedanken. „Ich habe die Welle der Unterstützung und Anteilnahme gefühlt“, schrieb er.

Bialiatski sitzt seit November 2011 im Straflager. Verurteilt wurde er allerdings nicht wegen der von ihm gegründeten Menschenrechtsorganisation Viasna (Frühling), sondern wegen illegalem Devisenhandel. Viereinhalb Jahre hat Bialiatski bekommen. Die internationale Presse ist sich sicher, dass dies eine Machtdemonstration von Staatschef Alexander Lukaschenko sei, der ein Exempel an dem Menschenrechtler statuieren wolle.

Amnesty International betrachtet Bialiatski als gewaltlosen politischen Gefangenen, dessen Verhaftung politisch motiviert war und dessen Ziel es ist, ihn an seiner Menschenrechtsarbeit zu hindern. Die Europäische Union und die USA kritisierten das Verfahren gegen Bialiatski als „politische Inszenierung“. Tatsächlich wurden bei dem Gerichtsverfahren, das keinem internationalen Rechtsstandard entsprach, die Zeugen nicht zu den Anklagepunkten, sondern zu seiner Menschenrechtsarbeit befragt. Viasna wurde bereits 2003 der offizielle Organisationsstatus aberkannt, weshalb die Organisation in Weißrussland kein Konto mehr führen konnte. Bialiatski nutzte deshalb private Konten in Litauen und Polen. Die Informationen darüber wurden von litauischen und polnischen Behörden an Weißrussland übermittelt, später entschuldigten sich die beiden Länder bei Bialiatski und seiner Familie dafür.

Neben der Briefaktion sammelt Amnesty International Unterschriften für die Befreiung des Menschenrechtlers. „Das Ziel ist es, ihn vorzeitig aus der Haft zu holen“, sagt Schrinner. Er ist beeindruckt von der Arbeit des Menschenrechtlers, der sich nicht beirren ließ, obwohl er genau wusste, dass er in Gefahr war, im Straflager zu landen: „Es ist ein bewundernswerter Kampf gegen die Diktatur in Weißrussland.“ 2012 wurde Bialiatski von der damaligen slowakischen Ministerpräsidentin Iveta Radicová für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Im selben Jahr bekam er den Petra-Kelly-Preis der Heinrich-Böll-Stiftung für seinen Einsatz für die Menschenrechte überreicht. „Dieser Preis ist ein Zeichen der Solidarität mit ihm und allen anderen politischen Häftlingen in Weißrussland“, hieß es von Seiten der Heinrich-Böll-Stiftung. 2005 hatte Bialiatski bereits den Homes-Homini-Preis der tschechischen Nichtregierungsorganisation People in Need (Menschen in Not) bekommen. Zudem ist er Vizepräsident der International Federation for Human Rights, dem Dachverband verschiedener Menschenrechtsorganisationen, mit Sitz in Paris. Die Eschweger AI-Gruppe sucht noch Mitglieder und Unterstützer. „Mit etwas Unterstützung könnten wir eine Wanderausstellung über Europas letzte Diktatur in Weißrussland nach Eschwege holen“, sagt Schrinner.

Von Diana Rissmann

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