Sontra

Brieftaube soll Kulturerbe werden – Sontraer setzen sich ein

Die Rennpferde des kleinen Mannes in der Voliere: Rainer Sandrock aus Sontra hat das Wohl seiner Tiere immer im Blick. Täglich reinigt er penibel seinen Taubenschlag.
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Die Rennpferde des kleinen Mannes in der Voliere: Rainer Sandrock aus Sontra hat das Wohl seiner Tiere immer im Blick. Täglich reinigt er penibel seinen Taubenschlag.

Brieftauben dienten einst als Überbringer von Nachrichten. Sie sind Kulturerbe, finden die Sontraer Reisevereinigung und der Brieftaubenverband.

Sontra – Brieftauben kennt jeder, sie sind Kult. Das findet etwa der Brieftaubenverband, der nicht locker lässt in seinen Versuchen, das Brieftaubenwesen als nationales Kulturerbe anerkennen zu lassen. Im Dezember könnte es passieren. Dann werden die nächsten Aufnahmen entschieden. Die Brieftauben sind wieder dabei. Unterstützt wird der Vorstoß von der Reisevereinigung Sontra.

Als Nachrichtenübermittler spielen sie in der Geschichte eine große Rolle: „Auch, wenn sie dieses Amt dank neuster Medien nicht mehr ausüben, sind sie aus der deutschen Kultur nicht wegzudenken“, finden die Verantwortlichen der Reisevereinigung Sontra.

Erneuter Anlauf

Die erste Bewerbung war 2018 noch von der Kultusministerkonferenz und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien abgelehnt worden. Tierschützer hatten sich vehement gegen eine Aufnahme in die Liste gewehrt. Das bundesweite Verzeichnis des sogenannten immateriellen Kulturerbes umfasst derzeit 97 Einträge. „Tierliebe, Zeit in der Natur und ein geselliges Vereinsleben überzeugen noch heute, sich diesem außergewöhnlichen Hobby zu widmen“, so die Sontraer Brieftaubenzüchter.

Rund vier Stunden pro Tag widmet sich Rainer Sandrock seiner Leidenschaft.

Wenig Nachwuchs

Rainer Sandrock aus Sontra hat das Wohl seiner Tiere immer im Blick. Täglich reinigt er penibel seinen Taubenschlag und hat dabei die Fütterung stets im Auge. Er sagt: „Wichtig ist, dass wir kranke Tauben sofort erkennen und dann richtig reagieren.“ Der 76-Jährige lässt keine angeschlagene Taube zum Tagesflug aus dem Schlag. Der Tierschutz spielt für ihn eine große Rolle.

Auch seine Vereinskollegen achten darauf, dass Flüge bei großer Hitze unterbleiben und die Tiere mit Spezialfahrzeugen zum Auflassort gebracht werden. „Sind die Brieftauben erst mal Kulturerbe, dann habe ich keine Angst, dass diese lebendige Tradition noch über mehrere Generationen mit viel Herzblut ausgefüllt wird und sich noch weiterentwickeln kann.“ Laut Sandrock seien die „Rennpferde des kleinen Mannes“ ein kosten- und zeitintensives Hobby, weswegen nur wenige Jugendliche einen Zugang zum Brieftaubenwesen finden. Rund vier Stunden pro Tag widmet er seiner Leidenschaft. Berufstätige rund zwei Stunden.

Langsame Steigerung: Mit Trainingsflügen werden die Tauben ab April an die Wettkämpfe herangeführt.

Gesundheit der Tiere

Die Kritik an den langen Flügen seien unbegründet, sagt Sandrock. Schließlich würden die Tauben darauf vorbereitet. Mit moderaten Trainingsflügen werden die Tiere ab April langsam an die Wettkämpfe herangeführt. Los geht es im April im 60 Kilometer entfernten Alsfeld, ehe sich die Fluglänge unter Berücksichtigung des Gesundheitszustands sukzessive steigert. „Keine Taube geht von Null auf Hundert.“

Längster Flug war 523 Kilometer

Der längste Flug der Reisevereinigung Sontra war in diesem Jahr 523 Kilometer lang und wurde im französischen Besançon gestartet. Ralf Holzhauer sicherte sich mit seinen fünf besten Tauben und 50 Preisen vor Thomas Mähler (Sontra/49 Preisen), Dieter Siebert (Nentershausen/48 Preisen), Sandrock (46 Preisen) und Friedrich Jarmus (Breitau/45 Preisen) die Meisterschaft in der Reisevereinigung. Während Rüdiger Jakob (Röhrda) das beste Männchen im Schlag vorzuweisen hatte, war es Holzhauer, der das beste Weibchen unter seinen Fittichen hatte.

Die Tauben zu züchten, sie heranwachsen zu sehen und dann die Vorbereitung auf Wettflüge, das seien laut Sandrock Erfolgserlebnisse für Züchter. Trotz des Sportgeistes stehe aber natürlich die Gesundheit der Tiere an erster Stelle. (Von Marvin Heinz)

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