Brutparasit greift um sich: Bienenvölker von Milben befallen

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Danny Jöckel sorgt sich um die Bienen: Wegen des milden Winters ist der Befall durch die Varroamilbe gestiegen. Nur durch kontinuierliche Kontrolle und Behandlung nach der Honigernte kann die Zahl der Brutparasiten dezimiert werden. Foto: V. Fischer

Eschwege. Jedes Jahr stehen Imker aus der Region vor demselben Problem: Die Varroamilbe befällt ihre Bienenvölker und vermehrt sich rasend schnell. Laut Danny Jöckel, Vorsitzender des Imkervereins Witzenhausen, sei es dieses Jahr besonders schlimm.

„Man müsste sich das so vorstellen, als wenn sich ein ausgewachsenes Kaninchen an einem Menschen festbeißen würde und kontinuierlich dessen Blut aussauge“, versucht Jöckel die verheerenden Folgen eines Milbenbefalls für eine Biene zu veranschaulichen.

Dass die Bienen dabei großen Schaden nehmen, erkläre sich von selbst. Doch nicht nur die Milbe führe Entwicklungsstörungen und den Tod der schwarz-gelben Tierchen herbei.

Auch die Übertragung von schädlichen Viren auf die Biene sei eine Folge des Milbenbefalls. In diesem Jahr wütet vor allem der Flügeldeformationsvirus sehr heftig: „Viele befreundete Imker rufen mich an und berichten von Krabblern am Flugloch“, erzählt Jöckel. Dies seien Jungbienen mit verstümmelten Flügeln, so der Bienenexperte, und ein eindeutiges Zeichen dafür, dass das Bienenvolk große Probleme mit Varroa habe.

In diesem Falle empfiehlt der 40-jährige Jöckel, die Krabbler nicht mehr in den Bienenstock zu lassen. Das bedeute für die Tiere zwar den Tod, aber mit einer sofortigen Behandlung könne das restliche flugfähige Volk vielleicht noch gerettet werden.

Jöckel selbst entdeckte bei seinen 40 Bienenvölkern bereits im Frühjahr die ersten Milben und kontrollierte den Befall immer wieder mit dem Puderzuckertest: Hierfür werden 50 Gramm Bienen in einen Behälter mit einem feinmaschigen Gitter am Boden gegeben. Anschließend streut man Puderzucker auf die Tiere und schüttelt sie einmal kräftig durch. Wegen des Puderzuckers verlieren die Milben den Halt und können durch das Gitter abgesiebt werden, berichtet Jöckel.

Hoffen auf kalten Winter 

Zwar sei bei ihm die Schadschwelle von 25 Milben auf 50 Gramm Bienen nicht überschritten worden, doch zum Wohle der Bienen beendete er vorzeitig die Honigernte und ging mit Ameisensäure gegen den parasitären Befall vor.

Jöckel hofft, dass seine Bienenvölker die Behandlung gut annehmen und der kommende Winter schön kalt wird. „Die diesjährige Sommerernte war nicht so berauschend. Wenn der Milbenbefall ein zweites Mal wegen zu milder Temperaturen im Winter solche Ausmaße annimmt, steht es schlecht um die Bienen und damit um die Honigernte im nächsten Jahr“, meint der Imker.

Von Viktoria Fischer

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