Bürokratie: Bauern kritisieren Ausbildung

Werra-Meißner. Die neue Düngeverordnung fordert von den Landwirten ein neues Maß an Dokumentation. Dabei ächzen die Bauern im Werra-Meißner-Kreis bereits jetzt unter der Büroarbeit. Darauf werden sie in der Ausbildung aber nicht ausreichend vorbereitet, sagen Kreisbauernverband und junge Betriebsleiter.

Während der Ausbildung seien der Umgang mit EU-Vorgaben und betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse kein Thema gewesen, sagt etwa Milchviehhalter Philipp Siebald (Hausen). „Das kam erst in der Meisterschule.“ Doch nicht jeder Landwirt absolviert diese oder ein Studium, erklärt Uwe Roth, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands. „Es gibt auch viele Quereinsteiger.“ Um einen Hof betreiben zu dürfen, müsse man keine landwirtschaftliche Ausbildung nachweisen.

Das bestätigt Michael Stein, Abteilungsleiter Bildung beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH), schränkt aber ein: „Fast alle Landwirte im Haupterwerb haben eine Ausbildung.“ Im Nebenerwerb registriere man im LLH mehr Interesse an Fortbildung. Hessenweit nehmen pro Jahr über 100 Personen an Nebenerwerbskursen teil. „Für 2017 sind alle Plätze vergeben, für 2018 und 2019 gibt es eine Warteliste“, so Stein. Man überlege, Parallelkurse anzubieten.

Die Kritik an der Ausbildung weist Stein teilweise zurück. Die Ausbildungsordnung sehe allgemein vor, dass Lehrlinge auch mit Dokumentationen und Anträgen vertraut gemacht werden. Ein eigenes Fach gebe es in den Berufsschulen aber nicht. „Wie die Ausbildungsordnung konkret umgesetzt wird, liegt auch in der Zuständigkeit der Ausbildungsbetriebe.“ Sie müssten Lehrlingen auch zeigen, wie man etwa EU-Flächenprämien beantragt oder Kälber registriert. Die Prüfung der Berichtshefte zeige aber, dass dieser Teil der Ausbildung – im Gegensatz zu Arbeiten in Stall und Feld – oft auf der Strecke bleibe.

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