Umgepflügte Feldraine

BUND mahnt Landwirte im Werra-Meißner-Kreis an

Fürstenhagen. Die Diskussion um die unrechtmäßig umgebrochenen Feldwege in Hessisch Lichtenau  nimmt der BUND Kreisverband Werra-Meißner zum Anlass, um auf Wege- und Feldränder hinzuweisen.

„Sie sind – wie die Feldwege auch – ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche Tiere“, sagt Vorstandsmitglied Thomas Reimann.

Leider würden viele Landwirte diese Streifen jedoch mehrfach im Jahr mähen, mulchen (Bedecken des Bodens mit abgemähtem Gras oder ähnlichen organischen Materialien) oder sogar spritzen, damit sich keine unerwünschten Pflanzen bis in ihre Felder ausbreiten. Dabei kann sich die Vielfalt an Kräutern, Pflanzen und Blumen laut Reimann erst dann richtig entfalten, wenn die Wegeränder von menschlicher Hand unberührt bleiben. Zudem werde damit gegen Paragraf 39, Absatz 5, des Bundesnaturschutzgesetzes verstoßen, in welchem steht, dass es verboten ist „nicht land-, forst- oder fischereiwirtschaftlich genutzte Flächen so zu behandeln, dass die Tier- oder Pflanzenwelt erheblich beeinträchtigt wird.“ Bei Feld- und Wegerainen handele es sich eindeutig um nicht landwirtschaftlich genutzte Flächen.

„Wir stecken so viel Geld wie noch nie in den Naturschutz und trotzdem ist das Artensterben so groß wie noch nie“, sagt Reimann. So verlangt das EU-Recht seit 2015 von allen Landwirten, dass sie fünf Prozent ihrer Ackerflächen als ökologische Vorrangfläche, beispielsweise zum Erhalt von Hecken oder als Grenze zu Gewässern, bereitstellen – das sogenannte Greening. „Intakte Feldwege wären viel wertvoller“, verdeutlicht Reimann den enormen Eingriff in die Natur. Würden Wege- und Feldränder naturbelassen, könnte man sich einige Naturschutzgebiete sparen. Denn die Grünstreifen seien Brut-, Nahrungs- und Vernetzungsbiotop für Eidechsen, Bienen, Falter und sogar Rebhühner, die in Deutschland seit Jahren nahezu ausgestorben seien. „Es gibt immer weniger Verstecke und Rückzugsmöglichkeiten, wodurch Haarraubwild wie Waschbär und Fuchs bei ihrer Jagd erfolgreicher sind.“ Mulchen zur Brut- und Setzzeit sei der „Supergau“. Als „Hasenapotheke“ böten die Grünstreifen bestimmte Heilkräuter, welche das Niederwild bei Magenverstimmungen zu sich nehme.

Doch der Einfluss auf die Tierwelt fange schon im ganz kleinen an: „Wenn eine Wiese zu einem ungünstigen Zeitpunkt gemäht wird, gehen schon mal einige Bienenstöcke dabei drauf“, sagt Reimann. Bei einem intakten Feldrand könnten sie sich dorthin zurückziehen und später wieder zurückwandern, wenn die Wiese gewachsen sei, sagt Reimann, der für den BUND auch im Naturschutzbeirat des Werra-Meißner-Kreises sitzt, dem zehn Vertreter aus Forst, Jagd, Fischerei, Landwirtschaft und den Naturschutzverbänden angehören. 

Rubriklistenbild: © R eimann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare