Fragen und Antworten 

Der BUND will mit einer Reiserwiese alte Apfelsorten retten

Fleißig gepflanzt: Mit dabei waren unter anderem (von links) Christiane Buhl, Landtagsabgeordneter Dirk Landau, Schafwirt Torsten Horn und Jürgen Brill. Foto: Schöggl

Oberdünzebach. Am Sonntag fiel der Startschuss: Vertreter des BUND Werra-Meißner, der Politik und freiwillige Helfer haben die neu angelegte Reiserwiese in Oberdünzebach eröffnet. Wir waren dabei und beantworten alle Fragen zu Ablauf, Ziel und Hintergrund des Projekts.

Was genau ist eine Reiserwiese?

„Streuobstwiesen kennen viele, Reiserwiesen jedoch kaum jemand“, sagt Wolf von Bültzingslöwen, Organisator und Vorstandsmitglied des BUND Werra-Meißner, wahrscheinlich zu Recht. Obwohl Äpfel das Lieblingsobst der Deutschen seien, sei die Sortenauswahl im regulären Handel sehr gering.

„Dies hat vor allem wirtschaftliche Gründe“, erklärt Bültzingslöwen. Reiserwiesen wirken dem entgegen und dienen der Vermehrung und Gewinnung von sogenannten Edelreisern; bestimmte Obstbaumsorten werden hierzu auf andere „aufgepfropft“. Dabei entstehen aus dem aufgepfropfte Reiser – auch Reisig oder Zweig genannt – neue Triebe, er wird also vermehrt.

Wie entstehen diese Edelreiser?

Der Prozess der sogenannten Veredelung durch Reiser lässt sich als eine Transplantation beschreiben. Hierbei wird eine starke Baumsorte – in Oberdünzebach ist das der Schneiderapfel – als Unterlage gepflanzt und gepflegt; sobald sie ausreichend verwurzelt ist werden im Frühjahr Äste abgeschnitten und Reiser anderer Sorten an der entsprechenden Stelle in die Krone aufgepfropft. Wenn der aufgepfropfte Reiser angeht, verwächst er mit in den Baum – er wird geklont. Durch diesen Prozess werden seine Gene vermehrt und die Obstsorte bleibt erhalten.

Wozu dienen diese Wiesen?

„Ziel ist es, den enormen Verlust von Apfelsorten zu stoppen“, erklärt Heide Tilgner vom BUND Werra-Meißner. Alte Exemplare sollen erhalten bleiben, zumal sie laut Mitorganisator Uwe Köhler nicht selten resistenter und pflegeleichter seien als die Massenprodukte. „Unsere Reiserwiese ist als Streuobstwiese angelegt. Wir möchten durch sie ein wichtiges Biotop unserer Kulturlandschaft erhalten“, fährt Bültzingslöwen fort.

In den letzten Jahren habe die Sortenvielfalt deutschlandweit um bis zu 40 Prozent abgenommen. Auch die Ernte war in diesem Jahr allgemein schlecht.  Neben der Massenproduktion von „Einheitssorten“ sei ein häufiges Problem, dass wild wachsende Apfelbäume die Landwirte behindern würden und deshalb einfach „mitgeerntet werden“.

Was geschieht mit dem Apfelertrag?

Was nicht für die Wiederaussaat verwendet wird, soll an interessierte Abnehmer gehen. Doch hier liege ein großes Problem für die Artenvielfalt. Besonders im Werra-Meißner-Kreis sei die Vermarktung der selbstgezüchteten, biologischen Äpfel schwierig. Aktuell gibt es ein Projekt mit Apfelchips. Man müsse die Gesellschaft dahingehend sensibilisieren bevorzugt regionale Äpfel zu erwerben.

Was wurde am Sonntag genau gemacht?

Aller Anfang ist schwer: Rund 20 Bäume mussten am Sonntag geschnitten, gepflanzt, befestigt und vor Tieren durch Drähte und Holzbalken geschützt werden. Geplant wird die Wiese bereits seit einem Jahr.  „Wir freuen uns sehr, dass auch die Politik Unterstützung zugesagt hat“, bedankt sich Bültzingslöwen. Mit dabei waren neben vielen Helfern Landrat Stefan Reuß, Vize-Landrat Dr. Rainer Wallmann, Eschweges Bürgermeister Alexander Heppe, der Landtagsabgeordnete Dirk Landau und Armin Jung, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreis.

Wie soll das Projekt zukünftig aussehen?

Tilgner: „Erst einmal sind wir dankbar, bis hierhin gekommen zu sein.“ Die ersten gepflanzten Reiser stammen aus einer Baumschule aus Dietzenrode im Eichsfeld. Um das Projekt zu vergrößern, benötige man mehr Paten, die bei der Finanzierung der Bäume helfen; auch Unternehmen möchte man mit ins Boot holen. Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Wiesenpflege: „Das A und O ist die Nutzung der Wiese als Weidelandschaft. Mit Torsten Horn haben wir hier für die Zukunft schon einen Schafwirt gefunden“, ergänzt Tilgner. Auch Schulen und die Werraland-Werkstätten sollen für das Projekt begeistert werden.

Weitere Infos zum BUND Werra-Meißner gibt es hier.

Von Lorenz Schöggl

BUND legt in Oberdünzebacher eine Reiserwiese an

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