Bunt-statt-braun-Vortrag: Rechtsextreme Ideen und völkischer Feminismus

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Vortrag von Bunt statt braun: Die Historikerin Dr. Annika Spilker (links) referierte über den antichristlichen Antisemitismus, moderiert von der Eschwegerin Ursula Vaupel.

Eschwege. Trotz Hitze und Fußball-WM hatten sich wieder eine größere Zahl Interessierter in der Aula der Volkshochschule eingefunden, um den letzten Vortrag des Aktionsbündnisses gegen Rechts "Bunt satt braun" vor der Sommerpause nicht zu verpassen. Moderiert wurde der Vortrag von Ursula Vaupel, die deswegen früher die Jahreshauptversammlung des Kreisverbandes von Bündnis 90/Die Grünen verlassen hatte, auf der sie für ihr 30-Jähriges Engagement in der Partei geehrt wurde.

In der Reihe „Vom christlichen Antijudaismus bis zu den Neonazis heute“ hielt Dr. Annika Spilker einen Vortrag zum Thema „Wurzeln rechtsextremer Ideen im ‚antichristlichen Antisemitismus’ und im ‚völkischen Feminismus’“. Die Referentin ist Historikerin und freie Forscherin. Vaupel  hatte die Referentin schon als Schülerin kennengelernt und sich jetzt in der Vorbereitung auf den Vortragsabend intensiv mit deren Buch beschäftigt.

Der Vortrag bezog sich auf ihre Forschungsergebnisse, die sie im letzten Jahr darin veröffentlicht hatte. In einem ersten Teil referierte Spilker über die Wurzeln der völkisch-religiösen Bewegung vor und während der Zeit der Weimarer Republik. Diese Bewegung hatte versucht, eine „arteigene Rassereligion“ zu begründen. Diese Gedanken wurden dann auch in der nationalsozialistischen Bewegung aufgenommen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags lag in der Darstellung der Rolle von Frauen in der völkischen Bewegung. Dargestellt wurde dies vor allem am Beispiel der 1877 geborenen Mathilde Ludendorff, deren Werk die Referentin ausführlich ihrem Buch untersucht hatte. Mathilde Ludendorff war eine der radikalsten Vertreterinnen des „antichristlichen Antisemitismus“. Die Referentin erläuterte diesen zunächst irritierenden Begriff auf einleuchtende Weise. Ludendorff kombinierte nämlich antisemitische Einstellungen mit einer radikal antichristlichen Haltung.

"Sehr interessant waren auch die die aktuellen Bezüge, die die Referentin bis hin zu dem derzeitigen NSU-Prozess zog", sagt Andreas Heine vom Aktionsbündnis. Dabei habe sie gezeigt, dass Argumente des antichristlichen Antisemitismus und des völkischen Feminismus Elemente rechtsextremer Ideenbildung waren und bis heute sind. Die sich anschließende angeregte Diskussion zeigte, dass die Referentin es verstanden hatte, den Zuhörenden die Inhalte nahe zu bringen und verständlich zu machen

Nach der Sommerpause wird die Vortragsreihe „Vom christlichen Antijudaismus bis zu den Neonazis heute“ voraussichtlich am 25. September fortgesetzt, dann wird Ursula Vaupel Teile aus ihrer Autobiografie vortragen. (dir)

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