Christine Riechmann ist neue Oberärztin in Eschwege - Mit Mappe und Skalpell 

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Schleppt gern ihre Mappe rum: Dr. Christine Riechmann, seit April leitende Oberärztin der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe am Eschweger Krankenhaus, klärt ihre Patientinnen über Diagnose und Therapie auf. 

Dr. med. Christine Riechmann ist neue leitende Oberärztin der Gynäkolgie und Geburtshilfe am Klinikum in Eschwege. Sie ist Spezialistin für minimalinvasive Operationen. 

Eschwege – Obwohl Dr. Christine Riechmann ganz und gar heiter und ausgeglichen wirkt, haben in ihrer Lebensgeschichte wenig Wege einfach geradeaus geführt. Geboren als deutsches Auswandererkind ist sie in den USA, aufgewachsen in Bayern, Mädchenpensionat, Abitur, Politik- und Philosophiestudium, Hebammenausbildung, ein Jahr Geburtshilfe in der Westbank, und dann erst kam das Medizinstudium. „Ich wollte eigentlich immer Ärztin werden, und ein Faible für Babys und Kleinkinder hatte ich auch schon immer“, sagt sie.

Seit April 2019 als leitende Oberärztin in Eschwege

Seit April dieses Jahres ist sie leitende Oberärztin der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum in Eschwege. Gekommen ist sie vom Krankenhaus Sachsenhausen in Frankfurt, wo sie sich in den vergangenen sechs Jahren zur Spezialistin für Myome (das sind meist gutartige Tumore in der Muskelschicht der Gebärmutter) professionalisiert und unter anderem zu dem Thema „Myome in der Differenzierung“ promoviert hat.

Spezialisiert auf minimalinvasive Operationen

Daher auch ihre Lieblingsmappe, auf der für den Nicht-Lateiner das unverständliche Wort „Hysteroskopie“ steht und mit der sie ihre Patientinnen aufsucht, um Krankheit und Behandlung anschaulich zu erklären. Hysteroskopie ist eine Gebärmutterspiegelung, die zur Diagnostik, aber auch für minimalinvasive Eingriffe angewendet wird.

Eschwege ist kein Neuland für sie

Eschwege ist für Christine Riechmann kein Neuland. Bereits zwischen 1999 und 2013 lebte sie hier mit ihrer Familie, arbeitete aber als Ärztin im thüringischen Mühlhausen und in Bad Hersfeld. Erst 2013 zieht sie endgültig nach Frankfurt. In dem großen Krankenhaus führt sie täglich bis zu zwölf Operationen durch, mit mehr als 3000 Eingriffen in den vergangenen sechs Jahren ist sie eine erfahrene Spezialistin in minimalinvasiver Therapie und seit 2017 auch Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Promotion am Krankenhaus Sachsenhausen in Frankfurt/M. 

In ihre Frankfurter Zeit entwickelt sie auch einen sogenannten Prognose-Score zur präoperativen Erkennung von Sarkomen (das ist die bösartige Variante von Myomen) zur Differenzierung von Myomen. Denn die Unterscheidung sei ganz entscheidend, sagt die Ärztin. Das bösartige Sarkom dürfe auf keinen Fall bei einer OP verletzt werden, weil sich die aggressiven Tumorzellen sonst im Körper streuen.

Geboren in den USA, aufgewachsen in Oberbayern 

Das alles will Christine Riechmann in Eschwege fest etablieren und auch sie selbst will bleiben, immerhin ist sie in ihrem Leben viel umgezogen. Ihre Eltern, der Vater ist Chemiker und die Mutter Textilingenieurin, kehren 1965 Deutschland den Rücken. Christine Riechmann kommt als dritte Tochter der Familie dort zur Welt, doch bereits Anfang der 1970-Jahre geht die Familie zurück nach Deutschland und lässt sich für eine Zeit in Oberbayern nieder, dann geht es nach Königstein in den Taunus, wo Christine Riechmann ihr Abitur macht und dann ein Philosophiestudium beginnt. „Wegen des NCs hat es für Medizin erst mal nicht gereicht“, erzählt sie. Drei Semester genießt sie das Studentenleben und bricht das Studium ab.

Als Hebamme ein Jahr in der Westbank

Sie bewirbt sich mit 800 weiteren Frauen auf einen von 15 Plätzen für eine Hebammenausbildung in Würzburg und wird genommen. 1993 geht sie für den Malteser-Orden ein Jahr in eine Klinik nach Bethlehem in die Westbank, den palästinensischen Autonomiegebieten. „2500 Geburten im Jahr und jeweils eine Hebamme im Dienst“, erinnert sie sich an diese Zeit. Ab 1994 studiert sie dann doch noch Medizin in Berlin, an der FU und der Humboldt-Uni. Um ihr Studium zu finanzieren, arbeitet sie nebenbei als freiberufliche Hebamme. Und als solche, wenn auch ehemalige, ist ihr die Geburtshilfe bis heute ein Herzensanliegen.

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