Fliegende Intensivstation

Christoph 7 in der Werkstatt: Rettungseinsätze mit Polizei-Hubschraubern

Kassel/Werra-Meißner. Viele Nachfragen gab es zuletzt bei der Polizei, weil kein oranger, sondern ein blauer Hubschrauber in der Region unterwegs war. Die Antwort: Christoph 7 wird derzeit gewartet und von einem baugleichen blauen Kollegen der Bundespolizei vertreten. Wir stellen ihn vor.

Sorgen muss sich niemand machen, weil der orangefarbene Luftretter jetzt schon mehrere Wochen nicht mehr am Kasseler Himmel gesichtet wurde. „Es handelt sich um eine Routinewartung“, erklärt Thomas Nagler, Polizeidirektor und Leiter der Fliegerstaffel in Fuldatal. Nach 1000 Stunden Flugzeit sei eben eine größere Inspektion fällig. Allerdings bekomme der orangefarbene Christoph 7 jetzt einen neuen Satz Rotorblätter, so dass die Wartung vermutlich noch zwei weitere Wochen dauert. „Wir hoffen aber, dass bereits nächste Woche wieder ein orangefarbener Hubschrauber im Einsatz ist, eine Springer-Maschine, die dann den blauen Hubschrauber der Bundespolizei, der eigentlich nur für polizeiliche Einsätze genutzt wird, ablöst.“

Auch bei der medizinischen Versorgung sind keine Einschränkungen zu befürchten. Die Ausstattung in allen Rettungshubschraubern ist genormt. Der Umbau eines Polizeihubschraubers in einen Rettungshubschrauber dauert etwa 90 Minuten. Alle Elemente werden in Modulbauweise auf einer Metallplatte befestigt.

Wir erklären die wichtigsten medizinischen Geräte und was sich wo im Hubschrauber befindet: Rechts im Cockpit sitzt der Pilot des Hubschraubers, links daneben der Notfallsanitäter. Der Notfallsanitäter ist für den Kontakt mit der Leitstelle zuständig. Er meldet die Maschine an und ab. Auf dem hinteren Platz direkt neben dem Patienten sitzt der Notarzt. Er hat unmittelbaren Zugriff auf die Krankentrage, auf der der Verletzte transportiert wird. Der Verletzte wird auf der Patiententrage, die mit einer Vakuummatratze ausgestattet ist, in den Hubschrauber geschoben.

Ausstattung ist immer gleich: Der orangefarbene Christoph 7 wird aktuell von einem blauen Hubschrauber der Bundespolizei in Fuldatal vertreten, die Geräte an Board sind allerdings in allen Rettungshubschraubern genormt. Foto:  Koch

Der Notfallrucksack ist wichtigstes Bestandteil in Rettungswagen und Rettungshubschrauber. Er enthält Materialien und Medikamente zur Diagnose und Therapie von medizinischen Notfällen, wie akute Erkrankungen, Verletzungen und Vergiftungen. Neben Verbandsmaterial enthält der Koffer unter anderem Beatmungsbeutel, Intubationsbesteck, Stethoskop und eine Pupillenleuchte. Ein weiterer spezieller Koffer ist an Bord, der bei Kindernotfällen zum Einsatz kommt. Außerdem gibt es im Hubschrauber eine weitere Sauerstoffflasche, die nach der Rettung zur Stabilisierung der Lungen- und Kreislauffunktion dient. Hier sind der Defibrillator (zur Wiederherstellung der Herzaktivität) und das EKG (Elektrokardiogramm – Aufzeichnung der Herzaktivitäten) untergebracht. Per mobiler Datenübertragung (Bluetooth) werden die Patientendaten auf dem Monitor ausgespielt. Außerdem gibt es weitere Geräte. Zum Beispiel um den Puls- und den Blutdruck des Verletzten zu messen.

An Bord unter anderem Pilotin Manuela Uhlig und Sanitäter Christoph Obst.

Im Medizinschrank an Bord des Hubschraubers sind wichtige notfallmedizinische Medikamente untergebracht. Beispielsweise Gegengifte, wenn der Patient beispielsweise an einer Vergiftung leidet.

2017 bereits über 700 Einsätze

Seit Dezember 1974 gibt es einen Rettungshubschrauber in Kassel. Zum Team von Christoph 7, stationiert auf dem Dach des Rot-Kreuz-Krankenhauses, gehören 15 Piloten (sie fliegen auch für die Frankfurter Station), acht Rettungsassistenten und zehn Notärzte. Der Eurocopter EC135 T2i fliegt bis zu 257 km/h schnell und hat eine Reichweite von 640 km. Zwei Triebwerke leisten je 700 PS, Verbrauch: 225 Liter pro Stunde. Bislang gab es 2017 bereits über 700 Einsätze. Durchschnittlich fünf Einsätze gibt es pro Tag. Die Pilotin und der Notfallsanitäter arbeiten von 6.30 bis 22 Uhr, grob von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Wenn es dunkel ist, ist es für den Hubschrauber sind Starts und Landungen zu gefährlich. Morgens wird der Hubschrauber vom Stützpunkt in Fuldatal zum Roten Kreuz Krankenhaus geflogen. Bei einem Einsatz dauert der Start zwei Minuten.

Von Kathrin Meyer

Rubriklistenbild: © Foto: Koch

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