Dr. Claudia Fremder verlässt nach vier Jahren als Geschäftsführerin das Klinikum Werra-Meißner

Packt auch mit zwei gebrochenen Unterarmen an: Dr. Claudia Fremder war vier Jahre lang Geschäftsführerin des Klinikums Werra-Meißner. Heute ist ihr letzter echter Arbeitstag in Eschwege, diese W oche hat sie gepackt und die Geschäfte erst mal an Verwaltungsdirektor Michael Rimbach übergeben. Über ihre Nachfolge ist noch nicht entschieden, aber das Auswahlverfahren läuft bereits. Foto: Stefanie Salzmann

Vier Jahre war Dr. Claudia Fremder Geschäftsführerein des Klinikums Werra-Meißner, jetzt wechselt sie in den fachlichen Vorstand des Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverbandes.

So entspannt und gelöst, wie man Dr. Claudia Fremder eher selten in den vergangenen Jahren erlebt hat, packt sie mit zwei gebrochenen Unterarmen Umzugskartons aus Pappe. „Das ist für mich noch mal ein großer Entwicklungsschritt“, sagt Claudia Fremder, die im Vorstand des Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverbandes als Kuratoriumsmitglied an der strategischen Entwicklung entsprechend den Visionen des Verbandes im Bereich Medizin und Pflege wirken wird.

Ihre Geschäfte am Klinikum in Eschwege hat sie erst mal an Verwaltungschef Michael Rimbach übergeben. „Ich weiß, dass es hier weiterläuft, aber eigentlich hätte ich gern noch zwei Jahre hier gewirkt“, gibt Claudia Fremder zu. Viele Projekte sind angestoßen und begonnen. „Ich hätte gern noch gesehen, was daraus wird.“

Sie hat das Haus in den vergangen vier Jahren nicht nur durch finanziell, sondern auch strukturell schwere Zeiten geführt. „Ein ganz großes Thema war die Besetzung der Chefarztstellen“, sagt sie. Das habe Geld und enorme Ressourcen verschlungen. Während sich dank der neuen Bundesgesetzgebung in pflegeintensiven Bereichen wie der Intensivmedizin, der Geriatrie der Kardiologie sowie der Unfallchirurgie Personaluntergrenzen eingeführt wurden, die der Bund auch finanziert, bleibt das Thema Ärztemangel. „Den kann man nicht beheben.“ In den vergangenen zehn bis 15 Jahren habe sich die Medizin enorm spezialisiert. „Aber wir brauchen in einem Krankenhaus wie in Eschwege eigentlich lauter Allrounder.“

Den Krankenhausstandort Eschwege und Witzenhausen sieht sie gesichert. „Es ist unverzichtbar, das formulieren auch die Krankenkassen ganz deutlich“, sagt Claudia Fremder. Aber sie weiß auch: „Die nächsten Jahre werden schwierig und werden viel Unruhe und Unwägbarkeiten mit sich bringen.“ Die große Frage sei, wie es finanziell mit dem Haus weitergeht. Gesundheitspolitisch stehen spannende Zeiten an, die es in mehrfacher Hinsicht zu meistern gelte – in struktureller und in finanzieller. Beispiel: Dass die Pflege am Bett jetzt aus den Fallpauschalen ausgegliedert wird, sei gut, andererseits würde die Finanzierung von Leistungen wie Putzen, Essenswünsche abfragen etc. jetzt rausfallen. Auch Investitionen, die Krankenhäuser bisher getätigt haben, entstanden zum Teil aus Mischkalkulationen der Fallpauschalen.

Ein anderes Thema ist die Reform des MDK-Gesetzes (Medizinischer Dienst der Krankenkassen), mit denen die Kliniken seit Jahren im Clinch liegen. Drittes Thema unter vielen weiteren: die Neuordnung des Kataloges für ambulante Operationen – was darf, was nicht.

Wenn Claudia Fremder zurückblickt, sagt sie: „Ich habe versucht, mehr Transparenz in das Haus zu bringen und die Leute mitzunehmen.“ Die meisten Mitarbeiter seien mit Begeisterung dabei, übernehmen Verantwortung, und auch der Betriebsrat habe die Zeichen der Zeit erkannt und sorge, dass das Haus zukunftsfähig bleibe.

Aber sie sagt auch über das Gesundheitssystem: „Das System ist irre. Die Lösung ist nicht, weiter zu optimieren, um noch effizienter zu werden. Das wird es nicht retten.“

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