Wenig Fälle dank ländlichem Raum?

Landrat Reuß und Gesundheitsdezernent Dr.Wallmann zu aktuellen Corona-Fallzahlen im Kreis

04.03.2020, Baden-Württemberg, Stuttgart: Ein Mann zeigt kurz bevor die Corona-Ambulanz des Klinikums Stuttgartz können sich Patienten testen lassen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit
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Während hessenweit die Zahl der bestätigten Coronafälle in den Höhe schnellt, lag sie am Freitag im Werra-Meißner-Kreis immer noch bei dem einen Fall aus Meinhard.

Laut Landrat Stefan Reuß liegt zudem ein mit dem Coronavirus infizierter Mann aus dem Werra-Meißner-Kreis in Jena (Thüringen) im Krankenhaus, er habe aber mit seiner Ehefrau nur eine weitere Kontaktperson gehabt. Derzeit würden weitere Verdachtsfälle untersucht, zum Teil hätten sich positive Schnelltests bei der Überprüfung der Probe im Labor aber als falsch herausgestellt, so Reuß.

Zweifel an niedrigen Fallzahlen

Er könne verstehen, dass viele Menschen an den niedrigen Fallzahlen zweifeln, sagt Landrat Stefan Reuß auf Anfrage. Es würden dem Kreis auch regelmäßig Coronafälle gemeldet, die sich dann im Labor aber nicht bestätigt hätten. Laut Gesundheitsamt wisse man von mehr als 100 Test im Werra-Meißner-Kreis, sagte Reuß. Aber müsse nicht jeder Test in den Praxen beim Gesundheitsamt gemeldet werden. 

Gesundheitsdezernent Dr. Rainer Wallmann verweist zudem auf einen „Testtourismus“: Da der Werra-Meißner-Kreis einer der wenigen hessischen Landkreise ohne eigenes Testzentrum sei, würden viele ins Zentrum nach Kassel fahren, um Proben nehmen zu lassen. Auch von dort würden dem Kreis nur positive Ergebnisse gemeldet. Wie hoch die Dunkelziffer der Erkrankten sei, könne man nicht seriös benennen, sagen Reuß und Wallmann. 

Ländliche Struktur

Der Gesundheitsdezernent führt die niedrigen Fallzahlen auch auf die sehr ländliche Struktur des Landkreises zurück: In den ähnlich dünn besiedelten thüringischen Nachbarlandkreisen gäbe es laut einer aktuellen Karte des Robert-Koch-Instituts nur ein bis zwei bestätigte Fälle, während es in den dichter besiedelten nordhessischen Kreisen mehr seien. „Das heißt nicht, dass es mit Verzögerung nicht auch hier

zu steigenden Fallzahlen kommt“, so Dr. Wallmann. 

Klinikum nicht für Spezialverfahren ausgestattet

Das hessische Sozialministerium meldete am Freitag für Stadt und Landkreis Kassel 76 Fälle, für den Schwalm-Eder-Kreis 58, den Kreis Hersfeld-Rotenberg 21 und den Kreis Waldeck-Frankenberg 25. Die Tests aus dem Kreis werden nun nicht mehr in Marburg, sondern in einem Labor in Kassel untersucht, so Reuß. Er habe angeregt, die Analyse im Klinikum Werra-Meißner vornehmen zu lassen, aber erfahren, dass dieses nicht für die Spezialverfahren ausgestattet sei.

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