„Kein Grund zu bunkern“

Corona: Nach Klopapier werden jetzt Medikamente gehamstert

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Hamsterkäufe sind nicht notwendig: Die Apotheken rufen zu einem verantwortungsbewussten Verhalten auf. 

Die Ausbreitung des Coronavirus sorgt für vermehrte Hamsterkäufe. Nach Klopapier sind jetzt freiverkäufliche Medikamente betroffen.

Was bei leeren Toilettenpapier-Paletten und verwaisten Nudelregalen begonnen hat, nimmt jetzt auch bei Medikamenten Fahrt auf. Derzeit können sich die Apotheken der Region nicht vor dem Ansturm an Kunden retten, die sich mit freiverkäuflichen Medikamenten eindecken.

Aber auch Patienten, die chronisch auf Medikamente angewiesen seien, würden jetzt vermehrt vorsorgen. „Wir beobachten, dass die Kunden sich Vorräte schaffen wollen, besonders die Nachfrage nach Schmerzmitteln ist rasant gestiegen“, erklärt Dr. Joachim Kirch von der Löwen-Apotheke in Eschwege. „Wir achten aber auch darauf, dass nur handelsübliche Mengen abgegeben werden, um drohende Engpässe zu vermeiden.“

Coronavirus: Hamsterverhalten der Kunden

Auch Apothekerin Andrea Bräutigam von der Adler Apotheke am Obermarkt bestätigt das Hamsterverhalten der Kunden. „Es gibt keinen Grund zu bunkern, es gibt genug Medikamente für alle und es kommen auch immer wieder neue Lieferungen.“ Aktuell arbeitet das Apothekenteam unter Hochdruck. „Es ist unverschämt, dass gesunde Menschen denen, die die Mediamente wirklich benötigen, wegkaufen“, betont die Apothekerin und ruft zur Raison auf.

Nur bei den raren Gütern wir Desinfektionsmitteln und Schutzkleidung gebe es aktuell große Engpässe, Lieferungen kämen sehr verzögert oder würden abgesagt, so Dr. Kirch. Aktuell würde die Löwen Apotheke nur Desinfektionsspender zum Eigenschutz der Kunden und Mitarbeiter vorhalten. „Wir klären unsere Kunden auf: Desinfektionsmittel sind nicht zwingend notwendig; im alltäglichen Bereich ist es ebenso sinnvoll, sich regelmäßig und gewissenhaft die Hände zu waschen.“ Zwanzig Sekunden mit einer ausreichenden Menge Seife und unter warmen Wasser, so lautet die Empfehlung.

Hohe Verantwortung für Mitarbeiter

Als Arbeitgeber hat Dr. Kirch auch große Verantwortung für seine Mitarbeiter, aufgrund des hohen Kundenkontaktes müssten diese besonders geschützt werden. In Kürze werde die Verkaufstheke mit einem sogenannten Spuckschutz, also eine Art Plexiglasscheibe, ausgestattet, um das Risiko der Tröpfcheninfektion im Umgang mit Kunden zu minimieren. 

Dies sei allerdings nur ein Teilschutz, denn schließlich ließe sich der direkte Körperkontakt durch die Entgegennahme von Rezepten und Bargeld nur schwer vermeiden. „Wir merken, dass unsere Mitarbeiter gerade am Limit sind“, so Dr. Kirch weiter. Neben der Arbeit in der Apotheke nehme auch die Heimversorgung durch Botendienste zu. Derzeit hält der Apotheker an den regulären Öffnungszeiten fest, obgleich die Landesapothekerkammer Hessen bereits reduzierte Öffnungszeiten empfohlen hat.

Selbst fit bleiben

Demnach sollen Apotheken (montags bis freitags von 9 bis 12 sowie 15 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 12 Uhr) geöffnet haben, um die Grundversorgung der Bevölkerung auch in der Krisenzeit sicherstellen zu können. „Je nachdem, wie sich die Lage entwickelt und wie lang die Situation noch andauert, werden wir unsere Öffnungszeiten möglicherweise auch beschränken, um Urlaubsansprüche oder Krankheitsfälle aufzufangen und unseren Mitarbeitern Regenerationsphasen zu ermöglichen. Schließlich können wir nicht im Homeoffice arbeiten und müssen selbst fit bleiben.“

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