Werra-Meißner-Kreis

Schwimmbäder bieten keine Schwimmkurse an

Der sechsjährige Max schwimmt am Dienstag (20.09.2011) mit Schwimmhilfen im Becken der Schwimmhalle Schwerin-Lankow.
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Im Werra-Meißner-Kreis in Hessen werden erst einmal keine Schwimmkurse in den Schwimmbädern angeboten (Symbolbild).

Derzeit bieten die Schwimmbäder wegen der Corona-Pandemie keine Schwimmkurse an. Die Situation der Schwimmanfänger gerät immer stärker unter Druck.

Werra-Meißner - Durch den Corona-Lockdown und die zwischenzeitliche Schwimmbadschließung gerät die ohnehin angespannte Situation bei den Schwimmanfängern weiter unter Druck. Zurzeit werden in den Schwimmbädern der Region keine offiziellen Kurse angeboten.

Wenn die Unterrichtseinheiten wieder starten, sollen erst die Kinder den Kursus wieder aufnehmen, die bereits vor dem Lockdown begonnen haben. „Über die Monate haben sich außerdem lange Wartelisten aufgetürmt“, sagt Violetta Schüttemeyer von den Stadtwerken Eschwege, die hier das Espada Freizeitbad betreiben.

Übungsabende weiter ausgesetzt 

Seit Juli öffnet das Eschweger Schwimmbad beispielsweise wieder Schritt für Schritt. Nach dem allgemeinen Schwimmareal wurden auch die Kinderbereiche wieder freigegeben. Schulen dürften bald wiederkommen und auch Vereine könnten das Bad aktuell nutzen.

„Wir werden aber unsere Übungsabende bis auf Weiteres, aber mindestens für die kommenden drei Wochen aussetzen“, sagt Axel Thormann, Vorsitzender der DLRG Eschwege-Wanfried. Grund seien die bundesweit steigenden Infektionszahlen mit Sars-Cov-2.

DLRG beobachtet Fallzahlen bei Corona

Ähnlich sieht es die DLRG Witzenhausen. „Wir warten ab, wie sich die Fallzahlen entwickeln“, sagt Ingo Schmidt, stellvertretender Vorsitzender der Ortsgruppe. Wenn die beiden Lebensrettungsgesellschaften kein Training anbieten, fällt auch die Schwimmausbildung flach.

Mehrere Kurse zum Seepferdchen bieten die Vereine jedes Jahr an. „Bis wann wir die angestauten Anmeldungen abarbeiten können, ist fraglich“, sagt Schmidt, der hofft, bis zum Jahresende die Schwimmkurse wieder anbieten zu können.

Noch dieses Jahr Seepferdchen-Kurse in Eschwege

Ähnlich sieht es im Eschweger Hallenbad aus. Knapp 200 Kinder lernen hier bei Bademeister Reinhard Eichner jedes Jahr Schwimmen. In diesem Jahr waren es erst ein paar Hand voll. Je nachdem wie sich die Infektionszahlen entwickeln, wollen die Stadtwerke noch in diesem Jahr Seepferdchen-Kurse anbieten. Mit genügend Abstand, kleineren Gruppen und der Hilfe der Eltern, wie Schüttemeyer erklärt. Die Versäumnisse könnten die Kinder aber nicht so schnell aufholen.   

Schwimmkurse immer stark frequentiert

Wegen der Corona-Krise sind nach Schätzung der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) bundesweit bereits Schwimmkurse für mindestens 20 000 Anfänger ausgefallen. Weil es in Deutschland nicht genug Schwimmbäder gibt, können die Kurse nicht einfach nachgeholt werden. Im Werra-Meißner-Kreis sind die Schwimmkurse auch ohne Lockdown immer stark frequentiert, ergab eine Abfrage unserer Zeitung. 

Gesundheit aller steht an erster Stelle 

Sowohl die DLRG in Eschwege-Wanfried als auch in Witzenhausen und die Schwimmbäder in der Region wollen die Infektionszahlen der nächsten beiden Wochen im Auge behalten, um dann zu entscheiden, ob sie den Trainingsbetrieb bzw. die Kursangebote Anfang Herbst wieder aufnehmen. Anhand der DLRG Eschwege- Wanfried beschreiben wir, wie ein Übungsabend unter Einhaltung der Abstands- und Hygienemaßnahmen aussehen könnte. 

  • An der ersten Übungsstunde (18.45 Uhr) dürften maximal 25 Kinder teilnehmen, die von vier Trainern bzw. Ausbildern betreut werden. 
  • An der zweiten Übungsstunde (19.30 Uhr) dürften maximal 25 Kinder/Jugendliche teilnehmen, die ebenfalls von vier Trainern bzw. Ausbildern betreut werden.
  • Es würde den Eltern nicht gestattet sein, ihre Kinder in die Schwimmhalle zu begleiten. Zudem besteht sowohl beim Betreten des Schwimmbades als auch beim Verlassen Maskenpflicht.
  • Des Weiteren stehen nur Einzelumkleiden zur Verfügung, die Sammelumkleiden dürfen aktuell nicht genutzt werden.
  • Die Duschen dürfen nur beim Betreten des Schwimmbades benutzt werden. „Nach Ende des Übungsabends müsste also zu Hause geduscht werden, um die Zeit auszunutzen“, sagt der Vorsitzende Axel Thormann.
  • Anfängerschwimmkurse (Seepferdchen) können zurzeit gar nicht angeboten werden, da hier die Abstandsgebote nicht eingehalten werden können. „Die Gesundheit aller an den Übungsabenden teilnehmenden Mitglieder steht bei dieser Entscheidung für uns an erster Stelle“, sagt Thormann für den Vorstand.

Die Vorstandsmitglieder stehen in ständigem Austausch über die hessenweit geltenden Covid-19-Regelungen und hoffen den Umständen entsprechend den Trainingsbetrieb baldmöglichst wieder aufnehmen zu können. 

DLRG: Nur die Hälfte der Deutschen kann schwimmen

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) schätzt indes, dass ungefähr die Hälfte der Menschen hierzulande gar nicht oder nur schlecht schwimmen kann. Tendenz steigend. 

Eine Forsa-Umfrage kam 2017 zu dem Ergebnis, dass in Deutschland unter den Zehnjährigen etwa 60 Prozent keine sicheren Schwimmer sind, also nicht das Bronze-Abzeichen haben, den Freischwimmer. Die Gründe dafür sind vielfältig; Schwimmunterricht, der an vielen Schulen längst vom Stundenplan gestrichen wurde zum Beispiel, oder Nachwuchsprobleme für die meist ehrenamtlichen Trainer, Schwimmbadschließungen.

Die DLRG schätzt, dass seit Anfang der 2000er-Jahre bundesweit 80 Schwimmbäder geschlossen wurden – pro Jahr. Gab es im Jahr 2000 noch um die 7800 Bäder, waren es 2018 nur noch 6400. Mehr Informationen dazu gibt es online.

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