„Nerven liegen schnell blank

So erleben Kinder und Eltern der Waldorfkita die Coronakrise

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Entspanntes Spiel der Notgruppenkinder im Sandkasten auf dem alten Bahnhofsgelände des Waldorfkindergartens Eschwege.

Betritt man in diesen von Corona geprägten Zeiten den Waldorfkindergarten im Alten Bahnhof in Eschwege, staunt man über die Leere im Foyer und vor allem über die Stille.

Wo sonst 25 quirlige Kinder der Regelgruppe und zwölf in der Krippe über den Flur spazieren, hüpfen, tollen, miteinander spielen, hört man nun nur leises Kinderlachen hinter der Gruppentür: Es sind also doch Kinder da, aber nur sieben, die die Notgruppenbetreuung für Eltern aus systemrelevanten Berufen in Anspruch nehmen.

Die Kindergruppe ist so klein wie in einer großen Familie, der Betreuungsschlüssel ist optimal, geradezu luxuriös, was zur heiteren, entspannten Stimmung bei Kindern und Erwachsenen führt. „Beim Frühstück sind Gespräche möglich, besonders mit Kindern, die in der größeren Regelgruppe sonst eher zurückhaltend sind. Was ich in dieser Zeit schon alles für Geschichten gehört habe!“, berichtet die Kindergartenleiterin Kerstin Manegold. „Wir wertschätzen die Geduld derjenigen Eltern, die ihre Kinder nicht in den Kindergarten bringen konnten und womöglich im Home-Office arbeiten und noch dazu ihre Kinder betreuen müssen. Da liegen schnell die Nerven blank.“

Orientierung und Halt

In den vergangenen Wochen haben die Kinder viele, sich manchmal täglich ändernde Regeln, und damit einhergehende Unsicherheit im Zuge der Corona-Pandemie erfahren. Der geregelte Tagesablauf in der Kindernotbetreuung gibt ihnen Orientierung und Halt. „Alle Tätigkeiten des Tages, alle liebgewordenen Rituale werden – so weit wie erlaubt – beibehalten. Dazu gehört auch, dass wir viel draußen auf unserem großen Freispielgelände in der Eisenbahnstraße sind“, erzählt Kerstin Manegold. Erst jüngst bereiteten die Kinder sich auf das Pfingstfest vor: Die Pfingstvögelchen wurden gebastelt und ein Reigen eingeübt. Am Freitag vor Pfingsten brachten die Erzieherinnen den Kindern, die zuhause geblieben sind, selbst gebastelte Pfingstvögelchen am Zweig hängend nach Hause. Darauf freuten sich schon alle. Mit einem Brief mit einem Frühlingslied und der Geschichte von den Eisheiligen wurde zu den Daheimgebliebenen Verbindung gehalten.

„Zu Hause-Kindergarten“

Manche Mutter musste ihrem Kind immer wieder diese Geschichte vorlesen. Zuhause wurde dann „Zu Hause-Kindergarten“ gespielt. Auch zu Ostern erhielten alle Daheimgebliebenen den Osterbrief mit einer Geschichte und einem gestrickten Häschen im Ostergras.

Die reduzierten Kindergruppen haben sich mit den Beschränkungen gut arrangieren können. Für die Erzieher gab es Mehraufwand durch die Umsetzung der Hygieneverordnung und die Einhaltung der Hygieneregeln. Heinz-Peter Gumpricht, Geschäftsführer des Vereins: „Es ist uns wichtig gewesen, neben den Erziehern auch die Eltern immer zeitnah auf dem Laufenden zu halten – auch wenn neue Verordnungen manchmal erst freitags herauskamen und montags schon umgesetzt werden sollten.“

Gemeinsam Konzept entwerfen 

Für den „eingeschränkten Regelbetrieb“, der seit dem 2. Juni gilt, ist es gelungen, gemeinsam ein gutes Konzept zu entwerfen. „Ziel war es, vielen Eltern und deren Kindern täglich einen eingeschränkten Betrieb zu ermöglichen“, so Gumpricht. Durch die Einbeziehung des großzügigen Außengeländes sei es möglich gewesen, das für alle Kinder anzubieten, wenn auch nur bis mittags. Und Kerstin Manegold ergänzt: „Wir sind wirklich froh darüber, dass unsere Kindergarteneltern sich sehr verantwortungsvoll und kooperativ zeigen. Jedoch freuen wir uns schon auf die Zeit, wenn endlich alles wieder ganz normal ist und alle Kinder wieder da sind.“

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