Auswirkungen auf den Alltag

Coronavirus: Gesundheitsamt ist „voll ausgelastet“

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Die Mitarbeiter des Gesundheitsamts des Landkreises halten unter anderem täglich Kontakt zu den Menschen, die sich in Quarantäne befinden.

Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes des Werra-Meißner-Kreises sind aufgrund der Corona-Pandemie aktuell „voll ausgelastet“.

Dies teilt Pressesprecher Jörg Klinge auf Nachfrage mit und widerspricht damit dem Hessischen Rundfunk (HR), der Ende vergangener Woche berichtet hatte, dass unter anderen das Gesundheitsamt des Werra-Meißner-Kreises überlastet sei. Der HR habe seine Aussage, man habe gerade keine Kapazitäten, um Presseanfragen zu beantworten, als Überlastung interpretiert, sagt Klinge.

Ermittlung von Kontaktpersonen

Doch wie sieht die Arbeit im Gesundheitsamt derzeit aus? Wir haben mit Landrat Stefan Reuß (SPD) und seinem Vize und Gesundheitsdezernent Dr. Rainer Wallmann (Bü90/ Grüne) gesprochen. Einen Großteil der Arbeit mache die Ermittlung von Kontaktpersonen von Corona-Infizierten, die Betreuung der in Quarantäne befindlichen Personen und die Auswertung von Abstrichen aus, sagt Reuß.

Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes würden die in Quarantäne befindlichen Personen intensiv begleiten und hielten täglich Kontakt mit ihnen, bestätigt Wallmann. „Nur, wenn Symptome auftreten, erfolgt ein Test auf das Coronavirus“, erklärt Reuß. Daher sei es wichtig, regelmäßig den Gesundheitszustand abzufragen.

Tägliche Arbeit

Über die zentrale Suche des Bundesverwaltungsamtes sei dem Kreis eine Studentin als sogenannter Containment- Scout für die Ermittlung von Kontaktpersonen vermittelt worden, die am Dienstag ihren Dienst aufgenommen hat. Sie sei für einen begrenzten Zeitraum ganztägig beim Bund angestellt und belaste daher nicht den Stellenplan des Landkreises.

Aktuell stehen dem Kreis drei Teams mit je fünf Mitarbeitern für das Containment-Management zur Verfügung. Laut dem Beschluss von Bund und Ländern, die sich darauf verständigt hatten, dass pro 20 000 Einwohner fünf Mitarbeiter bereitstehen sollen, sind dies immer noch zehn zu wenig. Bei der derzeitigen Zahl an Infizierten und Kontaktpersonen sei das laut Reuß „zu bewältigen“, allerdings blieben abseits von Corona einige Aufgaben liegen.

Die langwierige Ausbildung von Ärzten im Öffentlichen Dienst mache sich nun bezahlt, sagt Wallmann und verweist auf die vier Ärzte, die im Gesundheitsamt arbeiten. Das mache es im Vergleich zu anderen Landkreisen einfacher, mit der Situation zurechtzukommen.

Verstärkung

Aufgrund der starken Belastung für den medizinischen Bereich hätte man auch Mitarbeiter aus anderen Fachbereichen hinzugezogen, erklärt Wallmann.

So seien – neben den Mitarbeitern des Gesundheitsamtes aus dem medizinischen und sozialpsychologischen Bereich, der Betreuungs- und der Lebensmittelbehörde sowie den Hygienikern – aus anderen Fachbereichen Mitarbeiter für die zusätzlichen coronabedingten Aufgaben abgestellt.

Beispielsweise seien eine Schulsekretärin und ein Schulsozialarbeiter im Containment-Management tätig, und die coronabedingten Ordnungswidrigkeiten seien in den Fachbereich Revision verlagert worden. Auch das Gebäudemanagement der Schulen sowie der Fachbereich Landwirtschaft habe mit zupacken müssen. Diese Mitarbeiter müssten allerdings bald wieder zu ihren normalen Aufgaben zurückkehren. Aktuell könnten sie, so Reuß und Wallmann, im Einzelnen nicht ausschließen, dass bestimmte Vorgänge wie Gutachten für Arbeitgeber länger dauern würden als gewöhnlich. „Ich kann da nur um Verständnis werben“, sagte Reuß.

Entlastung

Ein glücklicher Umstand für das Gesundheitsamt des Kreises ist, dass die Schuleingangsuntersuchungen für die künftigen Erstklässler vom Kultus- und Sozialministerium abgesagt wurden. „Sie hätten sonst jetzt über Wochen hinweg laufen müssen“, so der Landrat.

Dadurch, dass die Kinder in Hessen verpflichtend ihre Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt regelmäßig wahrnehmen müssen und zudem die Erzieher in den Kindergärten ein Auge auf den Entwicklungsstand der Kinder hätten, sei die einmalige, coronabedingte Aussetzung vertretbar. Notfalls müsste im „ambulanten Bereich nachgearbeitet“ werden.

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