Pandemie trifft Sänger hart

Coronavirus: Viele Chöre könnten auf der Strecke bleiben

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Marktkirche Eschwege: Konzert mit dem Chor Camerata vocale, Göttingen

Während die Geschäfte längst wieder geöffnet sind und so mancher Wettkampfsport unter Auflagen wieder läuft, gilt für die über 1000 Sänger im Werra-Meißner-Kreis noch ein umfassender Corona-Stopp.

„Seit Mitte März ruht das gesamte Chorwesen“, sagt Hans Otto Schwarz, Vorsitzender des Sängerkreises Mittelwerra, der sich von Bad Sooden-Allendorf über das Meißnervorland und Eschwege bis in den Südringgau streckt und in dem 32 Chöre mit rund 1000 Sängern organisiert sind.

Der Altersschnitt in den Chören und Gesangsvereinen sei hoch, viele Sänger würden darüber hinaus wegen Vorerkrankungen zur Corona-Risikogruppe gehören. „Wir können auch nicht richtig proben, weil das wegen der Aerosole, die länger durch die Luft schweben, in geschlossenen Räumen besonders gefährlich ist“, sagt Schwarz.

Chorsterben verschnellert 

Die Sorge ist, dass die Rückkehr einzelner Mitglieder zum gemeinsamen Singen nach der Corona-Zwangspause zögerlich oder gar nicht mehr stattfinde, berichtet Margret Vogelei vom Vorstand des Sängerkreises Unterwerra, der sich über den Raum Witzenhausen und Neu-Eichenberg erstreckt und elf Chöre mit rund 380 Mitgliedern hat. „Das könnte die Mitgliederzahl einzelner Chöre schrumpfen lassen“, sagt Vogelei. Gleichzeitig glaube sie aber nicht, dass die Corona-Krise das „Chorsterben“ verschnellere. Sie kenne genügend Sänger, die sich sehr auf die Proben freuten. „Ich halte es für nicht ausgeschlossen, dass manche Chöre, wenn wir bis Jahresende nicht mehr singen können, ganz Schluss machen“, sagt hingegen Hans Otto Schwarz. Im Sängerkreis Mittelwerra hätten zwar bis dato keine Chöre wegen der Corona-Pandemie aufgegeben, er wisse aber vom Dachverband, dem Mitteldeutschen Sängerbund, dass sich dort bereits einige Chöre komplett abgemeldet hätten.

Schwarz und Vogelei sind sich beide einig, dass Auftritte und Proben – wenn überhaupt – nur unter Auflagen stattfinden dürften. Der gemischte Chor Concordia Hundelshausen, in dem Vogelei aktiv ist, überlegt nun, zumindest Proben im Freien einmal zu testen. 

Chorverband empfiehlt Proben im Freien

Im Internet gibt der Deutsche Chorverband Tipps für Proben: Es sollte eine Anwesenheitsliste und ein Sitzplan geführt, ein Mund-Nasen-Schutz getragen, mindest zwei Meter Abstand untereinander eingehalten und mindestens alle 15 Minuten gelüftet werden. 

Trotz der Einhaltung der Regeln bestehe in geschlossenen Räumen aber die Gefahr einer Virusübertragung durch Aerosole. Der Chorverband empfiehlt deswegen wegen des geringeren Infektionsrisikos Proben im Freien. 

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