Coronavirus im Werra-Meißner-Kreis

In Kassel und Fulda: Landkreis reagiert entsetzt auf geringe Zahl der Corona-Testszentren

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Untersuchungszentren für Corona-Verdachtsfälle: Für Nordhessen werden die neu eingerichteten Testzentren in Kassel und Fulda liegen, ein drittes Zentrum soll in Gelnhausen eingerichtet werden.

Mit Entsetzen hat der Gesundheitsdezernent  Werra-Meißner, Dr. Rainer Wallmann, auf die Einrichtung von hessenweit nur zehn Untersuchungszentren für Corona-Verdachtsfälle reagiert.

„Zehn Zentren reichen keinesfalls aus, auch nicht in der ersten Phase“, sagte Wallmann. „Mindestens jeder Landkreis muss ein eigenes Untersuchungszentrum haben“, fordert der Dezernent. Für Nordhessen sind als Standorte Kassel, Fulda und Gelnhausen vorgesehen.

Ein Zentrum pro Landkreis sei bei den Gesprächen zwischen den hessischen Kreisen und dem Gesundheitsministerium am Freitag voriger Woche auch eine der Mindestforderungen gewesen, so Wallmann. „Zehn Zentren in ganz Hessen wird einer flächendeckenden Lösung, mit der Hausärzte und Gesundheitsämter entlastet werden sollen, nicht gerecht. Wir müssen jetzt schnell und spontan reagieren“, so der Dezernent, der sich bereits am gestrigen Mittag sofort schriftlich an den hessischen Gesundheitsminister gewandt hatte.

Gestern Morgen hatte der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen, Alexander Kowalski, auf Anfrage mitgeteilt, dass zunächst zehn Untersuchungszentren für Corona-Verdachtsfälle in Hessen eingerichtet werden.

Das Untersuchungszentrum zur Testung von Corona-Verdachtsfällen für den Werra-Meißner-Kreis wird sich in Kassel befinden. Zwei weitere Zentren für Nordhessen werden in Fulda und Gelnhausen geschaffen. Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KV) hatte am Dienstag mitgeteilt, hessenweit zehn Untersuchungszentren einzurichten.

Dass die Standorte erst mal geheim gehalten wurden, habe den Hintergrund, zu vermeiden, dass sich dort lange Schlangen bilden und die Zentren einem großen Ansturm an besorgten Menschen ausgesetzt sind. „Das wäre im Moment nicht zielführend“, so Kowalski. „Die Zentren sind für die Fälle gedacht, wo eine Testung wirklich notwendig ist.“

Bei Bedarf werde die KV die Zahl der Zentren in Hessen nachregulieren. Nach derzeitigem Stand seien die zehn Zentren aber erst mal ausreichend. Auch der Eschweger HNO-Arzt Dr. Jörg Brauneis zeigte sich verwundert über die geringe Zahl an Untersuchungszentren. Auch er habe mit wenigstens einer Teststelle pro Landkreis gerechnet.

„Ob das so gut ist, Alte oder Menschen, die nicht selber mobil sind, dann in den Cantus-Zug zu setzen, bezweifele ich“, sagte der Arzt, der sich bereits freiwillig als niedergelassener Arzt für die Testung gemeldet hat. Betroffene (dazu zählen Menschen, die aus den Risikogebieten kommen oder eindeutige Symptome haben) können sich über die zentrale Rufnummer des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes (ÄBD) in Hessen, Tel. 116 117, melden sowie beim Kreisgesundheitsamt oder bei den Hausärzten.

Alle Stellen führen zunächst eine telefonische Erstanamnese durch, entscheiden, ob eine Testung angebracht ist, und vermitteln dann an das nächstgelegene Untersuchungszentrum weiter. Mit diesem Schritt sollen vor allem die niedergelassenen Ärzte in ihren Praxen entlastet werden. Die sind aber zugleich verpflichtet, die Untersuchungszentren personell zu besetzen, die über den ÄBD, der unter Verantwortung der KV steht, organisiert werden. 

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