Es darf gelacht werden

Mucho Comedy, Macho Guitarras: Südländisches Temperament, das bisweilen im Chaos mündet, ist das Markenzeichen von Paul Marocco und Olé - am Freitag im Kleinkunstzelt. Foto: Open Flair

Als das Kleinkunstzelt ebenfalls noch auf dem Werdchen stand, Open-Flair-Veteranen werden sich erinnern, war Schluss mit lustig, sobald auf der Hauptbühne wieder der Verstärker angeworfen wurde. Denn plötzlich verstand man gar nichts mehr von den eher ruhigen Tönen.

Im Schlosspark, nicht etwa abgelegen, sondern in idealer Geräusch-Distanz, hat die Kleinkunst inzwischen ein perfektes Zuhause gefunden, neben dem Weinzelt, das zum entspannten Chillen einlädt und der Kinderbühne. Wobei das Publikum der kleinen Kunstgattung überhaupt nicht klein ist. Wortakrobaten und Kabarett-Künstler spielen im Schlosspark regelmäßig im vollen Zelt. Auch in diesem Jahr hat das Festival wieder bekannte Namen neben solchen versammelt, die eine Entdeckung wert sind.

Paul Morocco stammt tatsächlich aus Marocco. Mit Umwegen über die USA und England ist er heute aus der deutschen Kleinkunstszene kaum wegzudenken. Denn gemeisam mit Guillermo de Endaya aus Spanien und Antonio Gomez aus Cuba bringen Paul Morocco und Olé geballtes Latino-Temperament auf die Bühne. „Mucho Comedy - Macho Guitarras“ lautet ihr Wahlspruch. Sprachbarrieren gibt es bei dem internationalen Trio nicht. Denn heiße Rhythmen, temporeiche Jonglagen, eine Prise Chaos und etwas durchgeknallter Irrwitz sind zum Abrunden sind das universelle Rezept zum Lachen. Auf dem Festival bringen Paul Morocco und Olé am Freitag um 22 Uhr das Kleinkunstzelt zum Brennen.

Die sympathischen Echopreisträger und passionierten Biertrinker (Selbstaussage) Lars Niedereichholz und Ande Werner, besser bekannt als Mundstuhl, übernehmen dann am Samstag um 22.30 Uhr die Notstandsregierung. Denn nicht nur in Eschweg, in ganz Deutschland herrscht der Ausnahmezustand: Volkskrankheit Burnout, tägliche Castingshows, Karaoke und Frauenquote. Um dem Einhalt zu gebieten, verkünden sie die Notstandsgesetze. Diplomatisch und barmherzig ist dabei nicht so ihre Sache. Es wird eher politisch inkorrekt, unverschämt und kindisch zugehen im Kleinkunstzelt.

Wer dann am Sonntag schon um 13.30 Uhr wach ist, kann sich von Sebastian Schnoy etwas Nachhilfe in Geschichte geben lassen. Mit seinem Programm „Von Napoleon lernen, wie man sich vorm Abwasch drückt oder Frühstück bei Kleopatra“ unternimmt Deutschlands wohl schrägster Historiker einen Streifzug durch die Weltgeschichte, garantiert ohne Zahlen, und erklärt darin auch, warum die Deutschen in der Evolution anscheinend öfter mal sitzen geblieben sind. Zum Schlaulachen.

Von Kristin Weber

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