VERGANGENHEIT HEUTE (4)

Im Heimatmuseum erzählen Bilder die Geschichte

Ein Mann steht hinter einem Modellhaus.
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Im Heimatmuseum Waldkappel gibt es eine große Bilderaustellung. Der Vorsitzende des Geschichtsvereins Lothar Rehbein zeigt ein Modell des ehemaligen Gasthofs „Zum Goldenen Adler“.

Die kleinen Museen unserer Region haben einiges zu bieten. In unserer Serie „Vergangenheit heute“ werfen wir einen Blick in die Ausstellungen. 

Waldkappel – Im ehemaligen Waldkappeler Rathaus befindet sich nun das Heimatmuseum. In sieben Räumen und einer Bilderausstellung gibt es vielerlei Stücke und Dokumente zur Stadtgeschichte zu betrachten.

Geschichte

Das Gebäude befindet sich auf einem ehemaligen Gutshof, genannt der Teichhof. Waldkappel besaß lange Zeit kein Rathaus, da stellte Elisabeth Röth das Gebäude zur Verfügung. In ihrem Testament verfügte sie, dass das Haus als Museum genutzt werden solle, wenn sich ein anderer Standort für das Rathaus finde.

Seit 1997 ist somit das Museum in diesem Gebäude untergebracht. Im selben Jahr wurde der Geschichtsverein Waldkappel gegründet. Der ehemalige Bürgermeister Heinz Huth trieb die Museumsarbeit dabei maßgeblich voran.

Museum heute

Seit 2019 ist Lothar Rehbein der Vorsitzende des Vereins. Bei der Museumsarbeit wird er vom Vorstand tatkräftig unterstützt. Zusätzlich zu den sieben Ausstellungsräumen wurde in 2017 eine Bildergalerie im zweiten Stock eröffnet.

Das Museum ist auch online aktiv: Auf der Homepage des Geschichtsvereins gibt es einen virtuellen Rundgang durch das Museum und sogar eine historische Stadtführung.

Rundgang

Der Rundgang beginnt im großen Saal mit einer großen Anzahl von Gegenständen und Werkzeugen aus Handwerk und Handel. Vorgestellt werden unter anderem die Berufe Friseur, Schuhmacher und Schmied.

Auch einige Werkzeuge der Waldkappeler Zigarrenfabrik gibt es hier. „Dieser Raum fasziniert die Kinder interessanterweise am meisten“, sagt Lothar Rehbein. Vermutlich, da Handwerksberufe immer seltener werden würden. In den 1950er-Jahren habe es rund 80 Gewerbetreibende in Waldkappel gegeben. Heute seien es nur noch ungefähr 20.

Der Uhu erinnert an die Geschichte der Uhlenfänger.

Im nachfolgenden Dokumentenraum sind diverse Dokumente und Kopien ausgestellt, beispielsweise eine Kopie aus dem Stadtarchiv, die die Ersterwähnung Waldkappels in 1226 belegt, oder das Testament Elisabeth Röths. Eine kleine Sammlung von Eulenfiguren verweist auf die Uhlenfänger.

Weiter geht der Rundgang in der „guten Stube“. Die dort ausgestellten Möbel sind Eigentum der ehemaligen Hauseigentümerin Elisabeth Röth, die in ihrem Testament auch verfügte, dass ihre Möbel im Museum ausgestellt werden sollen. Nebenan in einer Küche von 1900 fühlt man sich sofort in das vergangene Jahrhundert zurückversetzt.

Spinnrad, Mangel und Kohleherd sind heute sicherlich in keiner Küche mehr zu finden. Diese Stimmung wird im Landwirtschaftszimmer fortgesetzt. Sichel, Rechen, Butterschleudern und eine Rübenmaschine erzählen von der landwirtschaftlichen Arbeit.

Der Raum für Gewerbe und Handel zeigt Werkzeug alter Berufe.

Momentan arbeitet der Verein noch an einem Stadtmodel, nachgebaut nach einem originalen Stadtplan aus dem Jahr 1802.

Bilderausstellung

Im zweiten Stock gibt es eine umfangreiche Ausstellung vieler Bilder, die Waldkappels Stadtgeschichte dokumentieren. Auch ein Modell des damaligen Gasthofs „Goldener Adler“ findet hier seinen Platz.

Die Bildergalerie dokumentiert vor allem geschichtliche Ereignisse wie den dritten großen Brand von 1854 und den Bombenangriff von 1945 auf den Bahnhof, der den vierten Brand und die Zerstörung des Bahnhofs und einem Drittel der Stadt zur Folge hatte.

Aber auch Bilder des täglichen Lebens sind hier zu finden: zum Beispiel vom Schwimmbad oder der Kirmes. Die Bilder stammenhauptsächlich aus privatem Besitz oder von Filmaufnahmen, die der Zahnarzt Hitzeroth zwischen 1935 und 1941 machte.

Die Aufnahmen stehen dem Museum auch digital zur Verfügung. „Lebendige Bilder sind dann schon noch mal etwas komplett anderes, als Fotografien“, meint Rehbein.

Besichtigung

Das Heimatmuseum Waldkappel öffnet am kommenden Sonntag erstmals nach der Corona-Pause von 14 bis 16 Uhr. Danach sind Besuche wieder an jedem dritten Sonntag im Monat ebenfalls von 14 bis 16 Uhr möglich. Individuelle Besuche und Führungen können auch bei Lothar Rehbein unter 0 56 56 /49 03 vereinbart werden. (Von Anna Schellhase)

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