Flüssigdünger muss im Boden versickern können

Dauerfrost: Landwirte dürfen Gülle nicht fahren

Werra-Meißner. Die anhaltenden Minustemperaturen hindern die Landwirtschaft im Werra-Meißner-Kreis nach wie vor daran, Gülle auszufahren. „Die Düngemittelverordnung untersagt das bei Dauerfrost, wenn es auch tagsüber nicht taut“, sagt Michael Conrad, Sprecher des Regierungspräsidiums in Kassel.

Die Gülle müsse im Erdreich versickern können. Jörg Klinge, Sprecher des Werra-Meißner-Kreises präzisiert das: Die Aufbringung von Gülle oder Jauche auf gefrorene Böden im Frühjahr sei bis in Höhe des zu ermittelnden Düngebedarfs zulässig, jedoch maximal bis zu 60 Kilogramm Gesamtstickstoff pro Hektar und nur dann, wenn die folgenden Voraussetzungen vorlägen:

• Der Boden wird durch Auftauen am Tag des Aufbringens aufnahmefähig, 

• es ist nicht mit einem Abschwemmen der aufgebrachten Dünger zu rechnen, 

• der Boden trägt eine durch Einsaat entstandene Pflanzendecke (keine Selbstbegrünung) und 

• insofern die Gefahr von Bodenverdichtungen oder Strukturschäden durch Befahren besteht, beispielsweise bei einer späteren Düngung auf nicht gefrorenem Boden.

Große Not wegen voller Lager sieht Klinge allerdings nicht: „Aktuell hat sich die Lage für die landwirtschaftlichen Betriebe zumeist entspannt.“ Prinzipiell bestehe häufig die Option, Lagerkapazitäten anderer Betriebe mit zu nutzen.

Nichtsdestotrotz wurden nach Angaben Conrads im vergangenen Jahr gegen Landwirte im Werra-Meißner-Kreis vier Ordnungswidrigkeitsverfahren in Zusammenhang mit der Düngemittelverordnung eingeleitet. Zweimal, so der Sprecher des Regierungspräsidiums in Kassel, hätten Landwirte Gülle auf geschlossene Schneedecken ausgefahren. In ganz Hessen würden im Jahr durchschnittlich 50 Verfahren wegen solcher Verstöße angestrengt.

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