Priestermangel spitzt sich zu 

Dechant Mario Kawollek verlässt Ende Januar die Region

Verlässt den Pastoralverbund St. Gabriel Werra-Meißner und die St.-Nikolaus-Kirchengemeinde: Mario Kawollek, hier vor der St.-Elisabeth-Kirche in Eschwege. Foto:  Wüstefeld

Eschwege. Der Pfarrermangel bei den Katholiken des Werra-Meißner-Kreises spitzt sich weiter zu. Zum Ende dieses Monats verlässt auch Dechant Mario Kawollek die Region, um mitarbeitender Pfarrer in einer Kasseler Gemeinde zu werden.

Schleichend sei der Prozess gewesen, erzählt Mario Kawollek. Zuerst habe er gar nicht erkannt, dass irgendwas nicht stimmt; dass ihm die Verwaltungstätigkeiten seiner Arbeit keine Ruhe mehr ließen und er nicht mehr abschalten konnte, auch in der von ihm so geliebten Seelsorge, dem anderen Teil seines Berufes, nicht. „Erst als mich ein sehr guter Freund auf meinen Alkoholkonsum ansprach, merkte ich, dass irgendetwas schiefläuft“, erinnert sich der katholische Priester an das Jahr 2016 zurück, mit dem sich alles änderte.

Denn in den Alkohol hat sich der heute 49-Jährige geflüchtet; hat zu seinen Mittagessen, die er stets außerhalb einnimmt, erst ein, dann mehrere Bier bestellt. „Dass ich alkoholkrank bin, habe ich aber gar nicht in Betracht gezogen“, sagt er, „das waren für mich immer Menschen mit einer roten Nase, die die Finger nicht vom Schnaps lassen konnten.“ Seine eigenen körperlichen Signale, die auf ein Suchtverhalten hindeuten könnten, hat er geflissentlich ignoriert, ebenso wie die zuletzt täglichen Gedanken, sich mit dem Bier zu belohnen.

Damals wie heute ist Kawollek seinem Freund, der ihn so offen auf seinen Alkoholkonsum ansprach, sehr dankbar. Denn seinetwegen hat er sich nicht nur in eine dreimonatige Therapie begeben – „bis heute habe ich keinen Schluck Alkohol mehr getrunken und habe auch kein Verlangen mehr danach“ –, sondern weiß jetzt auch wieder, was er eigentlich will: Priester und Seelsorger sein. „Bei dieser Arbeit geht mir das Herz auf“, erzählt der gebürtige Kasselaner und fängt an zu lächeln, „das hat mir schon immer Spaß gemacht und erfüllt mich.“ Verwaltungsarbeit hingegen gehöre nicht zu den Aufgaben, die er noch machen möchte. „Da würde mich der Kopf nicht mehr freigeben.“

Das bedeute jedoch, dass er seine Stelle als Pfarrer in Eschwege und Umgebung sowie als Dechant für den Werra-Meißner- und den Hersfeld-Rotenburg-Kreis, aufgeben müsse. „Das macht mich natürlich schon traurig“, sagt Kawollek, der seit 18 Jahren hier vor Ort ist und in dieser Zeit auch die Ökumene sehr zu schätzen gelernt hat. „Ich bin hier mit den Leuten zusammengewachsen, habe Freunde gefunden und menschlich jede nur erdenkliche Unterstützung erfahren, vor allem von meinem Team.“ Ginge es nach seinem Herzen, würde er deshalb auch definitiv bleiben, sein Verstand aber sagt nein. „Und auf den muss in diesem Fall hören, möchte ich nicht wieder krank werden.“

Auf seine Arbeit in Kassel freut er sich deshalb, weil die ohne Büroarbeit ist: Zu gleichen Teilen wird er dort in der Pfarrei-Arbeit und der katholischen Hochschulgemeinde eingesetzt. „Künftig werde ich auf den Turm der St.-Bonifatius-Kirche blicken, in der ich meine Kommunion empfangen habe.“ Einmal im Monat soll er dort zudem einen englischsprachigen Gottesdienst halten, „die Bibel habe ich schon“.

Ein Stückchen Eschwege aber darf nicht fehlen: Die jährlichen Gebetsimpulse, die er hier eingeführt hat, möchte er auch in der Großstadt etablieren. „Mitten im Alltag beschäftigt man sich dann für eine halbe Stunde mit dem Glauben“, sagt er, „das tut gut.“

Verabschiedung am 4. Februar 

Mit einem Gottesdienst wird der Pfarrer und Dechant Mario Kawollek am Sonntag, 4. Februar, in der St.-Elisabeth-Kirche in Eschwege, Friedrich-Wilhelm-Straße 36, verabschiedet. Los geht es um 14 Uhr. Anschließend ist ein Empfang im Pfarrheim geplant.

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