DEKAN ARNOLD GEHT IN DEN RUHESTAND 

Dr. Martin Arnold geht nach 20 Jahren als Dekan des Kirchenkreises in den Ruhestand 

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Nach fast 20 Jahren im Amt und 40 Jahren als Theologe geht Dekan Dr. Martin Arnold zum 31. Dezember in den vorzeitigen Ruhestand. 

Nach fast 20 Jahren im Amt und 40 Jahren als Theologe geht Dekan Dr. Martin Arnold zum 31. Dezember in den vorzeitigen Ruhestand. Wir blicken zurück auf sein Leben und Wirken.

Zu sagen, er habe sich geopfert, wäre im religiös-historischen Kontext vielleicht etwas zu viel des Guten. Mit seiner frühzeitigen Pensionierung hat sich Dr. Martin Arnold aber in den Dienst der Kirche gestellt – so, wie er es fast 20 Jahre als Dekan und sein gesamtes Leben als Christ getan hat. Er hat mit seinem Rückzug dem neuen Kirchenkreis Werra-Meißner ein schwieriges Konstrukt mit zwei Dekanen und einem komplizierten Übergangsszenario erspart. Am 31. Dezember werden Kirchenkreis Eschwege und sein Dekan Geschichte sein.

Fusion Kirchenkreis

Die Fusion der beiden Kirchenkreise Eschwege und Witzenhausen bezeichnet Arnold als seine größte berufliche Herausforderung – und davon hatte Arnold einige in seinen 33 Jahren als ordinierter Pfarrer und 40 Jahre als Theologe. „Jeder Kirchenkreis bringt seine eigene Kultur mit“, sagt der scheidende Dekan, der den Prozess in den vergangenen vier Jahren eng begleitet hat. 

Dekanin Ulrike Laakman und Dr. Martin Arnold bei der Stimmabgabe. Fusion der Kirchenkreise Eschwege und Witzenhausen wurde (fast) einstimmig beschlossen.

„So eine Zusammenführung braucht Zeit, zwischen Hebenshausen und Herleshausen muss man sich in den nächsten Monaten erst mal finden.“ Arnold glaubt dennoch daran, dass die Zusammenführung glücken wird. Auch, wenn es am Anfang nicht ganz reibungslos laufen werde. „Wir haben diesen Prozess aus meiner Sicht aber so gut wie möglich vorbereitet.“

Letzte Projekte

Bis zum letzten Tag wird der Dekan zu 100 Prozent Dekan sein. Vieles hat Arnold noch auf den Weg gebracht, seit sein Ruhestand in greifbare Nähe gerückt ist. Die Pfarrstellenplanung bis 2026 ist erledigt, die Gebäudebedarfsplanung abgeschlossen, die Zusammenführung von Kooperationsräumen in den Kirchspielen hat er angegangen und regionale Kirchenbüros eingerichtet, die den Pfarrern die Formalien abnehmen sollen. „Ich habe trotzdem nicht das Gefühl, alles erledigt zu haben, weil große Vorhaben noch nicht abgeschlossen sind.“

Zukunft der Kirche

Dass der Mitgliederschwund nicht umkehrbar ist, ist auch Arnold bewusst – trotz aller Versuche in den vergangenen Jahrzehnten. Die Lebensverhältnisse hätten sich nun mal verändert. „Trotzdem müssen wir moderner werden und zeitgemäße Formen finden“, fordert Arnold für seine Kirche. Die Menschen bis 45 Jahre abzuholen sei die große Aufgabe.

Weil die Menschen häufiger ihren Wohnort wechselten, müsse Kirche den Zuziehenden schneller signalisieren: „Wir sind für dich da“. Außerdem müsse der Kontakt zu den Jüngeren gehalten werden. Warum werden Konfirmationsjubiläen nach 25, 50 oder 60 Jahren gefeiert? Warum nicht schon nach fünf oder zehn Jahren?“ Tele-Theologie, analog zur Tele-Medizin, schätzt Arnold nicht. „Wir müssen Digitalisierung und mediale Möglichkeiten nutzen, aber die reale Zuwendung wird das nicht ersetzen.“

Jüdische Kultur

Langweilig wird dem Wissenschaftler nicht werden. Er wird weiter forschen zu Theologie und Geschichte. Insbesondere die Religionsgeschichte im Raum Eschwege hat es ihm angetan. Zahlreiche Veröffentlichungen sprechen dafür. In der Vergangenheit hat er sich mit der Rolle der Kirche im Dritten Reich, Antisemitismus und insbesondere der jüdischen Geschichte in der Region 

Dr. Martin Arnold mit dem Restaurator Hans-Dieter Lomp in seiner Werkstatt

auseinandergesetzt. „Die evangelische Kirche war hier verstrickt und ich finde, wir müssen ein ehrliches Verhältnis zur Geschichte finden und unser Verhältnis zum Judentum neu aufstellen. Im Herbst des Jahres und seiner Karriere hat Arnold noch einen Herzenswunsch umgesetzt. Er hat den Verein „Freundinnen und Freunde des jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis“ aus der Taufe gehoben, dessen Vorsitzender er in Zukunft sein wird. Gleichzeitig ist im Obergeschoss der ehemaligen Synagoge in Abterode, früher eine der größten jüdischen Gemeinden im Kreis, ein außerschulischer, moderner und interaktiver Lern- und Gedenkort entstanden. Insbesondere Schüler sollen hier kulturgeschichtliche Einrichtungen der jüdischen Gemeinschaften im Werra-Meißner-Kreis, Vergangenheit und jüdische Kultur bewusst gemacht werden. „Wir treten für eine Gesellschaft ein, in der Platz für alle ist und die respektvoll miteinander umgeht.“

Familie

Auch wenn Dr. Martin Arnold, der aus Birkenbringhausen im Kreis Waldeck-Frankenberg stammt, das Dekanat und die dazugehörige Wohnung verlassen wird, wird er Eschwege treu bleiben. Seine Frau Ulrike bleibt weiterhin am Eschweger Oberstufengymnasium im Schuldienst. Wohl im März beziehen sie ihre neue Wohnung in Eschwege. Dort werden sie nicht nur Besuch von ihren vier Kindern Felix (33), Annegret (32), Friedemann (28) und Simon (26) bekommen, sondern auch von Enkelkind Johann, der in diesem Jahr geboren wurde.

Zukunft

Ein Jahr und acht Monate hätte es eigentlich noch gedauert, bis Dekan Arnold ganz offiziell in den Ruhestand beordert worden wäre. Dass er früher geht, bereut er nicht. Denn Dr. Martin Arnold weiß, wie kostbar es ist, Zeit zu haben und gesund zu sein. Vor sieben Jahren war er schwer erkrankt. Seit dem ist er demütiger geworden, macht keine langfristigen Pläne mehr. „Es ist ein besonderes Geschenk, wieder gesund geworden zu sein.“ Eine Konsequenz aus dieser Krankheit: Er hat einen täglichen Mittagsschlaf eingeführt. Den kann er jetzt zelebrieren – wenn es seine vielfältigen Aufgaben als Pensionär und Familienvater zulassen.

Sein Werdegang

Dekan Martin Arnold bei der Einschulung in Birkenbringhausen/Eder, zweiter Junge von rechts

Dr. Martin Arnold wurde am 9. Dezember 1955 in Birkenbringhausen (Waldeck-Frankenberg) als ältester Sohn des Maurers Wilhelm Arnold und der Hausfrau Margaret geboren. Ab 1961 besuchte er die Grundschule in Birkenbringhausen, dann die Realschule Frankenberg (1965 bis 1971), dann das Gymnasium in Frankenberg. „Aufgrund eines sehr interessanten Konfirmandenunterrichts und guter Erfahrungen in der kirchlichen Jugendarbeit habe ich mich zum Studium der evangelischen Theologie entschlossen“, berichtet Arnold rückblickend. 

Er studiert an der Kirchlichen Hochschule Bethel (Sprachprüfungen in Latein, Griechisch und Hebräisch) und bis 1980 an der Uni Göttingen. 1983 heiratet er seine Freundin Ulrike Lichdi. Nach vier Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter beginnt er sein Vikariat in Kassel und wird 1986 zum Pfarrer ordiniert. 1988 schließt er seine Dissertation in Göttingen ab. 

Vom 1. November 1988 bis zum 31. März 2000 war Arnold Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Salmünster-Bad Soden. Die Ausbildung von Pfarrern lag ihm immer am Herzen. Im Predigerseminar der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck hat er bei der Ausbildung der Vikarinnen und Vikare mitgewirkt und sie seelsorgerlich begleitet. 1990/91, 1993/94, 1995/96 und 1997/98 war er als Mentor (Lehrpfarrer) von drei Vikarinnen und einem Vikar tätig. Im Jahr 2000 wurde Arnold zum Dekan des Kirchenkreises Eschwege berufen. 

Seine Schwerpunkte: . Initiativen zur verlässlichen Öffnung von Kirchengebäuden. .Öffentlichkeitsarbeit (u.a. Internetauftritt seit 2002). . Mitarbeit in diakonischen Einrichtungen (Werraland-Werkstätten, Aufwind, DiaCom). . Mitarbeit in der „Klostergesellschaft Germerode“.  Mitwirkung in der Kirchenerhaltungsstiftung des Kirchenkreises.  .Mitgestaltung ökumenischer Beziehungen nach Indien, Estland und Mühlhausen.  .Verschiedene Publikationen zur regionalen Kirchengeschichte

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