Gottesdienst und Würdigung

Dekan Dr. Martin Arnold wurde nach fast 20 Jahren im Dienst verabschiedet

Verabschiedung von Dekan Dr. Martin Arnold
+
Ein letzter Segen

Nach fast 20 Jahren als Dekan des Kirchenkreises Eschwege endete mit der Verabschiedung von Dr. Martin Arnold eine Ära. 

Weggefährten, Kollegen und Freunde würdigten seine Arbeit. "Der Glaube war für mich ein Gottesgeschenk. Ich musste Pfarrer werden“, sagte Dekan Dr. Martin Arnold. Er wollte etwas von der „Wärme des Backofens der göttlichen Liebe weitergeben.“ Nicht nur der Dekan geht, auch der Kirchenkreis Eschwege mündet nun zusammen mit Witzenhausen in den neuen Kirchenkreis Werra-Meißner ein – mit Ulrike Laakmann als Dekanin.

Feierliche Entpflichtung durch die Pröbstin in Eschwege

Der dritte Mittwoch im Januar war stets für den Neujahrsempfang reserviert, in diesem Jahr gaben sich Abschied und Anfang dabei mehr denn je die Klinke in die Hand. 19 Jahre übteDr. Martin Arnold das Amt des Dekans aus und war in seiner Funktion auch im öffentlichen Leben der Kreisstadt allgegenwärtig.

In der Eschweger Marktkirche wurde er von Pröpstin Kathrin Wienold-Hocke vor vollem Haus feierlich entpflichtet und von Dekanin Ulrike Laakmann, den Mitgliedern des Kirchenkeisvorstands Pfarrer Ralph Beyer, Hedwig Siebert und Ludger Arnold sowie Pfarrerin Sieglinde Repp-Jost und Prädikant Harald Nolte verabschiedet.

In der Eschweger Marktkirche wurde er von Pröpstin Kathrin Wienold-Hocke vor vollem Haus feierlich entpflichtet.

Die letzte Predigt von Dekan Arnold in Eschwege

Zur Predigt hatte Dr. Martin Arnold sich als Überschrift den Spruch „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ aus 2 Timotheus 1,7 gewählt. Den Geist der Furcht schienen viele Menschen heute wieder stärker zu spüren, sagte er. In den 1980er- Jahren, als er als junger Pfarrer in Bad Soden-Salmünster angefangen habe, war die Welt unsicher wie noch nie. Alle hätten damals Angst vor einem Atomkrieg gehabt. „Heute leben wir wieder in unsicheren Zeiten. Viele machen sich Sorgen“, sagt er. „Viele haben das Gefühl, ihr Leben könne wertlos sein.“ Deshalb kämpften so viele um Wertschätzung und 

Eine letzte Predigt: Der Dekan im Ruhestand Dr. Martin Arnold gab in seiner energiegeladenen letzten Ansprache auch viel Persönliches preis. Als Pfarrer wird er weiter ordiniert bleiben. Fotos: Kristin Weber

Anerkennung, sagte er und fügte hinzu: „Aber es geht oft nur darum, sich selbst gut in Szene zu setzen. Es geht nicht um den Nächsten, sondern nur um die eigenen Interessen.“ Einfallstore für den Geist der Furcht sieht Dr. Martin Arnold viele, dagegen wolle er Kraft und Besonnenheit setzen.

Engagement für Menschen mit Behinderung, Flüchtlinge und Juden

Als Kind sei er „klein und schmächtig“ gewesen, doch er habe sich ein Herz genommen und sei nach vorne gegangen. Der Konfirmandenunterricht habe ihn neugierig gemacht auf die christliche Botschaft. So verwarf er seinen Plan, Brückenbauingenieur zu werden, und studierte Theologie. Die Anforderungen seines Amtes hat er ernst genommen – mehr als ernst, wie viele seiner Weggefährten (Artikel unten) sagen – und sich für Menschen mit Behinderung, Flüchtlinge oder das Gedenken an das jüdische Leben im Kreis engagiert.

Seine Vorträge und Bücher atmen einen weiteren Geist, den der Geist Wissenschaft. „Die theologische Arbeit bindet mich zurück an die Welt des Glaubens“, sagte er zum Abschluss.

Und davon, so waren alle, die ihm in der Marktkirche zuhörten, überzeugt, wird in Zukunft noch viel mehr zu hören sein. Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst von Chor und Posaunen mit einem Gloria aus „Misa a Buenos Aires“ unter der Leitung von Susanne Voss und Andreas Bartram.

Weggefährten würdigen den Dekan Dr. Martin Arnold

Ein Ruhestand im Wortsinn, so vermutete Pfarrer Gernot Hübner auf der Bühne im E-Werk, wird es für Dr. Martin Arnold wohl nicht werden. Mit einem humorvollen Lied verabschiedeten die Pfarrer des Kirchenkreises Eschwege ihren „Aufseher“ und bezweifelten darin mit zungenbrecherischer Liedzeile, dass er allzu viel „ruhestehen“ wird. Stillstand ist nicht seins. 

Landrat Stefan Reuß dankt Dekan für Zusammenarbeit

Rastlos sei er von einer Veranstaltung zur anderen gelaufen, erinnerte Landrat Stefan Reuß an Dekan Dr. Martin Arnold. Er habe viel Energie aufgebracht und dadurch auch im politischen Kreis viel vorangebracht. Der Landrat dankte für die gute Zusammenarbeit. Zur Kommunalpolitik habe der Dekan ohnehin immer einen guten Draht gehabt, wusste Präses Ludger Arnold über den langjährigen Weggefährten zu berichten. Mit seinem jüngsten Engagement für die Bewahrung der Erinnerung an das jüdische Leben im Werra-Meißner-Kreis habe Dr. Martin Arnold den Fokus in der Erinnerungskultur gewendet, hin zum Leben, sagte Eschweges Bürgermeister Alexander Heppe. Denn zusammen mit dem Verein Aufwind hat der Dekan in der ehemaligen Synagoge in Abterode eine Gedenkstätte und einen außerschulischen Lernort mit digitalem Archiv aufgebaut. „So hast du entscheidend daran mitgewirkt, dass wir eine Region sind, die hinschaut – gerade dann, wenn es wehtut“, sagte Heppe. Denn längst sind noch nicht alle Schatten aufgearbeitet. „Wir wollen Sie gerne in die Pflicht nehmen, da weiterzumachen“, fügt Stefan Reuß hinzu, und so entließen auch die Politiker den Theologen nicht ohne ein gewisses Maß an Hausaufgaben in die Pensionierung. 

Aufgaben in Familienbildungsstätte und Diakonie

Neben dem von ihm gegründeten Verein „Freunde und Freundinnen des jüdischen Lebens“ hat Dr. Martin Arnold in 19 Jahren in vielen weiteren Gremien mitgewirkt, unter anderem für die Familienbildungsstätte, das evangelische Forum oder die Diakonie. 

Andreas von Scharfenberg betonte die wichtige Arbeit der Kirchenerhaltungsstiftung

Andreas von Scharfenberg betonte die wichtige Arbeit der Kirchenerhaltungsstiftung, die in der Amtszeit des Dekans gegründet wurde, und durch die bereits 51 Bauprojekt unterstützt und mit 270 000 Euro inklusive Spenden finanziert werden konnten. „Es ist eine Mammutaufgabe unsere Kirche zu erhalten“, sagte von Scharfenberg und kündigte an, die Stiftung solle in Zukunft noch erweitert werden. Karl-Heinz Werner legte den Fokus auf die Mitarbeit des Dekans im Diakonischen Werk Werra-Meißner und für das Kloster Germerode, innerhalb dessen historischer Mauern eine Kommunität angesiedelt werden konnte. „Mit aller Kraft hast du dich in die Aufgabe geworfen, in der Region ein geistliches Zentrum zu errichten“, sagte Werner. 

Gäste kommen extra aus Estland nach Eschwege

Aber auch Gäste aus entfernten Partner-Gemeinden wie aus Estland steuerten gern einige Anekdoten bei, um den Dekan zu würdigen. Denn zum großen Erstaunen von Propst Vallo Ehasalu und Mart Joanson aus der Propstei Valga hatte Dr. Martin Arnold ihnen mehr über die Kirchengeschichte ihrer Region in Estland erzählen können, als sie selbst gewusst hatten. „Ich muss das jetzt alles erst mal verarbeiten“, sagte Arnold am Ende kopfschüttelnd und sehr bewegt über so viel „Lobhudelei“.

Verabschiedung des Eschweger Dekans Dr. Martin Arnold

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare