„Denkmäler sind ein Stück Heimat“

Denkmalschutzpreis für Synagoge Abterode und Herrenhaus in Nesselröden

Sonderpreis: (von links) Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, Dorothee Hoffmann (Lotto Hessen), Dr. Martin Arnold (Verein jüdisches Leben), Andrea Röth (Aufwind), Ludger Arnold (Verein jüdisches Leben) und Angela Dorn (Kunst- und Kulturministerin).
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Sonderpreis: (von links) Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, Dorothee Hoffmann (Lotto Hessen), Dr. Martin Arnold (Verein jüdisches Leben), Andrea Röth (Aufwind), Ludger Arnold (Verein jüdisches Leben) und Angela Dorn (Kunst- und Kulturministerin).

Für ihren Einsatz um denkmalgeschützte Gebäude wurden am Mittwoch der Verein Aufwind für seelische Gesundheit sowie Prof. Dr. Friedrich Kruse, Dr. Heinrich Kruse und Michaela Kruse ausgezeichnet.

Wiesbaden – Für ihr Engagement rund um das Herrenhaus in Nesselröden belegten die Kruses den ersten Platz für Privatpersonen. Aufwind bekam einen Sonderpreis für den Ausbau der ehemaligen Synagoge in Abterode zu einem Lern- und Gedenkort.

Die Auszeichnung ehrt Privatpersonen und Organisationen, die die Leidenschaft für schützenswerte Bauwerke teilen. „Um Kulturdenkmäler zu erhalten, brauchen wir Menschen, die sie mit Verständnis für das Können früherer Generationen und Einfühlungsvermögen für historische Techniken pflegen“, sagte Hessens Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn bei der Preisverleihung.

Der erste Preis für Privatpersonen wurde 2021 zweimal verliehen: Georg und Bettina Gröschen aus Waldbrunn-Ellar (Landkreis Limburg-Weilburg) haben gewonnen, ebenfalls den ersten Platz belegen Prof. Dr. Friedrich Kruse, Dr. Heinrich Kruse und Michaela Kruse für ihre Arbeit am Herrenhaus Schloss Nesselröden in Herleshausen-Nesselröden. Besonders wichtig war ihnen die Erhaltung der Falzbiberziegel – fehlende Exemplare ließen sie von einer Manufaktur nachformen.

Eine eingehende Untersuchung vor Beginn der Arbeiten habe ergeben, dass zwei Ziegelarten verwendet wurden, die in gerader, konkaver und konvexer Ausführung eingesetzt wurden. Insgesamt also wurden für den Turm des Schlosses Nesselröden sechs verschiedene Ziegel verwendet, die in 21 Reihen angeordnet sind – eine Mammutaufgabe.

In beinahe detektivischer Arbeit wurde die Ziegelei identifiziert, welche die Ziegel ursprünglich gebrannt hatte: das Unternehmen Ludovici in Jockgrim (Rheinland-Pfalz), um 1900 der größte Ziegelhersteller der Welt. „Seit dem Konkurs der Firma sind die Ziegel nicht mehr erhältlich“, so Prof. Dr. Friedrich Kruse.

Preis für Privatpersonen: (von links) Michaela Kruse, Prof. Dr. Friedrich Kruse und Dr. Heinrich Kruse wurden für ihr Engagement für das Herrenhaus in Nesselröden ausgezeichnet.

Eine erneute Recherche aber führte zur Identifikation der Manufaktur Ullrich in Forst bei Karlsruhe, die sich auf die Herstellung historischer Ziegel spezialisiert hat. Rund 40 000 Euro kostete die Herstellung der Ziegel für das Schloss Nesselröden insgesamt. Einen Sonderpreis bekommen „Aufwind – Verein für seelische Gesundheit“ und die Freundinnen und Freunde des jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis: Gemeinsam haben sie aus einer 1871 gebauten ehemaligen Synagoge in Meißner-Abterode einen Lern- und Gedenkort für jüdische Vergangenheit gemacht.

Im Lern- und Gedenkort für jüdisches Leben in der ehemaligen Synagoge Abterode können seit 2019 Gruppen von rund 20 Personen, vor allem Schüler, Einblicke in die Zeit bekommen, als Juden und Christen in den Dörfern des Werra-Meißner-Kreises als Nachbarn zusammenlebten. Der Verein Aufwind hatte das Projekt angestoßen, das Gebäude gepachtet und betreibt im Untergeschoss einen Laden.

Das Lager unter dem Dach wurde leer geräumt, der Dachstuhl fachgerecht saniert und der Lern- und Gedenkort mit Fördermitteln umgebaut und medial eingerichtet. Inhaltlich hat Ex-Dekan Dr. Martin Arnold das Zepter übernommen.

„Es ist wichtig, unsere Denkmäler zu bewahren, denn sie sind ein Stück Heimat und erzählen von der Geschichte unseres Landes“, sagte der Chef der Staatskanzlei, Axel Wintermeyer. (Von Tobias Stück)

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