Depression und häusliche Gewalt:Krisenteam des Klinikums jetzt mit Notfallnummer

Das Klinikum Werra-Meißner hat ein Kriseninterventionsteam gebildet, das über die Hotline 0 56 51/82 11 11 rund um die Uhr erreichbar ist. Foto: HARALD SAGAWE

Vom Zentrum für Psychiatrie und Psychotherapie (ZPP) am Klinikum Werra-Meißner wurde ein Kriseninterventionsteam gegründet.

Im Verlauf der aktuellen Covid19-Pandemie können Behandlung und Betreuung von Patienten bei deren Angehörigen und bei medizinischem, sozialen oder pflegerischen Personal zu einer erheblichen psychischen Belastung führen. Solche Situationen können Traumatisierungen nach sich ziehen, die kurz- wie langfristig psychische Folgeschäden auftreten lassen.

Das Kriseninterventionsteam ist nicht nur durch die Initiative von Psychologen und Ärzten des ZPP, sondern auch unter Beteiligung von einigen niedergelassenen Psychotherapeuten entstanden. Über die Notfallnummer des ZPP 0 56 51/82 11 11 kann jederzeit Hilfe angefordert werden. Die Hotline ist 24 Stunden am Tag fachärztlich besetzt.

Sollte im Zusammenhang mit Covid-19 ein akutes seelisches Problem auftreten, welches eine therapeutische Intervention vor Ort nötig macht, kann ein Mitglied des Kriseninterventionsteams kontaktiert werden, heißt es vonseiten des Klinikums. Während der normalen Sprech-Tageszeiten stehen zudem die Ärzte und Therapeuten der drei Institutsambulanzen in Eschwege, Hessisch Lichtenau und Witzenhausen für akute Krisen zur Verfügung.

Gerade jetzt in Zeiten der Corona-Pandemie beziehungsweise der dadurch bedingten sozialen Isolation würden Depressionen, häusliche Gewalt und andere Probleme zunehmen, berichtet der ärztliche Leiter Martin von Hagen. Auch finanzielle Sorgen oder die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes seien aktuelle Themen. Deswegen ermutigt er die Menschen, nicht aus Scham oder anderen Beweggründen, zu zögern, sich professionelle Hilfe zu holen.

Das Angebot richtet sich ebenfalls an Mitarbeiter von Krankenhäusern und Altenheimen, die aktuell durch das sich ausbreitende Virus in besonderem Maße belastet sind.

„In der Klinik und anderen sozialen und pflegerischen Institutionen fehlt es an einer standardisierten Krisenintervention für Betroffene und Beschäftigte, wenn diese traumatisierenden Lebenssituationen ausgesetzt sind“, sagt Martin von Hagen. Gerade auch bei der Versorgung von Covid-19-Patienten geht es um existenzielle Erfahrungen mit Todeskonfrontation, Isolierung, Ohnmacht- und Hilflosigkeitsgefühlen. Dies betrifft nicht nur die Patienten selbst, sondern auch deren Angehörige, die insbesondere unter den Besuchsverboten leiden.  red

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