Innenstadt Eschwege

10 Jahre Schlossgalerie in Eschwege: Es begann mit einer geheimen Projektgruppe

Anziehungspunkt: Die Schlossgalerie ist der Magnet in der Eschweger Innenstadt und zieht die Kunden aus der Umgebung bis nach Thüringen an. Zwischenzeitlich war Eschwege laut GfK-Einzelhandelszentralität die attraktivste Einkaufsstadt Nordhessens.  
 
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Anziehungspunkt: Die Schlossgalerie ist der Magnet in der Eschweger Innenstadt und zieht die Kunden aus der Umgebung bis nach Thüringen an. Zwischenzeitlich war Eschwege laut GfK-Einzelhandelszentralität die attraktivste Einkaufsstadt Nordhessens.

Begonnen hat alles vor 10 Jahren. Aber bis die Schlossgalerie in Eschwege eröffnet werden konnte, mussten mehrere Hürden überwunden werden.

Eschwege – Der Beginn der Schlossgalerie klingt wie ein Wirtschaftskrimi aus den 1980er-Jahren: eine kleine Projektgruppe, die hinter geschlossenen Türen verhandelt, geheime Flüge nach London, Verhandlungen in mehreren Sprachen und Anwälte, die alles in kürzester Zeit über den Haufen werfen konnten. Was vor zwölf Jahren spannend begann, weckt nach wie vor das Interesse der Öffentlichkeit. Denn mit dem größten Kaufhaus am Platz steht und fällt der Eschweger Innenstadthandel.

Bürgermeister Alexander Heppe (CDU) war noch gar nicht offiziell im Amt, als er Teil der Lösung einer der größten Krisen des Eschweger Handels wurde. Er war gerade gewählt, als Hertie Insolvenz anmeldete und das größte Kaufhaus vor dem Niedergang stand. Das Geschäft war „überlebensnotwendig“ für Eschwege.

Mit 4500 Quadratmetern Verkaufsfläche stellte Hertie fast ein Viertel des gesamten innerstädtischen Einzelhandelsangebots. Über 40 Prozent der Kunden gingen mindestens einmal pro Woche hier einkaufen. Noch mehr: Die Zukunft von Woolworth am Stad war ungewiss. Mit dem Umzug von Edeka Neukauf auf das ehemalige Kautex-Gelände verschwand ein weiterer Innenstadtmagnet.

Geheime Projektgruppe

Der noch amtierende Bürgermeister Jürgen Zick (SPD) holte Heppe in die Task Force, die aus dem Bürgermeister, seinem Stellvertreter, dem Wirtschaftsförderer, Ausschussvorsitzenden und Fraktionsvorsitzenden bestand. „Wir haben damals sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet“, erinnert sich Wirtschaftsförderer Wolfgang Conrad, der diese Gruppe mit Zick zusammenrief. „Nichts ist nach außen gedrungen.“ Das wäre seiner Ansicht nach auch fatal gewesen, denn die Verhandlungen entpuppten sich als sehr sensibel.

„Ohne Uwe Jantz, der über hervorragende Kontakte in die Branche verfügt, wären wir nicht so schnell zum Ziel gekommen“, sind sich sowohl Conrad als auch Heppe einig. Der Eschweger, der von Köln aus in ganz Europa Projekte entwickelt, flog beispielsweise kurz vor Weihnachten 2009 kurzfristig nach London, um mit den damaligen Eigentümern zu verhandeln. Auf dem Rückweg hatte er ein besonderes Geschenk für die Eschweger im Gepäck: die überraschend schnelle Einigung über den Kauf der Immobilie am Stad.

Neues Konzept

Für die Zeit nach Hertie schwebte den Verantwortlichen ein Shop-in-Shop-System vor. Das ehemalige Kaufhaus, das mit Messerschmidt, Karstadt und Hertie eine lange Tradition in Eschwege hatte, sollte zu einer Einkaufsgalerie mit mehreren selbstständigen Fachhändlern unter einem Dach umgebaut werden. „Was uns fehlte, war ein sogenannter Ankermieter“, erzählt Conrad. Seit dem Jahr 2005 stand Conrad allerdings schon mit dem Melsunger Bekleidungshändler Vockeroth in Kontakt, ihn nach Eschwege zu holen. Jetzt wurden die Gespräche intensiviert. Als Vockeroth als größter Mieter feststand, formierten sich die anderen Händler drumherum. Zum Eröffnungstermin am 18. November 2010 zählt die Schlossgalerie acht Geschäfte und ein Restaurant.

Die Projektentwicklungsgesellschaft (PEG) trat anfangs als Generalmieter auf – zumindest so lange, bis keine Parkplätze direkt an der Schlossgalerie zur Verfügung standen. Zehn Millionen Euro Miete wären in zehn Jahren zusammengekommen. 2013 war das Parkdeck fertig und die PEG entlassen.

Kam später hinzu: Weil die Stadt Eschwege ein Parkhaus schaffte, konnte die Projektentwicklungsgesellschaft 2013 als Generalmieter aussteigen.

Positive Auswirkungen

In der Folgezeit entwickelte sich die Schlossgalerie zu einem noch größeren Innenstadtmagneten als zuvor. 2009 standen rund 30 Prozent der Innenstadtläden leer. „Die Schlossgalerie hat für einen Motivationsschub bei den Händlern gesorgt“, sagt Conrad. Auch sie modernisierten. Die Einzelhandelszentralität, der Index wie viele Kunden pro Einwohner nach Eschwege zum Einkaufen kommen, stieg bis auf 193 – fast die doppelte Menge an Einwohnern kam zum Einkaufen nach Eschwege. Damit hängte Eschwege Städte wie Kassel, Bad Hersfeld und Korbach ab und stieg nach Kriterien der Gesellschaft für Konsumforschung zur attraktivsten Einkaufsstadt in Nordhessen auf.

Über drei Etagen bietet die Schlossgalerie mehr als 4500 Quadratmeter Verkaufsfläche.

Aktuelle Lage

Dass Handel immer auch Wandel ist, zeigt sich in der Schlossgalerie gut. Als Erstes gab die Gastronomie im zweiten Obergeschoss auf, für die bis heute kein Nachfolger gefunden wurde. Später zogen auch die anderen Geschäfte nach und nach aus dem zweiten Obergeschoss aus. „Die Lage ganz oben ist nicht unkompliziert“, sagt Conrad. In diesem Jahr wird nichts mehr passieren, für 2021 steht ein neuer Mieter in Aussicht. Die Coronapandemie habe den Einzelhandel schwer getroffen. In Eschwege könnte man Glück haben. „Vielleicht kommen wir mit einem blauen Auge davon“, sagt Conrad. Damit der Eschweger Handel nicht schon wieder eine Krise meistern muss. (Von Tobias Stück)

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