Feldfrüchte sehen sich zum Verwechseln ähnlich, unterscheiden sich im Geruch

Der Senf blüht im November – nicht der Raps

Stefanie Wittich
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Stefanie Wittich

Viele Felder leuchten mitten im November knallgelb. Aber hier blüht nicht der Raps, sondern der Senf. Die dem Raps verwandte Pflanze wird als sogenannte Zwischenfrucht zwischen zwei Hauptkulturen angebaut.

Eschwege – Raps im Herbst? Hat der Klimawandel jetzt in besonderem Maß zugeschlagen? Spaziergänger haben sich in den vergangenen Tagen und Wochen verdutzt die Augen gerieben ob der gelben Pracht, die auf den Feldern im Werratal in voller Blüte steht. Der Schein trügt aber. Nicht Raps, der im Frühjahr blüht, sondern Senf, der im Herbst zur Blüte treibt, ist gerade auf den Feldern zu finden.

„Die gelb blühenden Senf-pflanzen sehen Raps tatsächlich zum Verwechseln ähnlich“, sagt Stefanie Wittich, Sprecherin des Kreisbauernverbands Werra-Meißner. Diese Zwischenfrucht werde nach der Ernte im Sommer ausgesät und verbleibe meist über Winter auf der Fläche, bis eine Sommerkultur wie Mais, Zuckerrüben oder Sommergetreide ausgesät werde.

Die Gemeinsamkeiten zwischen Senf und Raps

Senf und Raps sehen sich nicht ohne Grund ähnlich: Sie gehören beide zur Familie der Kreuzblütler, blühen beide gelb und sogar die Blätter ähneln sich. Gemein haben sie auch eine Wuchshöhe von 30 bis 150 Zentimetern.

Die Unterschiede - richt anders

Auch wenn die Blüten von Raps und Senf sich zum Verwechseln ähnlich sehen, ist es doch ganz einfach, sie auseinanderzuhalten. Denn Raps und Senf blühen eigentlich nie gleichzeitig. Während Raps seine Blütezeit im späten Frühjahr in den Monaten April und Mai hat, blüht Senf im Sommer, meist ab August. Die einfachste Möglichkeit der Unterscheidung: Jeder kennt den penetranten Geruch von Raps. Riecht das Feld gar nicht so? Dann ist es mit Sicherheit Senf.

Vorteil einer Zwischenfrucht

Ackersenf wächst ganzjährig. Daher ist er eine beliebte „Zwischenfrucht“. Sie bindet Nährstoffe im Boden. „Sie ist nicht frosthart“, sagt Stefanie Wittich. Das bedeutet, dass die Pflanze im Winter abstirbt und die welken Pflanzen im zeitigen Frühjahr mit Maschinen wie Grubber oder Pflug) in den Boden eingearbeitet werden. Sie dienen dann quasi als zusätzlicher Dünger. Durch das abgestorbene Pflanzenmaterial bildet sich Humus, der ebenfalls wichtig für gutes Pflanzenwachstum ist. „So kann die nächste Saat dann wieder besser wachsen.“ Zwischenfrüchte haben einige Vorteile: Während der Wachstumsphase binden sie Nährstoffe und verhindern, dass Nährstoffe mit dem Niederschlag in tiefere Bodenschichten und dann ins Grundwasser wandern. Außerdem verhindern die Wurzeln der Zwischenfrüchte, dass Erde durch Wind oder Wasser wandert. Die Wurzeln versorgen zudem den Boden und die darin lebenden Mikroorganismen mit Sauerstoff.

Raps in Not

Raps wird im Werra-Meißner-Kreis immer seltener angebaut. Im vergangenen Jahr ist die Anbaufläche von 4600 auf 3500 Hektar um fast ein Viertel zurückgegangen. Grund sind die trockenen Sommer in den vergangenen Jahren. Die Landwirte konnten zur Setzzeit zwischen dem 20. August und dem 3. September die Saat nicht in den Boden bringen, wie Uwe Roth, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands, erklärt. Foto: privat

Von Tobias Stück

Stefanie Wittich, Sprecherin des Kreisbauernverbandes Werra-Meißner.

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