Gute Laune aus dem Stall

„Der Vorreiter“ ist mit Pferde-Parodien im Internet erfolgreich

Der Vorreiter parodiert in den sozialen Netzwerken Pferde-Influencer, mit seinen Videos hat bereits eine große Fangemeinde versammelt, auch Pferd La Bonita ist schon Medienprofi.
+
Der Vorreiter parodiert in den sozialen Netzwerken Pferde-Influencer, mit seinen Videos hat bereits eine große Fangemeinde versammelt, auch Pferd La Bonita ist schon Medienprofi.

Eigentlich hat alles nur mit einem Witz angefangen. Dann wurde der Komiker „Der Vorreiter“ mit seinen Videos aber doch ziemlich erfolgreich - ungeplant.

Werra-Meißner – Im Adventskalender des „Vorreiters“ gab es im Dezember jeden Tag einen neuen Sinnspruch, zum Beispiel: „Ist zu schwach das Reiterbein, muss der Sporen länger sein.“ Man merkt es sofort: Die Empfehlung ist reitpolitisch natürlich nicht korrekt – ganz im Gegenteil! Im Mai 2020 ist der Komiker, der sein privates Leben von seinem Tun im Internet trennen möchte, da er seinen bürgerlichen Beruf gerne behalten möchte, unter die Pferde-Influencer gegangen. Nach gut 100 Beiträgen hat er bereits 1800 Follower auf Facebook und 5000 auf Instagram (Stand 7. Januar 2021).

Über diesen Erfolg ist er selbst erstaunt, denn eigentlich parodiert er die erfolgreichen Pferde-Influencer und zieht sie durch den Kakao. Doch das Comedy-Format kommt an bei der Zielgruppe der Reitbegeisterten. So führt der Vorreiter ebenso wie Influencer – meistens sind dies junge Frauen – auch Produkttests vor laufender Kamera vor. Und siehe da, selbst mit Spüli aus dem Supermarkt kann der Pferdefreund den Schweif seines Pferdes porentief rein waschen.

Der Vorreiter: Die Kamera ist überall dabei

In einem anderen Video besucht er das Bundeschampionat der schweren Warmblüter im Fahren in Warendorf, da eins seiner Pferde mit vor einem der Wägen geht. Schnell hilft er noch, die lange Mähne des Rappens einzuflechten.

Die Kamera ist immer mit dabei. Nach vollendetem Werk fällt ihm auf: „Huch, das ist ja das falsche Pferd. Die sehen hier alle gleich aus, alle schwarz!“ Auch auf den Turnieren, bei denen er als Reiter selbst antritt („Mir ist es genug, erfolgreich auf E-Niveau zu reiten!“), dürfen seine Follower mit dabei sein, wie etwa auf der Kreismeisterschaft in Hessisch Lichtenau im vergangenen Herbst. Dort gelang es ihm, die Meisterschärpe zu stibitzen.

„So, geschafft, eigentlich kann ich nun schon wieder nach Hause fahren“, flüstert er seinen Zuschauern dicht an der Kamera zu. Doch leider wurde er erwischt und musste dann doch in der Prüfung antreten, um zu gewinnen. Am Ende resümierte er freudestrahlend: „Vierter Platz von vier Teilnehmern, ich denke, besser hätte es gar nicht laufen können.“

In den Video-Ausschnitten, die bei seinen Turnierritten oder Reitstunden mitgefilmt werden, können sich die Follower überzeugen, dass der Vorreiter in Wahrheit viel besser reitet als E-Niveau. „Der Vorreiter“ ist eine Kunstfigur, mit seinen Videos in den sozialen Netzwerken können sich Reiter und Pferdefreunde über ihre eigene Szene amüsieren.

Als Mitglied des Vorstands des Kreisreiterbundes Werra-Meißner ist er mit der heimischen Reiterszene jedoch eng vernetzt. In den Filmen genieße er es auch, sich ein bisschen zum Affen zu machen, wie er zugibt. „In meinen ersten Videos habe ich vor der Kamera mit etwas höherer Stimme gesprochen, weil ich sehr aufgeregt war. Später habe ich die hohe Stimme als Markenzeichen des Vorreiters mit eingebaut.“

Sein Erfolg hat den Vorreiter überrascht

Dass er mit seinem Format fast ebenso erfolgreich ist, wie diejenigen, die er parodiert, hat ihn jedoch überrascht. Humor verkauft sich. Das etwas überdimensionale Schild, das er an seinen Reithelm pappt mit der Aufschrift: „Hier könnte ihre Werbung stehen“, sollte eigentlich ein Gag sein. Inzwischen gibt es jedoch Firmen, die tatsächlich mit ihrem Namen auf diesem Schild erscheinen möchten. Eine andere Firma möchte gerne ein lustiges Produktvideo mit ihm drehen. „Die Firmen erkennen den Nutzen der Reichweite für sich, auch wenn es sich um Satire handelt“, sagt der Vorreiter.

„Die Influencer-Szene ist ein richtig großes Geschäft.“ Anfangs hatte er etwas Angst davor, dass die typischen Internet-Trolle und Hater in seinen Kommentarspalten auftauchen würden, doch das sei nicht passiert, sagt er. Die Resonanz sei ausgesprochen positiv. Selbst die Bloggerinnen, über die er sich lustig macht, haben ihm schon geschrieben und fänden seine Videos lustig. Allerdings muss er nun immer weiter kreativ sein und wenigstens jeden zweiten Tag einen neuen Post liefern.

Fan-Post hat er auch schon bekommen. „Du bist für uns der größte Stern am Bloggerhimmel“, schreibt der Fan, dessen Paket er vor laufender Kamera öffnet. Dass ihm die Ideen ausgehen könnten, befürchtet der Vorreiter nicht. „Der Alltag im Stall bringt jeden Tag von ganz allein neue Themen hervor.“ (Von Kristin Weber)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare