Plus von 66 Prozent im Vergleich zum Vorjahr

Werra-Meißner-Kreis: Diagnose Depression - Krankheitstage steigen

Depressionen: Ein Mann liegt antriebslos auf einer Couch. Vor ihm steht eine Tasse Tee, daneben liegen Medikamente.
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Wer unter Depressionen leidet, der hat mit Gefühlsschwankungen und Antriebslosigkeit zu kämpfen. Das kann so weit gehen, dass sogar das Aufstehen vom Sofa, trotz körperlicher Fitness, unmöglich wird.

Psychische Erkrankungen nehmen zu: Im Werra-Meißner-Kreis ist die Zahl der Betroffenen 2020, auch durch Corona, im Vergleich zu 2019 gestiegen.

Werra-Meißner Zum einen werden psychische Erkrankungen häufiger diagnostiziert, so die Erfahrung des sozialpsychiatrischen Dienstes im Werra-Meißner-Kreis und des Klinikums Werra-Meißner. Zum anderen wirkt sich das auf die Fehltage von Arbeitnehmern aus, stellen die Krankenkassen DAK und AOK fest.

Diagnosemöglichkeiten sind besser geworden

Die Dauer der Krankschreibungen bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen ist 2020 im Vergleich zu vergangenem Jahr gestiegen, sagen DAK und AOK: Im Schnitt 30 Tage beträgt die Dauer der Arbeitsunfähigkeit laut AOK. Vor neun Jahren seien es noch 22 Tage gewesen. Die DAK habe in den Landkreisen Werra-Meißner und Hersfeld-Rotenburg einen Anstieg um mehr als 66 Prozent festgestellt.

Martin von Hagen, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Werra-Meißner, geht davon aus, dass etwa 44 Prozent aller psychischen Erkrankungen in Deutschland Depressionen sind. Allerdings seien sie nicht häufiger, als es früher der Fall war. Aber die Diagnosemöglichkeiten seien besser geworden, „weshalb mehr Diagnosen gestellt werden können“, erklärt der ärztliche Leiter der Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Werra-Meißner.

Depressionen: Frauen und Männer gleich betroffen

Diese Erfahrung teilt auch der sozialpsychiatrische Dienst im Kreis und nennt drei weitere Gründe für steigende Zahlen: Psychische Erkrankungen und Störungen würden durch Aufklärung langsam entstigmatisiert. Außerdem würden die Ansprüche der Schul- und Arbeitswelt durch Technisierung und Digitalisierung anspruchsvoller und komplexer und es gäbe mehr Menschen, die mit ungewissen Zukunftsperspektiven, drohender Wohnungs- und Arbeitslosigkeit zu kämpfen hätten.

Frauen werden zwar häufiger psychologisch betreut, sagt von Hagen. Doch Männer seien genauso oft von Depressionen betroffen. Der Unterschied sei schlichtweg, dass Frauen öfter Hilfe in Anspruch nehmen würden, während Männer eher Stärke demonstrieren wollten und deshalb seltener Hilfe suchten. (Von Hanna Maiterth und Kim Hornickel)

Die häufigsten Ursachen für eine Krankschreibung

Psychische Erkrankungen gehören laut DAK zu den drei häufigsten Ursachen einer Krankschreibung – neben Muskel-Skelett- sowie Atemwegs-Erkrankungen. Im ersten Halbjahr 2019 waren es in den Kreisen Werra-Meißner und Hersfeld-Rotenburg durchschnittlich noch 107 Fehltage, 2020 sind es 178. Im Klinikum Werra-Meißner wurden im vergangenen Jahr 224 Patienten mit Depressionen behandelt. 2020 waren es bisher 122 Patienten, meldet Sprecher Florian Künemund.

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