„Die Aftershowparty wird lange gehen“

Broilers-Sänger Sammy Amara im Interview über das Open Flair

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Nur eine lacht: Die Broilers um Sänger Sammy Amara (Mitte) sind zum dritten Mal zu Gast auf dem Open Flair. Grund zum grimmig Dreinschauen hat er daher eigentlich nicht. Foto: dpa

Eschwege. Open-Flair-Veteranen sind die Broilers. Schon 2010 und 2012 waren die Punkrocker aus Düsseldorf in Eschwege zu Gast. Wir haben mit Sänger Sammy Amara (35) über das Flair und den Festivalalltag gesprochen.

Ihr seid schon zum dritten Mal beim Open Flair dabei und damit quasi Dauergast. Gefällt es euch so gut?  

Sammy Amara: Wenn man mich nach meinen Lieblingsfestivals fragt, ist das Open Flair immer dabei. Es ist einfach ein wahnsinnig intimes und leidenschaftliches Festival, das auf der anderen Seite aber auch sehr professionell ist. Das ist eine perfekte Mischung.

Gibt es besondere Erinnerungen?  

Amara: Beim vorletzten Mal ging es zwischen den Bäumen schon extrem gut ab. 2012 auf der Hauptbühne hat es uns dann völlig umgehauen. Was da los war, hatten wir nicht erwartet. Das war bis heute einer unserer zehn besten Open-Air-Auftritte.

Spielt ihr lieber unter freiem Himmel?  

Amara: Wir sind dankbar, dass wir sowohl bei Festivals, in großen Arenen, aber auch kleinen Clubs spielen können. So wird jede Variante abgedeckt. Du kannst nicht immer nur vor 50 000 Leuten spielen, es müssen auch mal 50 in einem Wohnzimmer sein. Das hält uns auch auf dem Boden.

Bei Festivals gibt es meist eine begrenzte Bühnenzeit. Nach welchem Prinzip wählt ihr aus, welche Lieder ihr spielt?  

Amara: Das wird immer schwieriger. Mit jeder neuen Platte gibt es wieder mehr Material. Es gibt ein paar Standards, die wir immer spielen. Dazu kommen Lieder, die wir ausprobieren wollen und die, auf die wir einfach selbst total Bock haben. Es gibt aber auch ruhigere Sachen, weil die auf Festivals, wenn es gerade zum Beispiel dunkel wird, auch super funktionieren.

Wie sieht im Groben euer Zeitplan bei einem Festivaltag aus?  

Amara: Wir fahren immer am Abend vor dem Auftritt los und schlafen dann im Bus. Wenn wir dann aufwachen, sind wir schon da. Dann heißt es aufstehen, Zähneputzen, Kaffee, Morgentoilette und dann geht’s los. Natürlich gibt es auch ein paar Pressetermine und eventuell morgens den Soundcheck. Ein Festivaltag ist aber immer viel entspannter, als wenn es nur um deine eigene Show geht. Irgendwann geht’s auf die Bühne, kommst mit guter Laune und leicht angetrunken wieder zurück und dann warten da deine Freunde.

Es bleibt also genug Zeit für den Kontakt zu anderen Künstlern?  

Amara: Bei uns sogar extrem viel. Das ist das geile an Festivals. Wir haben viele Freunde in anderen Bands. Ich habe mir das Programm vom Open Flair mal angesehen: Die Aftershowparty dürfte da ziemlich lange gehen.

Mit wem wird es besonders wild?  

Amara: Die Casper-Bande und die Broilers ist immer eine unheilige Kombination. Da will keiner als Erstes aufgeben. Aber auch Millencolin und Dave Hause wollen wir uns auf jeden Fall ansehen.

Casper spielt ja nach euch und kommt mit seinem Rap zumindest musikalisch aus einer anderen Ecke als ihr. Bleiben eure Fans trotzdem vor der Bühne? 

Amara:  Ein großer Teil wird dableiben. Von der Attitüde und den Texten sind wir ja auch extrem ähnlich. Wir unterstützen häufig Bands aus ganz verschiedenen Richtungen. So lernen unsere Fans auch andere Musik kennen. Innerhalb unserer Band gibt es ja auch ganz verschiedene Geschmäcker. Ich finde es immer schade, wenn man sich da einengt. Man verpasst auch schnell etwas.

Wer würde denn auf einem Festival spielen, das du besetzen dürftest? 

Amara:  Die Broilers auf jeden Fall ganz früh, damit wir alle anderen in Ruhe genießen können. Headliner bitte Bruce Springsteen und ganz utopisch zum Schluss The Clash. Social Distortion, Misfits und Against Me wären dabei und ich hab noch ein paar alte Freunde aus dem Proberaum, die müssten auch spielen. Das würde wirklich ein guter Tag.

Von Lasse Deppe

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