Nach dem Umzug und während Corona

So läuft die Essensausgabe bei der Eschweger Tafel in den neuen Räumen

Die Eschweger Tafel ist von der Hindenlangstraße an den Grünen Weg in die Eschweger Neustadt umgezogen. Über die ehemaligen Verkaufstheken des früheren Lebensmittelmarktes geben die Tafel-Mitarbeiter jetzt Lebensmittel an Bedürftige aus.
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Die Eschweger Tafel ist von der Hindenlangstraße an den Grünen Weg in die Eschweger Neustadt umgezogen. Über die ehemaligen Verkaufstheken des früheren Lebensmittelmarktes geben die Tafel-Mitarbeiter jetzt Lebensmittel an Bedürftige aus.

Die Kündigung der alten Räume, die Corona-Pandemie und die zwischenzeitliche Schließung – die Eschweger Tafel und ihre Helfer mussten zuletzt viel durchmachen. Doch sie gaben nicht auf.

Eschwege – In nur sechs Wochen gelang es dem Eschweger Tafelteam, aus den alten Räumen in der Hindenlangstraße in die neuen Räume des ehemaligen Jantz-Marktes in der Eschweger Neustadt umzuziehen. Nach nur sechs Wochen Pause öffnete am 20. April im Grünen Weg die „neue“ Tafel“.

Die Ausgabe-Räume gekündigt, Corona zwingt zur Schließung – hohe Belastung für den Vorstand der Eschweger Tafel und ihrer ehrenamtlichen Mitarbeiter. Aber die jammerten nicht, krempelten die Ärmel hoch und gingen sofort an die Arbeit.

Viel Platz für Abstand: Die großzügigen Räume am Grünen Weg ermöglichen den Besuchern der Tafel, ausreichend Abstand zu wahren.

Die Zwangspause kam dabei wie gerufen. Vorsitzender Hans Liese: „Zehn verschiedene Räume und Lokalitäten im Stadtgebiet haben wir besichtigt. Sie entsprachen aber nicht den Anforderungen oder waren zu teuer.“ Erst der vom Eschweger Bürgermeister Alexander Heppe vermittelte Kontakt zu Uwe Jantz führte zum Erfolg: Mit dem neuen und günstigen Mietvertrag in der Tasche zog die Tafel in den früheren Frischemarkt am Grünen Weg ein.

Eschweger Tafel renoviert ehemaligen Supermarkt

Die hygienischen Anforderungen der Tafel zwangen zu einer gründlichen Renovierung und Säuberung der vorher anderweitig genutzten Räume. Wobei heimische Firmen wie die Reinigung Russek, Schreiner Berneburg, Elektro-Benning, Reinl-Werbung und Installateur Larbig nicht nur gute Arbeiten ablieferten, sondern sich auch großzügig bei der Rechnungstellung zeigten. „Aber auch unsere Mitarbeiter haben viele, viele Stunden beim Putzen und der Einrichtung der Räume geleistet, sonst hätten wir nicht nach sechs Wochen schon wieder öffnen können“, lobt Hans Liese dieses Engagement seiner fleißigen Truppe.

Was da im Grünen Weg entstand, kann sich sehen lassen: Die Mitarbeiter und Kunden freuen sich über große, helle Räume. Ein großzügiges Platzangebot ist vorhanden, das völlig den aktuellen Hygieneanforderungen entspricht. Neue Trennwände wurden gezogen, ein großer Lagerraum mit einem begehbaren Kühlschrank wartet auf die Lagerung langlebiger Lebensmittel. Die Kunden, immer mit Mundschutz, können ausreichend Abstand halten. Die Nachsortierung der gespendeten Waren erfolgt in gefliesten Räumen. Aus den ehemaligen Theken des Frischemarktes werden jetzt die Lebensmittel ausgegeben.

Viele Spenden für Eschweger Tafel

Das alles hat natürlich auch seinen Preis. An die 10 000 Euro musste die Tafel aufbringen, wobei sie nicht nur auf eigene angesparte Mittel, sondern auch auf Spenden aus der Bevölkerung, von heimischen Vereinen und großzügige Zuwendungen heimischer Geschäfte und auf den Landeszuschuss, der für Corona-Maßnahmen ausgeschüttet wurde, zurückgreifen konnte. „Wir sind froh, die Neugestaltung der Räume aus eigenen Kräften geschafft zu haben. Ohne die Spenden und Zuschüsse hätten wir die Renovierung aber nicht in diesem Umfang durchführen können“, bedankt sich der Vorstand der Tafel bei allen Gebern für ihre Hilfe.

So war es möglich, dass die Tafel als eine der ersten in Hessen nach sechs Wochen Corona-Pause am 20. April schon wieder öffnen konnte. „Wir freuten uns darüber, dass auch unsere Spender von Lebensmitteln wie Bäcker und Märkte aus dem ganzen Kreisgebiet sofort wieder Waren bereitstellten“, so die Meinung des Vorstandes und der Mitarbeiter.

Auch die strikte Einhaltung der geforderten Hygiene-Regeln beim Einsammeln der Waren und den Ausgaben hat sich bewährt und wird in den kommenden Wochen und Monaten bei allen Tafel-Tätigkeiten oberstes Gebot sein. Der Lohn: Dem Tafel-Vorstand ist bisher kein Corona geschuldeter Fall bekannt, der durch einen Tafel-Besuch ausgelöst wurde: „Wir hoffen, dass das auch so bleibt.“

Neben den eigenen Ausgaben an drei Tagen in der Woche war die Tafel auch an einem Lebensmittel-Bringdienst für Tafelkunden mit Handicap beteiligt. Die Werkstatt für junge Menschen setzte einen Teil ihrer Corona-Fördermittel aus der „Aktion Mensch“ dafür ein, lieferte zweimal in der Woche zusammen mit von der Tafel zur Verfügung gestellte Lebensmittel direkt an Tafelkunden mit Handicap aus.

Im September wollen die Werkstatt und die Tafel, wenn es die Situation zulässt, im Rahmen der Interkulturellen Woche des Kreises wieder ein „Internationales Büfett“ ausrichten.

Fast alle im Rentenalter: Tafel-Vorsitzender Hans Liese (sitzend) und die Vorstandsmitglieder Christa Zeich (Mitte) sowie Margot und Siegfried Furchert.

Eschweger Tafel stößt an Grenzen

Die Zahl der Tafelkunden ist seit April auf 440 Personen (140 Familien, 165 Kinder) gestiegen. Die Tafel stößt aber langsam auch an Grenzen der Kapazität. Deshalb können nicht alle Interessenten sofort aufgenommen und bedient werden, denn die Tafel kann nur die Lebensmittel weitergeben, die sie von den spendenden Geschäften und Märkten einsammelt oder aus ihrem Lagerbestand nimmt. „Aber abgewiesen wird niemand“, so der Vorstand. Man werde in eine Warteliste aufgenommen und muss etwas warten, bis wieder ein Platz frei wird. Bei der Tafel rechnet man damit, dass bei anhaltender Pandemie und der unsicheren wirtschaftlichen Situation ihre Dienste künftig verstärkt in Anspruch genommen werden.

Viele Ehrenamtliche bei der Eschweger Tafel

Es sind rund 40 ehrenamtliche Mitarbeiter, fast alle im Rentenalter, die sich in den Dienst der Eschweger Tafel stellen. Zehn Personen sind abwechselnd im täglichen Fahrdienst und mit dem Spenden sammeln beschäftigt, rund 30 mit der Vorbereitung der Lebensmittel und der Ausgabe. Sie alle opfern einen großen Teil ihrer Freizeit. Fahrer und Beifahrer sind täglich mindestens vier Stunden im Kreisgebiet unterwegs, um die Waren einzusammeln. In der Vorbereitung und den Ausgaben am Montag, Mittwoch und Freitag (14 bis 15.30 Uhr) wendet das jeweilige ausgebende Team pro Person mindestens vier bis fünf Stunden auf. 30 Stunden Arbeit der Gruppe pro Tag sind keine Seltenheit.

Für wen ist die Eschweger Tafel?

Sich anmelden können Empfänger von Arbeitslosengeld II, Personen, die einen Grundsicherungsbescheid des Sozialamtes mitbringen, oder Rentner, die einen Rentenbescheid in Verbindung mit Grundsicherung vorlegen. Der Tafel-Vorstand: „Diese Unterlagen sind zwingend vorgeschrieben!“. Von Siegfried Furchert

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