Den roten Faden wiederfinden

Die Orientierungsphase der Werkstatt für junge Menschen hat begonnen

 Vorsichtig trenn Betreuer Norbert Rust den Kunststoff von einem Kabel ab, ein jungen Mann mit Basecap schaut aufmerksam zu.
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Ein Kabel abisolieren will gelernt sein: Vorsichtig trenn Betreuer Norbert Rust den Kunststoff ab, dann wiederholen die Teilnehmer des Programms das Prozedere.

In einer mehrwöchigen Orientierungsphase können Teilnehmer in der Werkstatt für junge Menschen verschiedenen Berufsfelder wie Kochen, Bau, Elektro und Tischlern ausprobieren.

Eschwege – In der Küche dampfen die Würstchen, in der Werkstatt werden Püppchen für ein Spiel geschnitzt und Steinmauern aufgeschichtet – die Orientierungsphase der Werkstatt für junge Menschen in Eschwege ist angelaufen. „Das heißt, jetzt können die Teilnehmer verschiedene Berufsfelder austesten und lernen die Theorie dazu“, erklärt Martin Dinkel, Projektleiter der Werkstatt.

Praktische Übungen, um geeigneten Ausbildungsplatz zu finden

Mit praktischen Übungen im Bereich Kochen, Bau, Elektro und Tischlern steigen die 16- bis 25-Jährigen in die Aufgaben ein, die sie während einer zukünftigen Ausbildung erwarten könnten. In den Theoriestunden lernen die momentan 18 Teilnehmer außerdem alles zum Thema Berufsleben, darunter Arbeitsschutz und Hygieneregeln. „Wir helfen den Teilnehmern einen Ausbildungsplatz zu finden und wenn nötig einen Schulabschluss zu erreichen“, erläutert Dinkel das Programm Aqua (Ausbildung, Qualifizierung und Arbeit) der Werkstatt.

Teilnehmer werden auf Praktikum vorbereitet

Um einen strukturierten Alltag aufzubauen und sich beruflich orientieren zu können, bieten Dinkel und seine Kollegen Vorbereitung und Betreuung für ein Praktikum an.

Lebenssituation und persönliche Stärken werden angeschaut

„In Einzelgesprächen schauen wir zusammen mit den jungen Erwachsenen auf deren Lebenssituation, auf persönliche Stärken und wo es Nachholbedarf gibt“, weiß Martin Dinkel. Bleiben die Teilnehmer für die vorgesehenen zwölf Monate in dem Programm und nehmen regelmäßig teil, dann sei die Erfolgschance hoch, so der Projektleiter. Nur selten kündigten Teilnehmer oder werden gekündigt, so der Pädagoge. „Die Teilnehmer brechen meist nur ab, weil sie einen Ausbildungsplatz gefunden haben, und damit ist das Programmziel ja erreicht“, berichtet der Werkstatt-Mitarbeiter.

Um einen Ausbildungsplatz zu bekommen, sei allerdings regelmäßiges Erscheinen und Abmelden bei Fernbleiben wichtig, so Dinkel. Im Extremfall, nämlich wenn kein Erfolg der Maßnahme abzusehen sei, kündige der Verein dem Teilnehmer auch. Das sei allerdings nur selten vorgekommen, so der Projektleiter. Viele Teilnehmer würden sich jedoch bemühen, um den Arbeitsaufträgen gerecht zu werden.

Vor Teilnehmer Fabian liegt ein großes Buch aufgeschlagen. Auf den Seiten ist jeder Schritt für die Kochanleitung mit Bild beschrieben. „Heute gibt es Lauchkuchen“, sagt Betreuerin Iris Sennhenn und zeigt ihrem Schüler, wie der Teig dafür ausgerollt wird. Denn das ist gar nicht so einfach, findet Fabian. Das Fleisch garen, den Lauch in Ringe schneiden, dann abkühlen lassen und Eier aufschlagen– jeder Schritt muss in einer bestimmten Reihenfolge ausgeführt werden. „Das macht auch Spaß“, findet der Schüler. Während Fabian den Teig bearbeitet, versuchen seine Programmkollegen nebenan, Kabel für eine Schaltung zu verlegen. Betreuer Norbert Rust zeigt, wie ein Kabel abisoliert wird. In einem anderen Raum sägt ein Jugendlicher ein Spielbrett aus Holz. „Für viele ist die Maßnahme ihre letzte Chance und deshalb sind die Teilnehmer auch hier, um bisherige Hindernisse, die zu diesem Umstand geführt haben, zu bearbeiten“, fasst Projektleiter Martin Dinkel zusammen.

Von Kim Hornickel

Pädagogin Iris Sennhenn zeigt Teilnehmer Fabian, wie ein dünner Teig ausgerollt wird. Er befindet sich in der Orientierungsphase in der Werkstatt für junge Menschen in Eschwege.

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