Die verbindenden Elemente betonen

Evangelisches Forum Werra-Meißner diskutierte Verhältnis von Juden und Christen heute

Moderatorin und Pfarrerin Sieglinde Repp-Jost.
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Moderatorin und Pfarrerin Sieglinde Repp-Jost.

Der 9. November rückt näher. Als Gedenktag erinnert er aber nicht nur an den Mauerfall 1989, er steht auch für das Jahr 1938 und die Pogromnacht an den Juden in Deutschland.

Eschwege - Aus diesem Anlass fragte sich das Evangelische Forum Werra-Meißner, wie es um das Verhältnis von Christen und Juden im heutigen Deutschland eigentlich bestellt sei.

Damals, 1938, wurde die Judenverfolgung sozusagen staatsoffiziell, sagte Pfarrerin Sieglinde Repp-Jost und betonte: „Möglich wurde dies nur, weil es in der Kirche damals eine lang gehegte Judenfeindschaft gab.“

Gemeinsamkeiten und Unterschiede finden

Warum das so war und wie sich das Verhältnis nach dem Krieg änderte, darüber diskutierte das Forum in einer Videokonferenz. Gefragt wurde nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden.

Pfarrer Reinhard Brand, der beim Landeskirchenamt das Referat Gemeindeentwicklung und Missionarische Dienste leitet, stellte die historische Entwicklung dar und thematisierte das Problem der Zuschreibung.

Die Mitglieder beider Religionsgemeinschaften definierten sich über ihren Glauben, sagte er und fügte hinzu: „Doch alle Personen, die am Beginn der christlichen Glaubensgeschichte stehen, sind Juden. Ohne die Grundlage der Bibel und das Nachdenken über die alttestamentarischen Texte wüssten wir als Christen nur wenig über unseren Glauben.“

Verbindende Elemente werden nun stärker betont

So stehen Christentum und Judentum seit jeher in einem gewissen Spannungsverhältnis. In der Geschichte äußerte sich dies immer wieder in dem verkürzten Vorwurf, die Juden hätten Jesus Christus umgebracht.

Noch 1948 sei der christliche Reichsbruderrat, das leitende Gremium der Bekennenden Kirche während des Nationalsozialismus in Deutschland, der Meinung gewesen, die Juden hätten durch die Kreuzigung Christi den Segen Gottes verloren.

Erst ab den 1950er-Jahren wurden diese Positionen vonseiten der evangelischen Kirche zunehmend revidiert und stärker die verbindenden Elemente betont. Viele Rabbiner gingen ab den 2000er-Jahren auch auf die Christen zu und stellten fest, man arbeite gemeinsam für Frieden und Gerechtigkeit. Und durch die Christen werde der Gott Israels in der Welt bekannt gemacht.

Es spiele keine Rolle, ob Jude oder Christ

Sieglinde Repp-Jost stellte schließlich die Frage, wie weit diese Positionen bis heute in die gelebte Praxis in den Gemeinden Einzug gehalten habe. „Sind wir uns eigentlich der jüdischen Wurzeln unseres Glaubens bewusst? Die Juden können gut ohne die Christen auskommen, aber ohne die Bibel können wir nicht auskommen“, überlegte sie.

„Wo liegt eigentlich das Problem?“, fragte ein Teilnehmer. Für ihn spiele es im Alltag keine Rolle, ob ein Mensch, dem er begegne, Jude oder Christ sei, er würde beiden Menschen gleich begegnen. In der Diskussion wurde der Wunsch nach einem unbefangeneren Umgang der Menschen unterschiedlicher Religionen miteinander deutlich.  (kw)

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