Das Hospiz- und PalliativNetz ist bis zum Ende da

Die Würde bewahren

Vor dem neuen Haus: Ein Teil des Hospiz- und PalliativNetzes. Seit März 2020 ist der Verein in der Gebrüderstraße 9 anzutreffen.
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Vor dem neuen Haus: Ein Teil des Hospiz- und PalliativNetzes. Seit März 2020 ist der Verein in der Gebrüderstraße 9 anzutreffen.

Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten, ihre Lebensqualität zu erhalten und Angehörige zu entlasten – das ist das Ziel des Hospiz- und PalliativNetzes Werra-Meißner.

Das Hospiz- und PalliativNetz ist ein Verein, der sich aus Einzelpersonen, aber auch Institutionen wie Pflegediensten, Pflegeeinrichtungen, Haus- und Fachärzten oder Krankenhäusern, zusammensetzt. Das Netzwerk ist kooptiertes Mitglied des Palliativ-Teams der DRK-Kliniken im Palliativ-Netz Nordhessen. Vor elf Jahren hat sich der Verein gegründet, damals mit dem Ziel, eine Versorgungslücke im Werra-Meißner-Kreis zu schließen. „Damals gab es im gesamten Kreis nur drei Palliativfachkräfte“, erinnert sich Brigitte Kiese, Vorsitzende des Hospiz- und PalliativNetzes. Den Anspruch, nämlich palliative Kompetenz in den Kreis zu bringen, verfolgt der Verein auch heute noch und bietet regelmäßig die Möglichkeit, Pflegefachkräfte zu Palliativ-Care-Fachkräften weiterzubilden. „Wir sind inzwischen recht gut aufgestellt und haben ein gutes Netzwerk, bestehend aus stationären und ambulanten Einrichtungen und Medizinern aufgebaut“, so Brigitte Kiese weiter. Trotzdem werden weiterhin speziell ausgebildete Fachkräfte benötigt.

Palliativ Care

Der Bereich Palliativ Care ist eine aktive, ganzheitliche Versorgung von Patienten mit einer nicht heilbaren, fortschreitenden und weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung. Die Pflegefachkräfte begleiten diese Patienten, bieten eine individuelle, auf die Symptome abgestimmte Pflege, Betreuung und Zuspruch und arbeiten eng mit behandelnden Haus- und Fachärzten zusammen. Eine Hauptaufgabe des Netzes liegt in der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV), also einer palliativen Pflege, die vom behandelnden Arzt verordnet wird. Es gibt aber auch Fälle, bei denen die Palliativpflege nicht mehr verordnet wird, etwa wenn die Symptomlast geringer wird. An dieser Stelle will der Verein jetzt auch ansetzen. „Vor Kurzem hat eine unserer Mitarbeiterinnen die Weiterbildung zur zertifizierten Care- und Case-Managerin absolviert“, erklärt Brigitte Kiese. Die Care-Managerin arbeitet auch ohne Verordnung mit dem Patienten und kümmert sich darum, dass dieser die optimale Versorgung erhält. „Diese Weiterbildung ist noch sehr neu in Deutschland, wird aber in den nächsten Jahren immer wichtiger werden. Wir möchten diesen Weg in unserem Netz gerne verfolgen.“

Nah am Menschen

Zu dem spezialisierten Palliativ-Care-Team des Vereins gehören derzeit drei hauptamtliche Palliativmediziner, fünf Palliativ-Care-Fachkräfte, zwei Koordinatorinnen sowie ehrenamtliche Hospizbegleitende. Je nach Bedarf kann der Verein auch auf einen Pool aus niedergelassenen Ärzten sowie Pflegfachkräften von anderen Pflegeeinrichtungen zurückgreifen. Die Mitarbeiter sind nah am Menschen, nah am Leben und Tod. „Oberstes Gebot ist bei uns immer, dass der Mensch als Ganzes betrachtet wird und dass er in Würde sterben kann“, erklärt Brigitte Kiese. Neben den Patienten stehen die Fachkräfte auch den Angehörigen zur Seite, unterstützen bei der Organisation des Pflegealltags und haben ein offenes Ohr für die Trauernden. Darüber hinaus bemüht sich der Verein, letzte Wünsche des Patienten zu erfüllen oder Probleme, zum Beispiel Konflikte innerhalb der Familie, zu lösen. „Seelische Probleme und Sorgen können einen körperlichen Schmerz noch verstärken. Wir bemühen uns darum, dass der Patient in Ruhe und ohne Blockaden sterben kann.“ Ein weiterer wichtiger Aspekt der Arbeit ist auch die Beratung, hierzu zählt auch, dass man sich frühzeitig mit dem eigenen Tod beschäftigt und unter anderem mit einer Patientenverfügung seine Angelegenheiten regelt. Hierdurch werden nicht zuletzt die Angehörigen entlastet, weil sie sicher sein können, dass schwerwiegende Entscheidungen den Vorstellungen des Verstorbenen entsprechen.

Palliativarbeit mit Corona

Die Corona-Pandemie hat ganz massive Auswirkungen auf die Arbeit des Hospiz- und PalliativNetzes. In normalen Zeiten fahren immer zwei Personen, ein Arzt und eine Pflegefachkraft, zu dem Patienten und generell besteht eine engmaschige Zusammenarbeit des gesamten Teams. Nun verteilen sich die Mitarbeiter in sämtlichen Räumen der Kontaktstelle in der Gebrüderstraße 9. Hierher ist das Netzwerk im Frühjahr gezogen. „Wir müssen unsere Arbeit nun räumlich sehr entzerren“, erklärt Brigitte Kiese. „Denn wenn ein Mitarbeiter ausfällt oder positiv auf das Virus getestet wird, müssen wir alle in Quarantäne und könnten unsere Patienten überhaupt nicht mehr aufsuchen.“ Selbstverständlich unternehmen die Mitarbeiter alles, um die Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen zu gewährleisten und sich selbst und ihre Patienten zu schützen. Aber gerade auch durch das Maketragen ginge viel verloren. „Die Mimik fehlt“, gerade für Menschen, die sich in ihrer letzten Lebensphase befinden, die krank sind und Trost suchen, ist der Gesichtsausdruck, ein warmes Lächeln, wichtig. Durch Corona konnte der Verein in diesem Jahr seine Weiterbildungsangebote zur Palliativ-Care-Fachkraft nicht durchführen, auch andere Fortbildungen sowie der geplante Hospiz- und Palliativtag müssen verschoben werden. Trotz der prekären Lage unternimmt das Team alles, damit die Patienten gut versorgt sind.

Kontakt zum Netzwerk

Weitere Informationen zum Hospiz- und PalliativNetz Werra-Meißner gibt es auch online oder telefonisch unter der 0 56 51/9 92 39 51.  

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