Grundnervosität trifft Corona

„Dieses Abitur werden wir nie vergessen“: Die Prüfungen haben begonnen

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Motivation wie immer: Vor dem Oberstufengymnasium hängen die üblichen Motivationsplakate. Im Inneren wurde verstärkt auf Desinfektion und Abstand geachtet.

Bunte und motivierenden Plakate von der Familie und Freunden hängen vor den Eingängen der Eschweger Oberstufen. Jedes Jahr im März schreiben die angehenden Abiturienten die hessenweiten schriftlichen Abiturprüfungen.

Nur: Wie ist das unter Corona-Bedingungen?

Gestern haben die Prüfungen mit dem Fach Englisch begonnen. „Es ist unentspannt und fühlt sich komisch an weil wir bis gestern nicht wussten, ob wir heute Abitur schreiben müssen oder nicht“, sagt Emma Schaub, Schülerin des Beruflichen Gymnasiums. Da wäre zum einen die Grundnervosität des Abiturs und zum anderen das nervenaufreibende Corona Thema. 13 Jahre arbeite man darauf hin und dann wisse man nicht, ob die Prüfungen am nächsten Tag stattfinden. „Es kann schon sein, dass ich Deutsch am Montag nicht schreibe“, sagt sie.

An Mindestabstand denken 

In der Schule sei es etwas ungewohnt: „Außer den Lehrkräften und Prüflingen ist sonst niemand da und überall sind Schilder aufgehangen, auf denen steht, dass man an den Mindestabstand denken soll“, sagt Emma Schaub. Ansonsten sei aber alles ziemlich normal, bis auf das Desinfizieren der Tische vor dem Schreiben. Während der Prüfungen habe Emma Schaub die aktuelle Situation gut ausblenden können. „Nur wenn ich einem Lehrer eine Frage stellen wollte, musste ich wieder daran denken“, sagt sie. Denn auch die Lehrer müssen zwei Meter Abstand halten, was es nicht einfach macht, einzelne Verständnisfragen zu stellen.

Ein Stück Normalität

Trotzdem ist Emma Schaub froh, die Prüfungen doch wie geplant zu schreiben. „Mit jeder Prüfung, die man hinter sich bringt, wird man ein bisschen leichter. Außerdem ist es auch ein Stück Normalität“, sagt sie.

Auch Nina Becker, Lea Kirschner und Lea-Sophie Schlarbaum besuchen das Berufliche Gymnasium, alle drei haben Wirtschaft gewählt. Und auch sie werden in den nächsten Wochen voraussichtlich ihre Abiturprüfungen schreiben. „Durch die täglich neuen Nachrichten und Änderungen wird man sehr beeinflusst und kann sich schlechter konzentrieren“, sagt Nina Becker. Bis vor ein paar Wochen habe man sich noch relativ normal auf die Prüfungen vorbereiten können. „Als man dann hörte, dass die Schulen geschlossen werden, fühlte man sich schon etwas komisch und bekam auch etwas Angst vor den nächsten Wochen“, sagt Lea Kirschner.

Fragen über Soziale Netzwerke

Niemand habe gewusst, woher nun die Aufgaben zum üben kommen sollten und wie man nun den Lehrern explizit Fragen stellen könne. Das habe man dann durch Onlineplattformen, auf denen sich Abiturvorschläge aus den letzten Jahren befinden, schnell gelöst. „Fragen müssen wir halt über die sozialen Netzwerke stellen, was in einer Hinsicht aber auch nicht so toll ist, denn eine Frage persönlich zu klären ist immer besser“, sagt Lea Kirschner. „Im Nachhinein hätten bestimmt einige von uns die vorherigen Stunden mit den Fachlehrern mehr genutzt“, sagt Nina Becker.

Lea Schlarbaum war ebenfalls verunsichert. „Wir hatten plötzlich, nicht mehr die Möglichkeit mit den Lehrern persönlich zu kommunizieren oder Probleme und Aufgabenstellungen innerhalb des Kurses zu besprechen“, sagt sie. Die Online-Kommunikation mit den Lehrern habe aber gut funktioniert.

Ungewohnte Situation

Alle drei sind sich einig, dass die aktuelle Situation etwas ungewohnt und komisch ist. Trotzdem sind alle froh, das Abitur – bis jetzt – wie geplant schreiben zu können. „So ein Abitur wird hoffentlich keiner so schnell mehr schreiben, so werden wir es aber auch nicht vergessen“, sagt Nina Becker.

Von Josephine Ruhlandt

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