Werratalsee: Eschweger Grüne sehen K+S als Verursacher der Probleme

Dietrich: Gier ist schuld

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Engelbert Thielemann (links) und Bürgermeister Alexander Heppe entfernen im August die Badewarnung am Werratalsee. Muss sie im kommenden Jahr wieder montiert werden?

Eschwege. Lothar Dietrich ist sauer. „Es macht mich wütend, dass die Ursachen mit Rücksicht auf K + S nicht endlich angegangen werden“, sagt der Fraktionschef von Bündnis 90/Die Grünen in der Eschweger Stadtverordnetenversammlung.

Alle Vorhaben zur Verbesserung des Werratalsees, die gegenwärtig diskutiert würden, seien lediglich ein Herumdoktern an der Wirkung, ohne die Ursachen zu beseitigen.

„K + S macht sich seit Jahren die Taschen voll und wir haben hier die Folgen dieser Firmenpolitik zu tragen“, schimpft Dietrich, „das ist Renditegier auf Kosten der Stadt Eschwege und vieler anderer.“ Für den Grünen-Stadtverordneten steht fest: Weil der Düngemittelkonzern fortlaufend Schadstoffe in die Werra einleitet und die wegen des niedrigeren Wasserspiegels im benachbarten Werratalsee in das Problemgewässer gedrückt werden, gibt es die Schwierigkeiten überhaupt.

Dietrich hofft, dass der See bis zur Wasserspiegelanhebung jetzt nicht in jedem Jahr grün blüht. „Letzten Endes werden wir aber mit dem Risiko leben müssen“, sagt er. Das sieht sein CDU-Kollege Stefan Schneider ganz anders. „Wir wollen, dass im Haushalt 2013 zusätzlich Geld für Sofortmaßnahmen zur Verfügung steht.“

Die CDU tendiere zwar dazu, auf eine zusätzliche Aluminiumbehandlung zu verzichten, würde das aber als letzte Möglichkeit akzeptieren, bevor der See erneut unter der Massenentwicklung von Cyanobakterien in den Zustand des zurückliegenden Sommers verfällt. „Es darf nicht passieren, dass wir zwei oder drei Jahre einen Totalausfall haben“, so Schneider mit Hinweis auf die Bedeutung des Sees aus touristischer Sicht.

Andreas Hölzel (FWG) möchte ebenfalls Geld im Haushalt haben, um sofort reagieren zu können, falls sich eine Fehlentwicklung abzeichne. „Mit der Aluminiumbehandlung“, so Hölzel, „habe ich aber auch meine Schwierigkeiten, solange nicht die Unbedenklichkeit bewiesen ist.“

Hölzel fordert, so schnell wie möglich mit dem Abfischen der Karpfen und Brassen zu beginnen. „Das ist die erste Empfehlung des Gutachters, sie ist hoch wirksam und muss ohnehin gemacht werden.“ Zusätzliche Kosten würden somit nicht entstehen.

Für SPD-Fraktionsvorsitzenden Alexander Feiertag hat die Wasserstandsanhebung Priorität. „Das Planfeststellungsverfahren muss mit Hochdruck vorangetrieben werden“, fordert er und findet damit Zuspruch bei Bürgermeister Alexander Heppe und Bernhard Gassmann (Linke). Gassmann will auf die Aluminiumbehandlung aus Kostengründen grundsätzlich verzichten und auch zwei oder drei zusätzliche Jahre mit dem Risiko der Cyanobakterien-Massenentwicklung leben.

Um das Planungs- und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und die Gefahr möglicher Klagen zu vermeiden, empfiehlt Feiertag, schon im Vorfeld mit allen Beteiligten zu reden.

Von Harald Sagawe

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