Starthilfe bei Digitalisierung im Einzelhandel

Original: bha150820_Auszubildender_62695910.jpgFoto: Daniel Reinhardt/dpa
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Auch das heißt Digitalisierung: Ein Auszubildender zeigt den Einsatz einer Datenbrille. Diese werden unter anderem in der Wartung und Installation eingesetzt.

In Sachen Digitalisierung liegt im Werra-Meißner-Kreis noch viel Potenzial brach. Dabei eröffnet die Digitalisierung den Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten, um neue Märkte zu erschließen. 

Werra-Meißner.  In Sachen Digitalisierung liegt im Werra-Meißner-Kreis noch viel Potenzial brach. „Dabei eröffnet die Digitalisierung den Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten, um neue Märkte zu erschließen“, wirbt Dr. Lars Kleeberg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Werra-Meißner (WfG).

Digitalisierungsoffensive 

Dr. Lars Kleeberg Geschäftsführer WfG

Deren nun gestartete Digitalisierungs-Offensive hat einen brandaktuellen Grund: Die Corona-Pandemie, die kleine und mittelständische Betriebe, wie sie im Werra-Meißner-Kreis vorherrschen, zu überwältigen droht. „Erste Erfahrungswerte zeigen, dass Firmen, die schon längst auf neue, digitale Geschäftsprozesse gesetzt haben, bislang deutlich besser durch die Krise gekommen sind“, sagt Dr. Lars Kleeberg. Denn Digitalisierung, das sei weit mehr als das Eröffnen eines Online-Shops: „Idealerweise führt die Automatisierung von Arbeitsprozessen – genannt sei nur die automatisierte Rechnungsbearbeitung – zu Kosten- und Zeitersparnissen. Die verbesserte Daten-Sicherheit ist ein weiterer Vorteil, von dem Unternehmen profitieren. Sie erlaubt ihnen, den Blick wieder vermehrt auf ihr Kerngeschäft zu richten.“

Der Fokus fehlte bisher

Die Gründe, wieso bisherige Digitalisierungsvorhaben im Kreis nicht umgesetzt worden sind, seien vielfältig. Zum einen fehle die Zeit, sich während des Tagesgeschäfts mit den Möglichkeiten, Chancen und Risiken zu beschäftigen. Zum anderen fehle auch der Fokus innerhalb der schier unendlich vielen Digitalisierungsmöglichkeiten und bei den Ideen, die Unternehmer möglicherweise schon entwickelt haben.

Wirtschaftsförderung will unterstützen

„Das Team der Wirtschaftsförderung steht den Unternehmen bei sämtlichen Vorhaben beratend zur Seite – etwa bei der Auswahl der Förderprogramme für den erfolgreichen digitalen Wandel“, erklärt Peter Döring, Fördermittelberater der WfG Werra-Meißner.

Passenderweise, sagt Peter Döring, starteten im Herbst Förderprogramme, die kleine und mittelständische Betriebe bei der Digitalisierung sowie bei der Qualifizierung der Mitarbeiter unterstützten, um sie langfristig wettbewerbsfähig und zukunftsfest zu machen. 

Internetauftritt präsentiert Förderprogramme 

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Werra-Meißner hat sich das Thema Digitalisierung, die „gelebte Innovation“, als erklärtes Ziel auf die Agenda gesetzt. Auf der Internetseite der WFG: werra-meissner.de/digitalisierung ist der Punkt mittlerweile als eigens entwickeltes Sublogo zu finden. Stets aktuell wird hier etwa über Förderprogramme informiert. Die WfG versteht sich dabei als Vermittler und Netzwerker, der Potenziale zusammenführt. 

Starthilfe in Sachen Digitalisierung 

„Die reinste Form des Wahnsinns ist, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert“ – dieser Leitspruch wird Albert Einstein zugeschrieben. Den Wahnsinn einer Pandemie aber, die über Nacht nichts beim Alten ließ, hätte sich wahrscheinlich auch Einstein nicht träumen lassen. Corona hat das Thema Digitalisierung dringender denn je ins Bewusstsein gerückt – nun ist Handeln gefragt, sagt die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Werra-Meißner. 

Zwei Programm aufgelegt

Zwei Programme nimmt sie dabei besonders in den Fokus. WfG-Fördermittelberater Peter Döring erläutert die Details. „Digital jetzt“ „Digital jetzt“ umschreibt eine Investitionsförderung für kleine und mittelständische Betriebe. Ziel des Förderprogramms ist es, sie bei der Digitalisierung sowie der Qualifizierung der Mitarbeiter zu unterstützen, um sie langfristig wettbewerbsfähig und zukunftsfest zu machen.

 „Digital jetzt“ ist ein Investitionsförderprogramm des Bundes für Unternehmen mit bis zu 499 Mitarbeitern und startet Anfang September. Einzelunternehmen können bis zu 50 000 Euro Zuschuss für Hard- und Software sowie die Qualifizierung der Mitarbeiter beantragen. Die Förderquoten betragen je nach Unternehmensgröße zwischen 40 und 50 Prozent der förderfähigen Kosten – im Werra-Meißner-Kreis sogar bis maximal 70 Prozent. Das Antragstool ist ab Montag, 7. September, auf der Seite bmwi.de/Redaktion/DE/Dossier/digital-jetzt.html freigeschaltet. 

Beratungsförderung  

„Go-digital“ „Go-digital“ meint die Beratungsförderung für kleine und mittelständische Betriebe. Mit seinen drei Modulen digitalisierte Geschäftsprozesse, digitale Markterschließung und IT-Sicherheit richtet sich „Go-digital“ gezielt an kleine und mittlere Betriebe. Praxiswirksam bietet das Programm Beratungsleistungen, um mit den technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen im Bereich Online-Handel, Digitalisierung des Geschäftsalltags und dem steigenden Sicherheitsbedarf bei der digitalen Vernetzung Schritt zu halten. Gefördert werden Beratungsleistungen in einem ausgewählten Hauptmodul mit gegebenenfalls erforderlichen Nebenmodulen mit einem Fördersatz von 50 Prozent auf einen maximalen Beratertagesatz von 1100 Euro. Der Förderumfang beträgt maximal 30 Tage in einem Zeitraum von einem halben Jahr. Auf der Homepage bmwi-go-digital.de werden alle autorisierten Beratungsunternehmen mit den entsprechenden Kontaktdaten und den autorisierten Beratungsmodulen veröffentlicht. 

Digitalisierung darf kein Schreckgespenst mehr sein 

Aber droht mit dem digitalen Wandel ein Sterben der Innenstädte mit ihren Ladenstraßen und flanierenden Menschen? „Nein. Die Digitalisierung darf kein Schreckgespenst mehr sein“, mahnen die Experten der WFG. Im Gegenteil: Gerade die Digitalisierung könne helfen, den örtlichen Einzelhandel wieder zu stärken – mit digitalen Angeboten für die einstige Laufkundschaft; Stichworte Wlan-Hotspots und bargeldloses Bezahlen. Wartungen und Installationen etwa könnten per 3D-Brille erledigt werden. Ein reales Kaufhaus könnte auch Produkte ausstellen, die es eigentlich nicht im Sortiment hat – aber eben digital. 

Die Möglichkeiten sind vielfältig

„Die Möglichkeiten sind vielfältig“, sagt Peter Döring. Generation Z Geshared, geliked und getweeted – das sind keine Fremdworte mehr für die sogenannte Generation Z, die nach 1998 Geborenen, die von jedem Punkt der Welt mit jedem kommunizieren. Die digitalen Medien sind für diese Generation eine Art Lebenswelt. „Schon heute lassen sich einige Trends erkennen, die sich auf das Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis auswirken werden“, sagt WFG-Geschäftsführer Lars Kleeberg. „Diese jungen Menschen bringen von Hause aus eine digitale Affinität mit – und können Unternehmen, die in Ausbildung und neue Kräfte investieren, langfristig Wettbewerbsvorteile verschaffen.“ Gute Gründe, um weiter auf den Menschen zu setzen – denn ohne ihn ist die Digitalisierung nicht denkbar.

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