100 Dinge, die wir an der Region mögen (23): Das Johannisfest

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Der Dietemann und seine Biedermeiermädchen: Am Sonntagnachmittag steht der Umzug durch die Straßen der Kreisstadt auf dem Programm des Johannisfestes. Die Eschweger Symbolfigur marschiert voran und begrüßt hier die dreijährige Marilen Führer.

Eschwege. Der Eschweger teilt das Jahr in zwei Abschnitte - vor dem Johannisfest und nach dem Johannisfest. Beide Epochen haben eines gemeinsam: Der Eschweger freut sich auf das Johannisfest - vor dem Johannisfest auf das im laufenden Jahr und danach auf das im folgenden.

Immer am ersten Wochenende im Juli - mit Ausnahme der Jahre, in denen die Sommerferien schon im Juni beginnen - feiern die Dietemänner fünf Tage ausgelassen mit ihren Gästen. Die Kleinstadt befindet sich dann im Ausnahmezustand. Bei den eingefleischten Johannisfestfans ist die Ernährung an diesen Tagen ausgesprochen einseitig: Bier und Bratwurst stehen ganz oben auf dem Speiseplan - bei einigen gar ausschließlich - davon dann aber reichlich. Zu kurz kommt hingegen der Schlaf. Selbst wer in weiser Voraussicht den Jahresurlaub geschickt um das Heimatfest platziert hat, wird in diesen Tagen kaum Zeit zum Ruhen finden. Viel zu aufregend sind die Tage und die Nächte zwischen Straßenfest und Rummelplatz. Musikalisch geht es am Donnerstag im Festzelt los - meistens mit einem Programm, das vor allem die älteren Menschen begeistert.

Zum Johannisfest kommen frühere Eschweger gerne zurück in die alte Heimat. Am Freitagabend ist die gesamte Innenstadt Schauplatz für das Straßenfest. Das ist die ideale Gelegenheit, alte Freunde zu treffen und gemeinsam zu feiern.

Am Samstag ist Maienzug. Eschweger Schüler tragen Birkengrün zum Marktplatz. Wenn dann die Kinder mit den Vertretern der Stadt und dem Publikum in das Dietemannlied einstimmen, ist das einer der Momente, in denen stolze Großeltern feuchte Augen bekommen. Tausende Kinder stehen auf dem Platz, umgeben von der Fachwerkkulisse, die in den Farben der Stadt geschmückt ist. Eschwege empfängt an diesem Wochenende seine Freunde. Aus den verschwisterten Städten Saint Mandé, Regen und Mühlhausen kommen die Bürgermeister oder deren Stellvertreter, Abordnungen der Patenschiffe von Bundeswehr und -polizei machen an der Werra fest.

Am Sonntag folgen sie dem Dietemann und seinen Biedermeiermädchen, die traditionell an der Spitze des Umzuges durch die Stadt gehen. Und wieder sind es die Eschweger Schulen, die für Farbe im Festzug sorgen. Sie übertreffen sich dabei, fantasievolle und ideenreiche Beiträge zu kreieren. „Stadt der Freundschaften“ ist in Anlehnung an die Partnerschaften und Patenschaften der Kreisstadt als Motto ausgegeben. Zum Abschluss treffen sich am Montag bereits vormittags die Belegschaften der Eschweger Unternehmen im Festzelt auf dem Werdchen.

Von Harald Sagawe

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