Grüner Dschungel der Ruhe

100 Dinge, die wir in der Region mögen: Das Feuchtbiotop bei Oberhone

Eschwege. Unweit des Gewerbegebietes am Hessenring, nur wenige hundert Meter von den Bundesstraßen 27 und 452 entfernt, liegt ein wahres Idyll. Wer Ruhe und Natur um sich herum haben will, findet beides im Feuchtbiotop bei Oberhone.

Es ist der perfekte Ort zum Runterkommen: Geschützt vom Alltagslärm liegt zwischen ein paar Hügeln das Feuchtbiotop bei Oberhone. Das Areal wirkt in seiner Ursprünglichkeit wie ein kleiner Dschungel, die Natur wächst und gedeiht hier so, wie sie möchte.

Wer am Rande des geteerten, nur von landwirtschaftlichen Fahrzeugen befahrenen Wegs den schmalen Durchgang im Dickicht findet, für den öffnet sich ein Tor in eine andere Welt. Das dichte Laubwerk schluckt auch die letzten Töne des Alltags, ab hier gibt es nur noch Gezirpe, Gezwitscher und das monoton beruhigende Plätschern des Rinnsals zwischen den kleinen Teichen. Automatisch entschleunigt man sich selbst, um von den vielen Kleintieren im Geäst nicht als Störenfried wahrgenommen zu werden. Hier ist der Mensch fremd.

Ganz anders auf der offenen Fläche im oberen Teil des Biotops. Hier kann man den Blick schweifen lassen, seit Kurzem steht eine Picknicksitzgruppe aus Holz am Rand der Wiese. Die Fläche ist zum Weg hin gesäumt von einer Baumreihe, gestiftet von den Konfirmandengruppen der vergangenen Jahrzehnte. Auf benachbarten Weiden halten Landwirte Kühe, wer sich umsieht, bekommt das Gefühl in ein Gemälde zu blicken, so urtypisch wirkt die Landschaft.

Umso bitterer, dass das Feuchtbiotop immer wieder von Umweltsündern für illegale Müllentsorgungen missbraucht wird. Bauschutt, Autoreifen, Gartenabfälle – die abgeschiedene Lage wird so quasi zum Verhängnis. „Wir haben hier leider ständig Probleme mit Müll“, sagt Helmut Noack, zweiter Vorsitzender des Dorfverschönerungsvereins, der sich um das Areal kümmert. Mehrfach schon musste der Bauhof anrücken, um abgelegte Materialien abzuholen. „Und das auf Kosten der Allgemeinheit“, so Noack.

Das Gebiet im Südosten des kleinen Eschweger Ortsteils ist laut Noack dabei sogar von historischer Bedeutung. Denn von hier aus wurde Oberhone einst über eine 1848 gebaute Tonleitung mit Trinkwasser versorgt. Zwischen 1989 und 1991 sowie 1998 und 1999 legte der Verein in diesem Bereich dann ein Feuchtbiotop an. „Das war gar nicht so einfach“, erinnert sich Noack, „das musste mit elf verschiedenen Behörden abgestimmt werden.“ Inzwischen gehören fünf kleine, naturbelassene Teiche dazu. 1991 erhielt der Verein dafür den Umweltpreis der Kreisstadt Eschwege und 1994 auch den des Werra-Meißner-Kreises.

Von Lasse Deppe

Idylle pur: Das Feuchtbiotop bei Oberhone

Idylle pur: Das Feuchtbiotop bei Oberhone

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