Leg doch mal das Handy weg - Medienexperte gibt Eltern und Kindern Tipps im Umgang 

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Autor Thomas Feibel hielt einen Elternvortrag an der Valentin-Traudt-Schule in Großalmerode.

Das wichtigste Netztwerk sind Familie, verein und Freude. Das sagt Medienexperte Thomas Feibel, der in einem Vortrag Tipps zum Umgang mit dem Handy gibt und zwar für Kinder und für Eltern.  

Großalmerode – „Jetzt pack doch mal das Handy weg“, ist der Titel eines Ratgebers von Autor und Medienexperte Thomas Feibel. Er hielt auf Einladung von der Fachstelle für Suchtprävention des Diakonischen Werks, des Mediennetzwerks Click Smart, der BKK Werra-Meißner und anderen Kooperationspartnern einen Vortrag zum selben Thema. Der wohl wichtigste Rat des Abends an die Eltern: ihre eigene Forderung beherzigen und selbst öfter mal das Smartphone aus der Hand legen. Denn handyfreie Räume und Zeit zu schaffen tue beiden Seiten gut, so die Meinung von Thomas Feibel.

Hatespeech, Bots, Social Scoring und Fake News

Mit viel Humor gab er zu Beginn einen ausführlichen Einblick in die moderne Welt des Internets. Er erklärte Begriffe wie Hatespeech, Bots, Social Scoring und Fake News. Denn das größte Problem, wenn es darum gehe, den Erziehungsauftrag in Sachen Internetnutzung und moderne Medien erfolgreich auszuführen, sei, dass Eltern oft selbst gar keinen Durchblick im virtuellen Dschungel hätten.

Wo sind im Restaurant die kopierten Bilder und abgebrochenen Buntstifte?  

Für die Eltern hieß es nicht nur Zuhören, auch ihre Meinung war gefragt. So wollte Feibel wissen: „Welche sozialen Netzwerke kennen Sie?“ Mütter und Väter fingen an Plattformen wie Instagram, Snapchat und Facebook aufzuzählen, hören wollte Feibel aber eigentlich etwas anderes: „Die wichtigsten sozialen Netzwerke hat niemand genannt“, so der Experte. Das seien Familie, Vereine und Schule – all das, wo man echte Freunde finden und mit Menschen von Angesicht zu Angesicht Kontakt haben könne. Wichtig sei es vor allem, den Kindern Sensibilität mitzugeben, ihnen deutlich zu machen, dass sie nicht alles glauben dürfen, was sie im Internet sehen, ihre Lesefähigkeit zu schulen und als echtes soziales Netzwerk für die Kinder da zu sein. Smartphones seien der einfachste Weg, Kindern den Zugang zum Internet zu ermöglichen. Darum hält der Experte überhaupt nichts davon, sie zu früh in Kontakt mit der virtuellen Welt zu bringen. „Wo sind im Restaurant die kopierten Bilder und abgebrochenen Stifte geblieben?“, fragte Feibel.

Gefährliche Trends

Heute sehe man immer öfter Kinder, die Smartphones in den Händen halten, wenn Eltern in Ruhe essen wollen. Ein gefährlicher Trend, wie er findet. „Lieber eine halbe Stunde mit dem Kind auf den Spielplatz gehen, ohne das Smartphone dabei zu haben, als drei Stunden mit dem Handy in der Hand“, rät Thomas Feibel. Denn das würde für beide mehr Qualität in die gemeinsame Zeit bringen.

Plädoyer für Medienführerschein 

Außerdem plädiert Feibel dafür, eine Art Medienführerschein einzuführen, um zu sehen, wie gut die Kinder den Umgang mit dem Internet bewältigen können. Einen Tipp, welches das richtige Alter für das erste Smartphone ist, hatte auch Thomas Feibel nicht: „Jedes Kind ist anders in seinen Fähigkeiten und Interessen. Darum gibt es für mich nicht das eine richtige Alter für den Einstieg ins Internet“, erklärte Feibel.

Am Donnerstag gab es an der Valentin-Traudt-Schule zudem für 35 Schüler der 7. Klassen einen Workshop mit Feibel, in dem er über Gefahren und Chancen des Internets aufklärte. (zwh)

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