Drei von vier Süchtigen im Werra-Meißner-Kreis sind dem Alkohol verfallen

Werra-Meißner. Rund 400 Abhängige im Jahr nehmen nach Angaben des Diakonischen Werks in Eschwege und Witzenhausen regelmäßig die Therapie-Angebote der Einrichtung wahr. Dabei gibt es eine klare Richtung: Sowohl im Kreis als auch bundesweit stellt Alkohol das häufigste Suchtmittel dar – rund 75 Prozent der Klienten, die sich für eine Suchttherapie entscheiden, sind Alkoholiker. Dabei sind etwa zwei Drittel der Betroffenen Männer.

Abhängigkeit kann laut Andrea Böhnke, Psychotherapeutin der Fachstelle für Suchthilfe und Prävention im Werra-Meißner-Kreis, in allen Lebensbereichen zum Problem werden. Aber nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch ihre Angehörigen können sich beraten lassen. „Familie und Freunde von Suchtkranken laufen Gefahr, in eine Co-Abhängigkeit zu rutschen. Sie leiden unter der Sucht ihres Angehörigen meistens genauso stark wie die Betroffenen selbst“, sagt Böhnke. Wichtig sei, die Sucht nicht mit zu vertuschen, sondern offen mit der Problematik umzugehen.

Hilfe durch Nicht-Hilfe sei hierbei das Stichwort. „Wenn Angehörige anfangen, sich für den Suchtkranken zu schämen und die Sucht vor anderen zu verheimlichen, wird das kranke System nur weiter stabilisiert“, sagt die Psychologin. Bierflaschen auskippen beispielsweise sei zwar häufig ein hilfloser Versuch, im Endeffekt jedoch völlig nutzlos. Die Verantwortung abgeben, sich selbst wieder in den Mittelpunkt rücken und dem Betroffenen „seine Abhängigkeit vor die Füße fallen lassen“ – dies sei die einzige Chance, aus dem Teufelskreis auszubrechen.

Das Leben als Alkoholiker zum Beispiel bezeichnet Böhnke als ein Leben mit doppeltem Boden: „Die Betroffenen betreiben einen ungeheuren Aufwand, sich ihre Trinkgewohnheiten schönzureden. Die Ausreden kosten viel seelische Kraft.“ Der Weg zur Einsicht sei häufig lang und steinig.

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