Dreieinhalb Jahre Haft für Stich in den Hals

Eschwege. Weil er einen anderen Mann mit einem spitzen Gegenstand in den Hals gestochen hat, muss ein 50-Jähriger dreieinhalb Jahre lang ins Gefängnis.

Das Schöffengericht unter Vorsitz des Eschweger Amtsgerichtsdirektors Dr. Alexander Wachter sah den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung nach der gestrigen Beweisaufnahme als erwiesen an und verhängte daher diese Haftstrafe.

Vorausgegangen war der Attacke, die vermutlich mit einem Messer ausgeübt wurde, die Beziehung zwischen der 26 Jahre alten Tochter des Verurteilten und dem fünf Jahre jüngeren Sohn des Opfers (52) aus dem Unstrut-Hainich-Kreis. Dem mittlerweile ehemaligen Pärchen und dem Geschädigten zufolge missbiligte der Mann auf der Anklagebank die Beziehung. „Wenn ich dich nicht haben kann, soll dich niemand haben.“ Diesen Satz habe der 50-Jährige, der damals bei seiner Schwester in Eschwege nach der Scheidung untergekommen war, laut seiner Tochter vorher gesagt und am Tattag vorab in einem Gespräch gedroht haben, sie und/oder den damaligem Partner umzubringen.

Morgens zu einem klärenden Treffen bei ihm abgesetzt, wollte der junge Mann aus Thüringen seine Freundin nachmittags wieder abholen, erreichte sie aber nicht. „Weil mein Vater mir das Handy abgenommen hat. Ich hatte keine Wahl, er hat ein Messer gezückt“, so die 26-Jährige.

Abends überredete die Frau ihren Vater nach eigenen Angaben dazu, sie gehen zu lassen. Sie rief ihren Partner an. Zur Sicherheit kam dessen Vater mit, um die junge Frau in einer Eschwege Spielothek abzuholen. Dort gab das Opfer dem Täter mit auf den Weg, er solle „die Kinder in Ruhe lassen.“ Daraufhin stach dieser zu, rannte weg, wurde aber später gestellt. Den Hieb Richtung Hals, der glücklicheweise keine lebensbedrohlichen Verletzungen verursachte, sah nur der Geschädigte. Die „Kinder“ waren schon ein paar Meter weiter. 

HINTERGRUND

Der vorbestrafte Verurteilte verweigerte die Aussage, provozierte aber über die fünf Stunden dauernde Verhandlung hinweg ständig mit Zwischenrufen und Gesten. Er zog alles ins Lächerliche, zeigte Zeugen den Vogel und machte bei der Urteilsbegründung eine „Plapper-Geste“ mit der Hand. Das Verhalten passte zu einem psychiatrischen Gutachten. Dem war zu entnehmen, dass der 14-fache Vater unter Persönlichkeitsstörungen leide. Diese äußern sich mitunter darin, dass er sich trotz Schulabbruchs und jahrzehntelanger Arbeitslosigkeit allen überlegen fühlt und gleichzeitig als Verschwörungstheoretiker niemandem außer der engsten Familie traut. 

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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