Düngeverordnung: Kreis steht nicht auf roter Nitratliste

Können die Bauern bald aufatmen? Denn: Der Werra-Meißner-Kreis steht nicht auf der roten Nitratliste. 

Statt der von der EU-Kommission geforderten pauschalen Verringerung des Düngebedarfs um 20 Prozent haben sich Landwirtschafts- und Umweltministerium jetzt darauf geeinigt, diese Verschärfung nur in den sogenannten „roten Gebieten“ mit besonders hohen Nitratwerten umzusetzen.

Sollte sich die Kommission auf diesen Vorschlag einlassen, hätte die Verschärfung keine Auswirkungen auf den Kreis, da sich die roten Gebiete vorwiegend in Nord- und Süddeutschland befinden. Während die Tierbesatzdichte in Niedersachsen bei 2,5 Großvieh pro Hektar liegt, kommen in Hessen gerade einmal 0,3 Großvieh auf einen Hektar, erklärt Stefanie Wittich vom Kreisbauernverband. „2017 hatten wir im Kreis 95 Milchviehbetriebe, jetzt sind es nur noch 75.“

Hohe Anforderungen

Die Landwirtschaft stehe laut Wittich zum Gewässerschutz. „Auch wir wollen sauberes Grundwasser.“ Immer höhere Anforderungen an eine zielgenaue Düngung erforderten aber auch Präzision bei der Abgrenzung nitratsensibler Gebiete. „Zusätzliche Auflagen müssen in den Einzugsgebieten belasteter Grundwassermessstellen greifen, dort, wo tatsächlich Handlungsbedarf besteht“, warnt Wittich vor einer möglichen Pauschalisierung. Diese würde auch der bedarfsgerechten Düngung widersprechen.

„Nur, weil die Nitratwerte in unserer Region noch nicht so schlecht sind wie anderswo, heißt das nicht, dass wir nichts tun müssen“, hält Thomas Reimann vom BUND entgegen. Allerdings reiche es nicht, die Symptome zu bekämpfen. Vielmehr müsse man das Problem an der Wurzel packen: Durch die Industrialisierung seien die Bauern enorm unter Druck geraten, mussten mit Masse versuchen, wettbewerbsfähig zu bleiben, legten den Fokus daher auf Tier oder Acker, wodurch der natürliche Kreislauf gestört wurde. „Jetzt wird deutlich, was der wahre Preis dafür war.“

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