Dunkle Eschweger Stadtgeschichte

Eschwege: Erlebnis-Führung tauchte ein in den Hexenprozess im Jahre 1657

Stadtführerin Birgit Krüger zeigt den Kerker auf dem Eschweger Schulberg.
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Birgit Krüger zeigt der Teilnehmergruppe den Kerker auf dem Eschweger Schulberg.

Im historischen Gewand begrüßte Birgit Krüger am Freitag eine Teilnehmergruppe, die mehr über den Hexenprozess in Eschwege im Jahre 1657 erfahren wollten.

Vor dem Wohnhaus von Martha Kerste macht die Gruppe, die Birgit Krüger auf einem als solchen angekündigten Kriminalfall durch Eschwege begleitet, halt, erfährt, in welcher Situation die Familie lebte und wie sie es erlebte, als die Stadt 1637 geplündert und in Brand gesetzt wurde und Martha Kerstes Mutter Anna Knierim, die die „alte Hospächerin“ genannt wurde, dabei zu Tode kam.

Während man von sechs der sieben Hexenprozesse Eschweges entweder lediglich den Anfang oder das Ende kennt, ist der gesamte Verlauf des Prozesses, in dem zuerst Catharina Rudeloff und später auch ihre Mutter Martha Kerste verurteilt wurden, bekannt. Auf das Buch „Sie wollen die Hexen brennen“ von Ursula Vaupel zu diesem Hexenprozess verwies die Stadtführerin, erklärte zu Beginn, wie der Glaube an Zauberei und schließlich auch an Hexen durch die Abhängigkeit von der Natur und den Versuch, diese zu beeinflussen, entstand.

Nachdem die Kirche die Existenz von Hexen zirka 1000 Jahre lang geleugnet hatte, sei es mit Heinrich Institoris und seinem Buch „Hexenhammer“ zu einer Kehrtwende gekommen. „Aber unser Prozess war kein kirchlicher Prozess“, weiß Birgit Krüger, erklärte der Gruppe, dass das komplexe Rechtssystem mit weiten Wegen dafür sorgte, dass in Eschwege weitaus weniger Hexenprozesse als beispielsweise in Thüringen geführt wurden.

Wie es nach Streitereien mit zwei Nachbarn und dem Erkranken deren beider Kinder zu den Vorwürfen gegen Catharina Rudeloff und später auch zu denen gegen ihre Mutter kam, erklärte die Stadtführerin, zeigte den Teilnehmern das damalige Wohnhaus Catharina Rudeloffs und ging darauf ein, welche Rolle die jüngere der beiden im Jugendalter verstorbenen Töchter, Anna-Christina, vor dem Prozess für diesen spielte.

Die Teilnehmer der Stadtführung erfuhren so an den Stationen in der Stadt immer mehr Details über die historische Situation, das Rechtssystem, zu Unrecht angewandte Methoden und den vom 8. April bis zum 30. Oktober andauernden Prozess. Von den Bedingungen Gefangener erzählte Krüger am Dünzebacher-Tor-Turm, bevor die Teilnehmer einen Blick in den Kerker auf dem Schulberg warfen, der dort entstand, um die beiden der Hexerei angeklagten Frauen getrennt voneinander einsperren zu können, da man einen Schuldzauber befürchtete.

Vor dem Rathaus zeichnete die Stadtführerin schließlich den Tag der Hinrichtung beider Frauen nach. „Ein sehr trauriges Kapitel unserer Stadtgeschichte, aber es gehört dazu“, sagte Krüger abschließend. Am Ende stand der Appell, aus der Führung und der Geschichte der Hexenprozesse mitzunehmen, dass man gegen Ungerechtigkeiten aufstehen solle.

Die nächste Erlebnis-Stadtführung in Eschwege findet am kommenden Freitag zum Thema „Eschwege – Stadt am Fluss“ statt. Mehr Informationen gibt es unter werratal-tourismus.de.

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