Jetzt haben die Sicherheitsvorkehrungen der hessischen Justiz auch im Eschweger Amtsgericht Einzug gehalten

Durch die Schleuse ins Gericht

Eschwege. Tödliche Schüsse in Gerichten, abgegeben von gewalttätigen Straftätern oder frustrierten Scheidungsopfern kommen immer wieder vor. Bislang hat die hessische Justiz von flächendeckenden Sicherheitsmaßnahmen an kleinen Gerichten abgesehen. Jetzt aber hat das Justizministerium landesweit 32 Stellen genehmigt und das Amtsgericht Eschwege hat zugegriffen.

Der flexibel handhabbare Eingangsbereich mit Metalldetektorschleuse ist seit dem Neubau vorhanden, seit 1. September wirft hier Andreas Gast ein Auge auf die Kundschaft des Amtsgerichts. Wenn jemand mit Metall am Körper durch die Schleuse geht piepst es. Wenn Schlüssel, Handy, Feuerzeug etc. aus den Taschen geholt sind, nimmt der Kontrolleur mit einer Handsonde eine zweite Prüfung vor. Bleibt nur noch die Gürtelschnalle oder der Herzschrittmacher übrig, darf die Person passieren. Das System soll Waffen aufspüren, die in der Regel mindestens teilweise aus Metall sind.

Bisher konnte sich jedes Gericht abhängig von den örtlichen Verhältnissen etwas einfallen lassen, in Eschwege wurde nach dem Zufallsprinzip einmal wöchentlich kontrolliert oder wenn es ein Richter wegen einschlägiger Klientel wünschte, sagt Direktor Dr. Alexander Wachter. Die Personalsituation ließ keine andere Lösung zu.

Im Gegensatz zum Landgericht Kassel, wo schon immer kontrolliert werde wegen hochkarätiger Strafsachen, sei am Amtsgericht Gewaltgefahr eher aus dem Bereich Familienrecht zu befürchten, sagt Dr. Wachter.

Mit Andreas Gast wurde ein Schwerbehinderter eingestellt, dem für seine Aufgabe nur noch die Uniform fehlt, die kommt in einigen Tagen.

Der Sicherheitsmann ist während der Kernzeit von 9 bis 16 Uhr im Einsatz und wird auch als Servicekraft geschätzt. Wo man hin wolle fragt er und gibt Auskunft und eine Wegbeschreibung. Und wenn mal weniger los ist, aktualisiert er Loseblattsammlungen von Gesetzestexten.

Die Besucher/Kunden hätten sich schnell an die Kontrolle gewöhnt, sagt Gast. Wen er schon kennt als Mitarbeiter oder beispielsweise Reno-Gehilfinnen, die täglich die Post holen, dieser Personenkreis dürfe so passieren. Das gilt auch für die Mitarbeiter, die gegenüber in angemieteten Räumen untergebracht sind. Die bekommen auch eine Sicherheitsschleuse, die in Limburg übrig ist und noch nach Eschwege gebracht werden muss, kündigt Dr. Wachter an. Die wird vormittags eingesetzt, wenn Publikumsverkehr ist.

Von Helmut Mayer

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