Ein Pfund Gehacktes als Dankeschön: Aus dem Arbeitsalltag eines Eschweger Taxifahrers

Peter Krusch fährt seit fünfeinhalb Jahren im Werra-Meißner-Kreis Taxi: Auf seinen Fahrten trifft er kuriose Gäste und erlebt verrückte Situationen. Foto: Morth

Eschwege. Taxifahrer haben einen abwechslungsreichen Beruf, erleben die kuriosesten Dinge und wissen einiges zu erzählen.

Eine rote Laterne flackert in der Dunkelheit, um Taxifahrer Peter Krusch auf den Abholpunkt seines nächsten Kunden aufmerksam zu machen. So beginnt einer der kuriosen Geschichten, von denen der 58-Jährige berichtet.

„Der Fahrgast aus Niedersachsen teilte uns am Telefon mit, dass er so viel besser zu erkennen sei. Er war Besucher der Puppenfesttage und ist leidenschaftlicher Sammler des männlichen Pendants der Barbie-Puppe, von der er über 600 Stück besitzt. Seine Lieblingspuppe führte er auf dem Schoß mit sich und kleidete sich gleichzeitig genauso wie sie. Die Bekleidung für sich und die Puppe fertigt er selbst“, witzelt Krusch.

Er selbst arbeitet seit fünfeinhalb Jahren als Taxifahrer im Kreis und legt dabei im Jahr bis zu 70 000 Kilometer zurück. „Die weitesten Fahrten führten mich nach Hamburg, Heidelberg und in das Ruhrgebiet. In Essen hatte der Fahrgast eine Nacht Aufenthalt, was für mich vier Fahrtstrecken bedeutete. In Hamburg wartete ich fünf Stunden, ehe wir die Heimfahrt antreten konnten“, erzählt Krusch.

Diese Fahrten zählen aber längst nicht zu den kuriosesten: Ein Gast aus Bad Sooden-Allendorf litt zum Beispiel unter Orientierungslosigkeit. „Der stark alkoholisierte Mann wollte im Stadtteil Sooden abgeholt und nach Eschwege befördert werden. Während der Fahrt schlief er und stellte bei der Ankunft in Eschwege verwundert fest, dass es sich bei der Innenstadt gar nicht um die Allendorfer handelte. Die Fahrt endete schließlich am Marktplatz in Allendorf“, spaßt Krusch.

Überhaupt würden die Fahrgäste auf die verrücktesten Ideen kommen: „Als Dank habe ich von einer Kundin schon einmal ein Pfund Gehacktes erhalten. Ein anderer hinterließ mir den Burger einer Fast Food-Kette als Pfand, während er Geld abhob. Ein Alkoholisierter ließ sich nicht davon überzeugen, dass er bereits vor der Fahrt bezahlt hatte und war deswegen beim Trinkgeld äußerst spendabel“, erinnert sich Krusch.

Von gewalttätigen Situationen, wie sie ein Kollege 2016 am eigenen Leib in Grebendorf erfahren hat, weiß der 58-Jährige glücklicherweise nicht zu berichten. Der Mann erlitt bei einer Auseinandersetzung schwerste Kopfverletzungen, als er Gäste abholen wollte. Ab und an würde es wegen der Bezahlung zwar zu Streitereien kommen, aber auch das Prellen der Zeche sei eine Seltenheit.

Die Wochenendfahrten seien ereignisreicher, da bei den Fahrgästen häufig Alkohol im Spiel sei. „Es kann schon einmal vorkommen, dass Betrunkene aus dem Auto aussteigen wollen, bevor es überhaupt zum Stillstand gekommen ist oder sie ihre Körperflüssigkeiten nicht bei sich halten können“, so Krusch. Die Rechnung für die Reinigung gibt es dann übrigens ganz einfach per Post nach Hause. (mm)

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