Diese Situation ist einmalig: Zwei Grüne aus einem Wahlkreis in Wiesbaden

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Direktkandidat und Ersatzbewerber: Hans-Jörg Müller (links) und Felix Martin vertreten in Wiesbaden gemeinsam den Werra-Meißner-Kreis. Über die Landesliste zogen die beiden Grünen in den Landtag ein. 

Die Konstellation dürfte einmalig sein: Felix Martin (24) und Hans-Jürgen Müller (62) vertrten beide die Grünen im Landtag in Wiesbaden. Beide wurden im Wahlkreis Eschwege gewählt.

Die beiden traten bei der Landtagswahl gemeinsam im Wahlkreis 9 (Eschwege-Witzenhausen) an – der eine als Direktkandidat, der andere als Ersatzbewerber. Beide wurden schließlich über die Landesliste von Bündnis 90/Die Grünen in den Landtag gewählt und vertreten dort gemeinsam den Werra-Meißner-Kreis.

„Nach meinen Recherchen sind Hans-Jürgen Müller und ich die einzigen beiden Abgeordneten der gleichen Partei, die im gleichen Wahlkreis aktiv sind“, sagt Felix Martin. Martin kandidierte auf Listenplatz 18, Müller auf Rang 24. Überraschend holten die Grünen fast 20 Prozent und bekamen 29 Sitze in dem Landesparlament. „Das kam sehr überraschend, bei der Listenaufstellung war das nicht Teil meiner Lebensplanung“, so Müller. Die Fraktion profitiere von der neuen Stärke. Die Inhalte würden sich so auf viele Köpfe verteilen.

Die Arbeit im Wahlkreis und darüber hinaus auch in den Städten und Gemeinden im südlichen Teil des Landkreises teilen die Abgeordneten nach thematischen Kriterien auf. Müller, der aus der ökologischen Landwirtschaft kommt, bedient unter anderem Umwelt-, Klimaschutz-, und Landwirtschaftsthemen, Martin kümmert sich als Mitglied des Haushalts- sowie des sozial- und integrationspolitischen Ausschusses vorrangig um die entsprechenden Politikfelder. „Ansonsten wie es passt“, so Müller. Ein Drittel seiner Arbeitszeit sei er im Wahlkreis unterwegs, die übrige Zeit in Wiesbaden, rechnet der 62-Jährige vor. Bei Martin ist die Präsenzzeit eher umgekehrt: 60 Prozent Wahlkreis; 40 Prozent Landeshauptstadt. „Ich finde es wichtig, auch Feuerwehrfeste und ähnliche Veranstaltungen zu besuchen“, so der 24-Jährige. „Das ist gut investierte Zeit, eine gute Gelegenheit, Menschen zu treffen und zu erfahren, was denen wichtig ist.“

Parallel zum Abgeordnetenmandat bringt Felix Martin gerade seine Ausbildung zum Bankkaufmann zu Ende – in Teilzeit, 25 Stunden pro Woche. „Das ist ein Angebot, das sich eigentlich an junge Mütter richtet“, sagt er und betont, dass ihm wichtig sei, neben der Politik ein zweites Standbein zu haben.

„Der weite Weg nach Wiesbaden ist eine Herausforderung“, so Müller, der aus dem nördlichsten Zipfel des Landes nach Wiesbaden reist. Dort hat er eine Zweitwohnung. In Hotels werde er nicht heimisch. Anders Martin, der während der Sitzungstage genau dort übernachtet. Die beiden Nordhessen suchen den Kontakt zu den übrigen Abgeordneten „der demokratischen Parteien“, vor allem mit denen aus der Region und den Parlamentariern des Koalitionspartners CDU. „Wir stecken die Köpfe zusammen“, sagt Müller. Er nennt das Bündnis mit den Christdemokraten „stabil“, es werde diszipliniert gearbeitet. „Vertrauensvoll, ohne deren Inhalte zu übernehmen“, so Martin.

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