Im Einsatz für die Flüchtlinge

Tender Werra soll im Mittelmeer Menschen retten

Goodbye Kiel: Am 3. Juni ist der Tender Werra mit Ziel Mittelmeer ausgelaufen. Seit zehn Tagen kreuzt das Marineboot zwischen Italien und der libyschen Küste. Hier verabschieden die Angehörigen die 66-köpfige Crew. Fotos: Carsten Rehder/dpa

Eschwege/Kiel. Elf Tage ist sie im Einsatz, gerettet hat sie noch niemanden. Das Patenschiff Tender „Werra“ der Kreisstadt Eschwege soll im Mittelmeer zwischen Italien und der libyschen Küste Flüchtlinge aufnehmen. Bislang war das Wetter aber zu schlecht, wenn die Werra ausgelaufen ist. „Bei zwei Meter hohen Wellen trauen sich auch die Flüchtlingsboote nicht auf hohe See“, sagt der Pressesprecher für Marineeinsätze Bastian Fischborn.

Die 66-köpfige Besatzung der Tender „Werra“ soll in Seenot geratene Flüchtlinge aufnehmen. Das Schiff der Marine unterstützt im Mittelmeer zusammen mit der Fregatte „Schleswig-Holstein“ die Rettungseinheiten Italiens. Die „Schleswig Hollstein“ war bereits erfolgreicher. 1600 Menschen hat sie in den vergangenen Wochen in Sicherheit gebracht. Seit dem 7. Mai ist die deutsche Marine im Mittelmeer im Einsatz, Schiffbrüchige aufzunehmen. „In dieser Zeit haben wir 5046 Menschen gerettet, darunter 368 Kinder“, sagte Fischborn am Montagabend.

Stefan Klatt

250 bis 350 Menschen kann die „Werra“ aufnehmen. Die Umstände würden zeigen, wieviele Menschen wirklich an Bord unterkommen, sagt Fischborn. Keiner bleibe im Wasser. Alle Menschen werden auf das Achterdeck gebracht. Und eine Art Zeltdach, das vor Sonneneinstrahlung schützen soll, wird ebenfalls aufgebaut. Die Menschen gehen anschließend in italienischen Häfen an Land.

Die Werra wurde für den Einsatz extra auf- und umgerüstet: An Bord befinden sich Medikamente, Schutzanzüge, Decken, Verpflegung, aber auch Dixie-Klos. Wichtig sei, Infektionskrankheiten zu vermeiden. Zwei motorisierte Schlauchboote wurden zusätzlich zu den vorhandenen Beibooten an Bord genommen. Die 66 Soldaten der Stammbesatzung haben für diesen speziellen Einsatz in Italien Verstärkung bekommen. In Spanien kamen ein Ärzteteam, Sanitätspersonal, ein Militärpfarrer und sogenannte Sicherungssoldaten an Bord.

Das Kommando über die Werra hat nach wie vor der 46 Jahre alte Korvettenkapitän Stefan Klatt. Er führte die Werra durch den Nord-Ostsee-Kanal, über die Nordsee und vorbei an der Iberischen Halbinsel. In Malaga wurden weiteres Personal und die Ausrüstung des dort seit Mitte Mai eingesetzten Versorgers Berlin aufgenommen.

Der Tender „Werra“ ist eine schwimmende Unterstützungseinheit für Bootsgeschwader und regelmäßig im Nato-Einsatz. Auf dem Schiff ist Platz für 24 Container. Diese Behälter können schnell ausgetauscht werden. Die üblicherweise an Bord vorhandenen Werkstatt- und Ersatzteil-Container für Minenabwehr- und Schnellboote wurden für den bevorstehenden Einsatz komplett von Bord genommen.

Nach derzeitiger Planung soll die Besatzung der Werra Anfang Oktober nach Kiel zurückkehren.

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