Einsatz in der Tiefe: Taucher der Stadtwerke saugen den Grund der Werra

Bereit zum Abtauchen. Taucher Volker Kronis bediente den selbstgebauten Sauger unter Wasser. Fotos: Faust

Eschwege. Ein Tauch-Team der Stadtwerke hat am Mittwoch den Grund der Werra gereinigt. In mehreren Metern Tiefe kam ein selbstgebauter Staubsauger zum Einsatz.

Der heutige Arbeitsplatz von Stefan Schmidt ist nicht besonders gemütlich. Vor allem nass ist er, dazu nur rund acht Grad warm und äußerst schlammig. Gemeinsam mit sechs Kollegen von den Stadtwerken Eschwege reinigt er den Grund der Werra. Zum Einsatz kommt dabei eine Art selbstgebauter Staubsager. Der lange Schlauch saugt den Schmutz vom Grund des Flusses auf und bläst ihn einige Meter weiter hinten wieder hinaus.

Verdiente Dusche: Ganz nach Vorschrift musste sich Taucher Stefan Schmidt nach dem Auftauchen erst einmal unter der heißen Dusche aufwärmen.

Wozu der ganze Aufwand dient, erklärt Einsatzleiter Rainer Gliemroth: „Wir müssen eine Turbine an der Wasserkraftanlage kontrollieren. Da kommen wir nur ran, wenn das Wasser weg ist“ Um die braune Brühe abzuhalten, werden zwei Dammtafeln in das Flussbett gesetzt. Die neun Tonnen schwere Wände fügen sich mit ihren Gummilippen nahtlos in das Flussbett ein. Doch dafür dürfen sich in mehreren Metern Tiefe eben keine Äste, Blätter oder sonstige Verschmutzungen befinden. Und um Dreck und Schlamm zu entfernen, ist das ungewöhnliche Arbeitsgerät nötig, das extra per Kran ins Wasser gehoben wurde.

Der Chef der Eschweger Stadtwerke, Markus Lecke, hat großen Respekt vor seinen Mitarbeitern. Er selbst ist zwar begeisterter Sporttaucher, gibt aber zu: „Das ist eine Wahnsinnsarbeit. Körperlich, aber auch psychisch. Da unten sieht man gar nichts, Sichtweite gleich null.“ Dunkel wie die Nacht sei der Werragrund. Die Wassertiefe fällt an der zu reinigenden Stelle unterhalb des Schlossplatzes auf einer kurzen Strecke von anderthalb auf knapp 8,50 Meter.

Taucher der Stadtwerke reinigen den Grund der Werra

Stefan Schmidt, der circa eine halbe Stunde im und unter Wasser gewesen ist, muss sich nach dem Tauchgang erst einmal aufwärmen. Eine heiße Dusche und belegte Brote bringen die Körpertemperatur wieder auf den richtigen Stand. Weil die Arbeit für Schmidt und Volker Kronis, den zweiten Taucher, kein leichtes Unterfangen ist, sind die ausgebildeten Taucher professionell mit Sauerstoffflasche und Neoprenanzug ausgestattet. „Trotzdem wird es sehr schnell kalt. Und da unten kann leicht die Orientierung verlieren“, ruft Schmidt aus dem Wasser. Die Mitarbeiter der Stadtwerke wurden extra für diese außergewöhnlichen Einsätze unter Wasser zu Tauchern qualifiziert. Zur Sicherheit sind sie mit einem Seil am Ufer angeleint. Mindestens zwei weitere Arbeiter überwachen das Geschehen.

Zum Vorschein kommen während den aktuellen Arbeiten und denen aus vergangenen Jahren die skurrilsten Dinge.

„Es ist immer wieder erstaunlich, was die Leute hier reinwerfen.“ Fahrräder, Einkaufswagen, Gartenstühle, sogar einen Motorroller haben die Taucher schon im Nass gefunden. Gliemroth sagt: „Bemerkbar machen sich auch das Johannisfest und das Open Flair. Wir finden hier jede Menge Flaschen, aber leider auch Scherben.“ Er wünscht sich, dass die Menschen achtsamer mit ihrem Müll umgehen – und ihn nicht einfach in die Fluten werfen.

Von Pelle Faust

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